merken
PLUS Löbau

Wie milde ist das Urteil nach Prügel-Attacke in Löbau?

Ein Jugendlicher verletzt Schüler Richard Wolf in einem Park schwer. Nun stand der Täter vor Gericht. Auf Schmerzensgeld wartet das Opfer bis heute.

Richard Wolf wurde bei der Attacke schwer verletzt.
Richard Wolf wurde bei der Attacke schwer verletzt. © Matthias Weber/photoweber.de

Im Juli 2020 war der Löbauer Gymnasiast Richard Wolf (18) in den Katholischen Anlagen in Löbau von einem damals 17-Jährigen attackiert und schwer verletzt worden. Jetzt stand der Schläger vor einem Jugend-Schöffengericht. Und das urteilte äußerst milde.

Anzeige
Architekt & Ingenieur gesucht (m/w/d)
Architekt & Ingenieur gesucht (m/w/d)

Das in Bautzen ansässige Architektur- und Ingenieurbüro "bauplanung oberlausitz | architekten & ingenieure" sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt Unterstützung.

An dem Vorfall damals hatte Richard Wolf noch lange zu leiden. Aus einer Gruppe heraus war er damals von dem Jugendlichen angegriffen worden. Ein Mitglied dieser Gruppe fertigte mit seinem Handy sogar ein Video von der Attacke an, das später im Internet kursierte. Mehrmals hatte der Schläger seinem Opfer die Faust ins Gesicht gerammt. Richard erlitt dabei einen Trümmerbruch des Kiefers.

Schläger hat Löbau verlassen

"Der Täter hat sich später bei mir entschuldigt und ich habe die Entschuldigung akzeptiert", sagt Richard. Jetzt musste er wegen des Vorfalls aber noch mal eine Reise antreten. Der Täter hat Löbau nämlich verlassen und lebt mittlerweile in Niedersachsen. Deshalb hat die Staatsanwaltschaft Hildesheim das Strafverfahren gegen den jungen Mann von den Görlitzer Kollegen übernommen.

Vor der Jugendschöffen-Kammer des Amtsgerichts Peine kam es nun zum Prozess. "Ich war dazu am letzten Donnerstag (2. September) als Zeuge geladen", sagt Richard Wolf. Der Prozess endete mit einer richterlichen Anweisung gegen den Angeklagten, wie die Staatsanwaltschaft Peine auf SZ-Anfrage bestätigt. Worin diese Anweisung genau besteht, konkretisierte die Behörde nicht. Solche Anweisungen können von der Verpflichtung, einen Aufsatz zu schreiben bis hin zu Geld- oder Arbeitsauflagen, dem Besuch eines Antiaggressionstrainings oder dem Herbeiführen eines Täter-Opfer-Ausgleichs reichen.

Hier in den Katholischen Anlagen hinter der Sporthalle des Geschwister-Scholl-Gymnasiums wurde Richard Wolf attackiert.
Hier in den Katholischen Anlagen hinter der Sporthalle des Geschwister-Scholl-Gymnasiums wurde Richard Wolf attackiert. © Archivfoto: Markus van Appeldorn

Opfer wartet noch auf Schmerzensgeld

"Einen Täter-Opfer-Ausgleich hat es damals nicht gegeben", sagt Richard Wolf. Er kennt den konkreten Inhalt der richterlichen Anweisung auch nicht. "Ich hoffe aber, dass sie zumindest in einer Geldauflage besteht, denn es war ja immerhin eine gefährliche Körperverletzung", sagt er. Außerdem sei der Täter damals nicht zum ersten Mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Auch Schmerzensgeld- und Schadenersatz-Ansprüche gegen den Täter seien noch nicht geklärt. "Das geschieht in einem Zivilprozess", sagt Richard Wolf.

Für die Ermittlungen hatte die Polizei damals eigens die "Ermittlungsgruppe Lubaw" gegründet - benannt nach dem 1221 urkundlich erstmals erwähnten Namen von Löbau. Die Ermittlungen ergaben: Der damals 17-jährige Schläger war in dem Komplex nicht der einzige Täter und es gab auch mehrere Opfer. So wurde zum Beispiel auch Richards Freundin aus der Gruppe heraus attackiert. Gegen viele dieser Gruppe gab es anschließend Ermittlungen, so wegen des Verdachts der Körperverletzung, der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen, des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und unterlassener Hilfeleistung. Die Polizei bestreifte in diesem Zusammenhang verstärkt beliebte Jugend-Treffpunkte und bot Präventionsprogramme für Schulen an.

Das Märchen von der "Ausländer-Bande"

Der AfD-Landtagsabgeordnete Mario Kumpf hatte wegen des Vorfalls zu einer Kundgebung unter dem Motto "Keine Gewalt-Exzesse in unserer Lausitz" auf dem Löbauer Altmarkt aufgerufen. Dabei hatte er ins Publikum gerufen: "Wenn Ausländer unsere Jugendlichen in ihren Banden willkommen heißen, läuft was schief!" und: "Wir lassen uns die Ausbreitung krimineller Clan-Strukturen nicht länger gefallen!"

Doch Kumpf irrte. Der Schläger ist zwar türkischer Abstammung, doch von "kriminellen Clan-Strukturen" konnte die Polizei nichts feststellen. Außer ihm waren nämlich alle aus dieser Gruppe Deutsche. Und nach Ermittlungen der Polizei war der Schläger in diese Gruppe voll integriert.

Mehr zum Thema Löbau