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Hilflos, blind, dem Tode geweiht - und doch gerettet

Die Löbauerin Denise Berger findet drei Katzenbabys, deren Mutter überfahren wurde. Wenigstens Kätzchen "Mathilda" überlebt dank ihrer fürsorglichen Pflege.

Denise Berger mit ihrem kleinen Wildfang "Mathilda".
Denise Berger mit ihrem kleinen Wildfang "Mathilda". © Markus van Appeldorn

Munter läuft und springt Kätzchen "Mathilda" durch die Wohnung ihrer Besitzerin Denise Berger in Löbau-Süd. Den meisten Spaß hat sie an einem kleinen Gummiball, der klingelt, wenn sie ihn mit ihren Pfötchen anstößt. Das Geräusch gibt ihr Orientierung. Manchmal läuft sie auch noch gegen einen Schrank - nicht, weil sie noch so klein und tollpatschig wäre. "Mathilda" ist beinahe blind, kann nur hell und dunkel wahrnehmen. Dennoch hat das Schicksal es gut mit ihr gemeint - denn eigentlich war sie, kaum zur Welt gekommen, schon dem Tode geweiht.

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Es war der 17. Juli, als Denise Berger dieses Schicksal von Mathilda abwendete. "Ich war mit meinem Freund in Ruppersdorf spazieren, es war ein regnerischer Tag", erzählt Denise. Ihr Weg führte die beiden auch an einem verlassenen und verfallenen Gehöft vorbei. "Ich hörte so seltsame Geräusche aus dem Inneren. Ich habe erst gedacht die kämen von Vögeln", sagt sie. Neugierig geworden schaute sie nach und fand jämmerlich maunzende Katzenbabys. "Zwei von den Fünfen waren bereits verendet und die anderen drei total durchnässt", erinnert sich Denise. Wahrscheinlich war die Mutter der Kätzchen kurz zuvor überfahren worden. "Wir haben am Straßenrand eine tote Katze gefunden", erzählt sie.

Zwei der Katzenbabys sind verendet

Ihr Freund fuhr rasch in seine Wohnung und holte einen Katzenkorb. Darin packte Denise die drei Kätzchen und brachte sie heim nach Löbau in ihre Wohnung. "Ich habe sie für die erste Nacht erst mal in einen Karton gelegt und eine Infrarotlampe darüber gestellt", sagt sie. Notdürftig fütterte sie die drei mit Milch. "Ich weiß, das soll man gar nicht tun, aber ich hatte wirklich nichts anderes daheim", sagt sie. Am nächsten Morgen brachte sie die drei zu einem Löbauer Tierarzt. Der räumte den Kleinen zwar keine große Überlebenschance ein, konnte ihr aber wenigstens geeignetes Welpenmilchpulver mitgeben.

Viel Schlaf bekommt man bei so einem Aufzuchtprogramm von drei Kätzchen nicht. "Alle zwei Stunden habe ich die mit Milch gefüttert, Tag und Nacht", erzählt Denise Berger. Dann konsultierte sie die ihr bereits bekannte Tierärztin Dr. Michaela Wiese in Drehsa. Die spritzte den Tieren zur Stärkung eine Glukose-Lösung und verordnete auch Antibiotika. Denn alle drei Katzenbabys litten unter Katzenschnupfen. Nach drei Tagen verstarb dennoch das erste der drei Katzenbabys, ein schwarz-weißer Kater. "Das hat mich gewundert, weil der eigentlich der Stärkste von den dreien war", sagt Denise. Auch Freunde nahmen Anteil am Schicksal der Katzen. "Ich habe über Facebook gefragt, ob jemand alte Handtücher hat, weil man ja aus dem Waschen nicht mehr rauskommt", erzählt sie. Sie bekam jede Menge Hilfe, auch Futterspenden und leihweise eine großräumige Käfigbox.

Therapie-Katze statt Streunerleben

14 Tage lang fuhr Denise Berger jeden Tag zu der Tierärztin, jetzt noch alle zwei Wochen. "Ich bin der Frau Dr. Wiese wirklich dankbar, wie aufopferungsvoll sie sich um die Tiere gekümmert hat", sagt sie. Doch bei aller aufopferungsvollen Pflege: Nach wenigen Tagen verendete auch die zweite Katze - übrig blieb "Mathilda". Die aber ist inzwischen putzmunter. "Ich muss ganz schön mobil sein, sie ist eben ein echter Wildfang", sagt sie. Doch ein Streunerleben wird ihr wegen der durch den Katzenschnupfen verursachten Blindheit nicht möglich sein. "Das bleibt eine Stubenkatze", sagt Denise. Und in der Stube hat sie sich mittlerweile auch an den Tagesrhythmus von Denise gewöhnt. "Mathilda schläft mittlerweile durch und wacht erst auf, wenn ich aufwache", erzählt sie. Und mit gewöhnlichem Katzenfutter kann sie das Kätzchen neben der Milch jetzt auch schon füttern. "Das Katzenklo hat sie auch ganz schnell angenommen", sagt sie.

"Mathilda" kommt aber trotzdem ganz schön rum - und wurde dabei sogar zur "Therapie-Katze". Denise Berger arbeitet nämlich mehrmals wöchentlich als Altenpflegerin im Haushalt von zwei Schwestern in Hochkirch. "Ich nehme Mathilda immer mit zur Arbeit und die beiden Schwestern freuen sich sehr darüber", sagt sie. Eine der Schwestern sei demenzkrank. "Besonders für sie ist der Umgang mit ,Mathilda' wie eine Therapie", erzählt sie.

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