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Wie kam der schwarze Herrnhuter zu Ebay?

Seltene Sterne in Farben wie Gold sind im Internet zu einem Spekulationsobjekt geworden. Besondere Begierde weckt ein schwarzer.

Rocco Häschke ist begeisterter Sammler von besonderen Herrnhuter Sternen.
Rocco Häschke ist begeisterter Sammler von besonderen Herrnhuter Sternen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Die Herrnhuter Sterne gehören zum berühmtesten Kulturgut der Oberlausitz. Besondere Stücke aus der Manufaktur sind mittlerweile offenbar zu Spekulationsobjekten geworden. Auf Internet-Verkaufsplattformen wie Ebay schießen die Preise von Sternen in Sonderfarben in astronomische Höhen. Eine Entwicklung, die das Unternehmen mit erheblichem Argwohn betrachtet - und mitunter auch juristische Schritte dagegen einleitet.

Gibt man bei Ebay in der Suchmaske "Herrnhuter Stern Sonderedition" ein, eröffnet sich ein breites Angebot. Die 13-Zentimeter-Sterne vom Typ A1e aus Kunststoff sind schon von Haus aus nicht preisgünstig, aber bei Ebay kann man dafür richtig viel Geld loswerden. Noch bis Ende 2020 gab es die Sonderfarbe "mint" ganz regulär für 19 Euro. Kaum ist er offiziell nicht mehr erhältlich, rangiert er bei Ebay ab 39 Euro. Für einen magentafarbenen (Sonderfarbe 2018) werden auch schon mal 250 Euro aufgerufen. Ein orangefarbener von 2016 steht gar für 500 Euro im Online-Schaufenster. Wer zahlt solche Summen für ein Stück Plaste?

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Exorbitante Preise

Nun, einer davon ist Rocco Häschke aus Kottmarsdorf. Bekannt wurde er in den letzten Jahren durch originelle Minion-Schnee-Kreationen in seinem Garten. Aber als Herrnhuter Kind ist er schon von klein auf Sterne-Fan und ist als Sammler immer auf der Jagd nach ganz besonderen Stücken. "Ich habe erst vor drei Wochen einen in der Sonderfarbe Violett von 2015 für 572 Euro bei Ebay ersteigert", erzählt er. Einerseits ist er froh, dass solche Sterne mittlerweile eine gewisse Wertanlage darstellen. Mit einer Entwicklung ist er als Sammler indes gar nicht einverstanden. "Da gibt's Leute, die Sonderfarben im jeweils aktuellen Jahr in großen Mengen kaufen und sie zum Verkauf anbieten, sobald sie nicht mehr erhältlich sind", erzählt er.

Solche Anbieter sind für Rocco Häschke keine Fans und Sammler, sondern Spekulanten. Solche Verkäufer könnten sich auch schnell eine Abmahnung wegen gewerblichen Handelns einfangen, auch wenn sie auf der Verkaufsplattform als private Verkäufer auftreten. Denn als "gewerblichen Handel" beurteilen Gerichte oft, wenn jemand beispielsweise Dinge nur zu dem Zweck kauft, um sie direkt wieder zu verkaufen oder auch, wenn jemand große Mengen einer Ware anbietet. "Mittlerweile stellen viele solcher Verkäufer deshalb immer nur einzelne Sterne ins Netz", weiß Rocco.

Das Geheimnis um den "Schwarzen Stern"

Roccos Hauptaugenmerk - und das anderer Fans in einer per Internet vernetzten Sammler-Szene - liegt dagegen auf noch viel exklusiveren Stücken. Er besitzt einzelne Stücke in Farben wie gold, dunkelblau oder neongrün. "Das sind Farben, die es offiziell nie gab", sagt er. Teilweise würden sie noch aus DDR-Zeiten stammen. "Den dunkelblauen habe ich zum Beispiel auf einem Dachboden gefunden", erzählt Häschke. Über die Geschichte dieser Sterne ist so gut wie nichts bekannt. Klar ist nur: "Die Manufaktur hat immer mal mit verschiedenen Farben experimentiert. Nicht alle haben es in die Serienproduktion geschafft." Und auch wie solche Prototypen je den Weg aus der Manufaktur fanden, ist nicht mehr nachzuvollziehen.

Und es gibt einen ganz besonderen Star in der Sammler-Szene: den schwarzen Stern. Der hat anthrazit-farbene Dreiecks-Zacken und gelbe Vierecks-Zacken. "Auch die Farbe anthrazit hat es offiziell nie gegeben", sagt Rocco Häschke. Offenbar stammt dieses Farbexperiment aus der jüngeren Zeit. Häschke glaubt zu wissen, dass der Fall dieses Sterns bei einem von der Manufaktur beauftragten Anwalt liegt. Ebenso verhalte es sich mit einem anderen Stück. "Im Internet ist ein Stern aufgetaucht, der hatte Zacken in sieben Farben, die es offiziell nicht gibt. Ich weiß, dass das Unternehmen etwas gegen den Handel mit solchen Sternen unternimmt", sagt er.

Er fühlt sich und andere Sammlerkollegen wegen solcher Sterne teilweise gegängelt - und sogar ausspioniert. Beispiel dafür ist der Fall eines ebenfalls so nicht existenten Sterns in den Farben Rosa und Pink. Daraufhin gab es im Chatraum der Sammlergruppe eine Anfrage: "Würdest Du mir auch so einen machen? Ich würde Dich GUT dafür bezahlen." Rocco glaubt, dass es sich um eine fingierte Anfrage handelte, um den Besitzer zu einem Verkauf zu verleiten. Mit dem Hinweis auf rechtliche Probleme würden sich viele Mitglieder der Szene auf Fragen im Internet auch nur noch sehr zurückhaltend zu besonderen Stücken äußern. "Es drückt den Spaß an der Freude, wenn du Angst haben musst, dass ein Anwalt kommt und es dir wegnimmt", sagt Rocco.

Wann ist ein "Herrnhuter" ein "Herrnhuter"?

Belegt ist etwa eine Abmahnung durch das Unternehmen, bei der einem Verkäufer vorgeworfen wurde, einen Stern verkauft zu haben, ohne darauf hinzuweisen, dass dieser Stern so nicht aus der Serienproduktion der Manufaktur stamme. Der Verkäufer habe aus verschiedenen Sternen einen in einer neuen Farbkombination zusammengesetzt.

Rocco Häschke bemängelt, dass das Unternehmen selbst so eine Entwicklung befeuern würde. "In der Bastelstube der Manufaktur können sich Leute Sterne aus sämtlichen Farben zusammenstellen. Sind das dann etwa keine Herrnhuter Sterne?", fragt er. Auch die Zacken in Sonderfarben könne man mittlerweile dort verbauen und etwa die magentafarbenen Sterne habe es schon als Bausatz gegeben, Jahre bevor sie 2018 als Sonderfarbe vertrieben wurden. Wahrscheinlich ist das alles mit ein Grund, warum allein die Kartons für die Sonderfarben-Sterne schon hohe Preise im Internet erzielen würden. "Ich habe den Karton für einen orangefarbenen Stern schon für 145 Euro gesehen", erzählt Häschke. Einmal zusammengesetzt könne kaum jemand unterscheiden, ob es sich um einen fertigen Stern in Sonderfarben aus der Manufaktur oder um einen selbst zusammengesetzten handele.

Berichterstattung unerwünscht

Herrnhuter-Geschäftsführer Oskar Scholz gibt sich zu dem Thema auf SZ-Anfrage sehr wortkarg. "Es sind verschiedene Dinge im Laufen", sagt er zur Frage etwaiger Wettbewerbs-Klagen oder Abmahnungen, "wenn jemand Markenrechtsverletzungen begeht, dann gehen wir dem nach".

Scholz ist zwar froh über die hohe Nachfrage nach besonderen Sternen, aber: "Muss es denn sein, diese Preise in diesem exorbitanten Ausmaß?" Im übrigen seien das alles interne Dinge, zu denen er sich weiter weder äußern wolle noch könne - und dazu auch keine Berichterstattung wünsche. "Ich bitte, Nachfragen dazu beim Marketing oder anderen Mitarbeitern zu unterlassen und werde auch sofort anordnen, keine Fragen zu beantworten", so Scholz weiter.

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