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So hart umkämpft ist der Wohnungsmarkt

Die WBG investiert in Ebersbach in Sonnenbalkons und E-Mobilität. Warum die Genossenschaft aus dem Oberland jetzt auch nach Zittau expandiert.

WBG-Chef Daniel Füssel und Bauingenieur Steffen Stiebitz (rechts) an einem Mehrfamilienhaus in Ebersbach. Hier werden jetzt unter anderem Balkons installiert.
WBG-Chef Daniel Füssel und Bauingenieur Steffen Stiebitz (rechts) an einem Mehrfamilienhaus in Ebersbach. Hier werden jetzt unter anderem Balkons installiert. © Matthias Weber/photoweber.de

Größer geht's nicht: Auf riesigen Balkonen werden sich die Mieter im Mehrfamilienhaus an der Camillo-Gocht-Straße 22/24 in Ebersbach künftig sonnen oder ihren Kaffee trinken können. "Das ist tatsächlich die größte Variante, die statisch möglich ist", erklärt Bauplaner Steffen Stiebitz. Der Bauingenieur aus Leutersdorf betreut das jüngste Sanierungsprojekt der WBG Oberland. Die Genossenschaft baut derzeit an der Häuserzeile in Ebersbach - und investiert hier insgesamt rund eine halbe Million Euro.

Acht Quadratmeter groß ist jeder der Balkone, die jetzt sozusagen als krönender Abschluss installiert wurden. "Sie liegen auf der Süd-West-Seite, da freuen sich die Leute schon drauf", sagt Daniel Füssel, Vorstand der WBG Oberland.

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Vor der Balkonmontage ist die Fassade erneuert worden. Derzeit laufen auch innen noch Arbeiten. Sechs Wohnungen in dem Zwölf-Parteien-Haus werden auf den modernsten Stand gebracht, berichtet Daniel Füssel, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Oberland. Die anderen waren bereits früher modernisiert worden. Sechs Wohnungen stehen derzeit leer und werden nun erneuert. Für zwei der Wohneinheiten werden noch Mieter gesucht, die anderen sind bereits vergeben und werden nach dem Umbau von neuen Bewohnern bezogen. Ab November können die ersten einziehen.

DDR-Sünden müssen weg

Die Modernisierung ist zum Teil sehr aufwendig, denn die Wohnungen müssen heute bestimmte Standards erfüllen. So müssen Türen beispielsweise eine vorgegebene Breite haben. Das war noch nicht überall der Fall. Und auch ein paar DDR-Bausünden müssen ausgebessert werden, sagt Daniel Füssel. Dabei schaut er zur Decke in einer leer stehenden Erdgeschoss-Wohnung, die derzeit kernsaniert wird. Hier mussten Deckenplatten heruntergerissen werden, die Reste sind noch zu erkennen. "Das muss jetzt alles gespachtelt werden, damit es wieder schön glatt ist."

Und natürlich wird darauf geachtet, dass möglichst keine Schwellen vorhanden sind. Die Wohnungen im Hochparterre bekommen zudem ebenerdige Duschen in den Bädern eingebaut, berichtet Füssel.

Demografie bestimmt den Wohnungsmarkt

Der Wohnungsmarkt verändert sich, die Mieter haben heute andere Ansprüche als früher. Dem müsse man sich als Vermieter anpassen, so Füssel, wenn man am Markt weiter bestehen wolle. Und die Situation wird sich weiter verändern, ist er sicher. "Die Demografie schlägt da ordentlich rein bei uns in der Region." Um die immer weniger werdenden Mieter müssen dann die Wohnungsgenossenschaften, Gesellschaften und Privatvermieter buhlen. Momentan zählen zu Füssels Mietern viele Rentner, die sich im Alter verkleinern wollen, aus ihrem Eigenheim ausziehen, weil die Arbeit dort zu viel wird. "Künftig wird es aber auch schwerer werden, solche Mieter zu finden. Die Renten werden geringer", blickt der WBG-Chef in die Zukunft.

Ziel müsse es sein, möglichst attraktive Wohnungen zu akzeptablen Preisen anzubieten. An dem Ebersbacher Mehrfamilienhaus wird es zum Beispiel zu jeder Wohnung einen eigenen Stellplatz im Hof geben. "Das ist auch nicht selbstverständlich", so Füssel. Die WBG stellt sich dabei noch mehr auf die Zukunft ein und lässt an jedem Stellplatz gleich eine Lademöglichkeit für E-Autos vorinstallieren. Benötigt ein Mieter dann mal eine Ladestation, kann sie ganz unkompliziert auf den Stromzähler der entsprechenden Wohnung aufgeklemmt werden. "Wir bauen das jetzt mit. Schließlich geht die Entwicklung in diese Richtung", so Daniel Füssel. "Und es wäre ja Unsinn, wenn das später gebraucht wird, dann das Pflaster wieder rauszureißen, um Kabel zu verlegen."

Neue Projekte in Zittau geplant

Weitere Modernisierungen stehen beispielsweise an der Neuen Straße in Oderwitz an, dort will die WBG ebenfalls Balkone installieren. An den Mehrfamilienhäusern am Trebeweg in Eibau sind nächstes Jahr Umbauten vorgesehen.

Zudem will die Wohnungsgenossenschaft aus dem Oberland jetzt expandieren und neue Wohnungsmärkte erschließen. Dafür hat sie Zittau ins Visier genommen. "Hier im Oberland ist unser Wirkungskreis ja begrenzt", sagt WBG-Chef Daniel Füssel. Rund 1.200 Wohneinheiten hat die WBG Oberland jetzt in ihrem Bestand. "1.800 waren es mal", sagt Füssel. Denn viel leer stehender Wohnraum ist nach der Wende abgerissen worden. Nun will die WBG also ihren Bestand wieder aufstocken - unter anderem in Zittau.

Ein konkretes Projekt in Zittau gibt es bereits. Die WBG Oberland hat das Eckhaus an der Weststraße/Zeppelinstraße gekauft. Das soll im nächsten Jahr saniert und Mietwohnungen eingerichtet werden.

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