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Der harte Kampf ums Weihnachtsglück

Emilia Huesmann aus Seifhennersdorf ist eine strebsame junge Mutter - dennoch drohte ihr die Obdachlosigkeit. In dieses Schicksal wollte sie sich nicht begeben.

Emilia Huesmann und ihr Sohn Ben können nach vielen Sorgen jetzt glücklich Weihnachten feiern.
Emilia Huesmann und ihr Sohn Ben können nach vielen Sorgen jetzt glücklich Weihnachten feiern. © Markus van Appeldorn

Eine Kiste voller Lego-Bausteine kann das große Glück bedeuten. Wenn sie Kinderaugen leuchten lässt. Die junge Mutter Emilia Huesmann (20) wusste bis vor Kurzem nicht einmal, wie sie ihrem Kind eine tägliche warme Mahlzeit finanzieren soll. Doch pünktlich zu Weihnachten hat sich für sie und ihre kleine Familie alles zum Guten gewendet. Die Existenz ist gesichert, die Wohnung auch - und der kleine Ben (3) kann sich noch ein Lego-Haus dazu bauen. Ein glückliches Ende, nachdem es lange eher so ausgesehen hatte, als würde die Familie Weihnachten obdachlos sein, als unterm Tannenbaum feiern zu können.

Emilia Huesmann ist keine Frau, die etwas geschenkt haben möchte. Sie möchte sich ihre Existenz erarbeiten. Deshalb hatte sich die junge Seifhennersdorferin mit ihrem Sohn Ben eine Wohnung in Bautzen genommen. Dort holt sie an einer Abendschule den Realschulabschluss nach, will danach eine Ausbildung beginnen. Bis dahin braucht sie eine Art Anschubfinanzierung. Ihr Freund Pascal, der Vater des Kindes, war zunächst in der bis dahin gemeinsamen Wohnung in Neugersdorf geblieben, weil er es von da näher hatte zu seinem Ausbildungsplatz. Und genau diese Konstellation machte Emilia Huesmanns Fall kompliziert für das Jobcenter in Bautzen. Das erkannte ihr und ihrem Sohn monatlich gerade mal 214,81 Euro für die "Kosten der Unterkunft und Verpflegung" zu. Dieser Hartz-IV-Satz reichte nicht einmal für die Hälfte der Miete - geschweige denn für Verpflegung.

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Die rettende Nachricht

"Ich klage gegen den Bescheid des Jobcenters und habe auch Prozesskostenhilfe bewilligt bekommen", sagt Emilia Huesmann. Aber was nutzt die, wenn es ewig dauern kann, bis über eine solche Klage entschieden ist - und man solange ohne einen Cent dasitzt? Die junge Mutter konnte nicht untätig warten. Aber da war noch ein Hoffnungsschimmer: Bafög. "In Sachsen ist es so, dass man nur für ein Schuljahr Bafög bekommen kann", sagt sie. Und dieses Schuljahr der 10. Abschlussklasse hatte erst im August begonnen. "Ich habe deswegen schon im Juli einen Bafög-Antrag gestellt", sagt sie. Aber wie es mit Amtsmühlen eben so ist - sie mahlen langsam.

Emilia Huesmann lief die Zeit davon. Ihr Bafög-Antrag lag ganz unten im Stapel. "Ich habe da beinahe jeden Tag angerufen und bin denen auf den Wecker gegangen", erzählt sie. Ihr Vermieter war zunächst kulant, stundete ein paar Mieten, damit das Geld vom Jobcenter wenigstens einigermaßen zum Leben ausreicht - aber irgendwann wurde auch der ungeduldig. Obdachlosigkeit drohte. "In dem Moment hatten wir Gott sei Dank die Familie von Pascal, die hat uns Geld geliehen. Sonst wären wir hier hochkant rausgeflogen", erzählt sie. Und auch ihre Großmutter Waltraud aus Löbau schenkte Emilia 1.000 Euro - als Teil vom Erbe. "Meine Oma hat gesagt, sie kann es sich nicht mehr mit ansehen und war froh, dass sie mir das Geld geben konnte, bevor sie stirbt", sagt sie.

Ihr Freund Pascal und sie gingen verantwortungsvoll mit dem Geld um. "Wir haben davon alle Mietschulden beglichen und sogar noch 700 Euro bezahlt, die das Jobcenter in Görlitz aus früheren Hartz-IV-Zahlungen zurückgefordert hatte." Jetzt waren Emilia Huesmann und ihr Freund zwar schuldenfrei - aber erneut völlig mittellos. Und in diesem Moment kam vor ein paar Tagen die rettende Nachricht vom Bafög-Amt. Emilia Huesmanns Insistieren hatte Erfolg: "Die haben mir gesagt, dass mein Antrag bewilligt wird und ich Ende Dezember mit einer größeren Nachzahlung rechnen kann", erzählt Emilia Huesmann überglücklich. Bei einem monatlichen Bafög-Anspruch von 831 Euro seit Sommer wird sie beinahe 5.000 Euro bekommen.

Beste Chancen für die Zukunft

Auch dieses Geld wird das junge Elternpaar sinnvoll einsetzen. "Davon kann Pascal endlich seinen Führerschein bezahlen, damit er leichter zur Arbeit nach Seifhennersdorf kommt", erzählt sie. Denn dieser Arbeitsplatz gehört zur Zukunftsplanung. "Pascal lernt da in einem tollen Betrieb und hat die besten Aussichten auf eine Superstelle dort", sagt Emilia Huesmann hoffnungsvoll. "Und ein bisschen von dem Geld wird auch für Ben als Spargroschen angelegt." Auch sie plant schon für ihr nahes Berufsleben. "Am liebsten würde ich Bestatterin lernen, aber leider gibt's in Bautzen keinen Betrieb mehr, der ausbildet, nur in Dresden" sagt sie. Aber auch eine Arbeit mit Kindern in einer Kita würde sie gerne machen.

Die junge Frau ist so erleichtert: "Wir müssen immer noch darauf achten, was wir kaufen und wofür wir unser Geld ausgeben", sagt sie. Aber immerhin könne sie sich jetzt ab und zu etwas Kleines leisten, was bisher nicht drin war. "Ich muss jetzt nicht mehr auf alles verzichten, kann mir vielleicht mal Mascara kaufen", sagt sie. Priorität hat aber etwas anderes: "Wenn das Geld da ist, kaufe ich für Ben eine Kiste Lego. Er spielt unwahrscheinlich gerne damit", sagt sie.

Mittlerweile ist ihr Freund Pascal auch zu ihr nach Bautzen gezogen. "Ich bin so glücklich, dass unsere kleine Familie jetzt wieder zusammen ist", sagt sie. Und als kleine Familie feiern sie ihr Weihnachtsglück jetzt bei den Eltern ihres Freundes in Plauen. "Es geht echt bergauf - und das macht uns glücklich und dankbar", sagt Emilia Huesmann.

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