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Aus für Ottenhainer Kita beschlossen

Trotz Protest fand sich keine Möglichkeit, die Einrichtung zu retten. Die Baumängel sind zu groß. Wie geht es jetzt weiter für die Familien und mit dem Gebäude?

Eltern und andere Einwohner aus Ottenhain protestierten am Montagabend vor der Gemeinderatssitzung gegen die Schließung der Kita im Ort.
Eltern und andere Einwohner aus Ottenhain protestierten am Montagabend vor der Gemeinderatssitzung gegen die Schließung der Kita im Ort. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Mit weißen Luftballons haben sich die Mütter und Väter vor dem Eingang zum Eibauer Volkshaus postiert, wo gleich der Gemeinderat tagen wird. Sie haben die Namen ihrer Kinder auf die Ballons geschrieben. Denn Matti, Merle und die anderen Knirpse aus Ottenhain wollen weiterhin in ihre schöne Kita im historischen Schloss gehen.

Doch die Gemeinde will die Kita im Ortsteil wegen baulicher Mängel schließen. Eine Sanierung kommt nicht infrage, sie ist mit geschätzten 2,1 Millionen Euro zu teuer. "Fördermittel haben wir nicht bekommen", so Bürgermeister Michael Görke (parteilos). Und selbst wenn müsste die Gemeinde ja auch die Eigenmittel aufbringen. "Uns brechen Einnahmen weg, auch durch Corona. Wir haben Einbußen bei der Einkommens- und der Gewerbesteuer", umreißt Görke die finanzielle Situation.

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Ein Beschluss zur Kita-Schließung steht auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung am Montagabend. Stimmen die Kottmar-Gemeinderäte zu, ist das Aus besiegelt. Deswegen haben sich die Eltern zum stillen Protest vor der Ratssitzung verabredet.

Reichen die Plätze in anderen Einrichtungen?

Eine Stunde später ist klar: Es wird so kommen, die Ottenhainer Kita schließt. Der Gemeinderat hat dem Träger, dem Verein für Kinder- und Jugendarbeit Ottenhain, die Räume im Schloss und den Betrieb der Kita gekündigt. Bis Ende August 2022 darf die Einrichtung bestehen bleiben, allerdings nur als Kindergarten und Krippe. Die Hortkinder müssen bereits ab dem neuen Schuljahr, das jetzt im September beginnt, den Hort in Niedercunnersdorf besuchen. Die Horträume in Ottenhain befinden sich im Obergeschoss des Schlosses. Und das darf die Kita aus Sicherheitsgründen nicht mehr nutzen.

Die Entscheidung lässt die Eltern mit Fragen zurück. Wo werden ihre Kinder ab dem nächsten Sommer betreut? Eine konkrete Antwort darauf hat die Gemeindeverwaltung noch nicht. Die Kinder werden in anderen Einrichtungen in der Gemeinde untergebracht, die Kapazitäten dafür seien da, versichert Hauptamtsleiterin Kerstin Höhne. Wer wohin gehen kann, wie viele Kinder in welchen Einrichtungen betreut werden können, das wolle die Verwaltung nun mit dem Träger der übrigen Kindereinrichtungen in Kottmar besprechen. Das ist der Verein Kinderland Sachsen.

Ein Fakt, den die Eltern nicht nachvollziehen können. "Das ist doch nicht ihr Ernst!", sagt ein erboster Vater in der Sitzung. "Sie entscheiden zuerst die Schließung und wollen dann klären, wo unsere Kinder überhaupt untergebracht werden können?"

Gemeinde will das Schloss verkaufen

Der Bürgermeister geht davon aus, dass alle Ottenhainer Kinder die Kitas in Ober- und Niedercunnersdorf besuchen können und niemand etwa nach Eibau muss. Das war eine große Befürchtung der Eltern, denn der Weg zur Kita wäre dann enorm weit. Mit konkreten Informationen und Absprachen wolle sich die Gemeinde zeitnah an die betroffenen Familien wenden, so Görke.

Die Kita im Ort ist das Eine. Ihr schönes Schloss als Gebäude ist das Andere, das den Ottenhainern am Herzen liegt. Was wird damit, wenn die Kita raus ist? Die Gemeinde will es verkaufen. "Wir werden es öffentlich ausschreiben", so Görke. Von den Interessenten will sich die Gemeinde Nutzungskonzepte vorlegen lassen, diese sollen dann auch den Einwohnern vorgestellt werden. Schlussendlich wird der Gemeinderat darüber entscheiden, wer den Zuschlag bekommt. Konzept geht dabei vor Verkaufspreis, betont der Bürgermeister.

Eltern suchen weiter nach einer Geldquelle

So ganz aufgeben will Kita-Chefin und Vereinsvorsitzende Daniela Brendler die Hoffnung auf einen Weiterbetrieb der Kita aber noch nicht. Zwar seien aktuell nur etwa zehn Ottenhainer Kinder in der Einrichtung. Die anderen kommen aus Nachbarorten, vornehmlich aus Löbau. Aber Frau Brendler ist sicher, dass es in den kommenden Jahren noch mehr Kinder in Ottenhain geben wird. Einige Ottenhainerinnen seien bereits schwanger. Im Ort leben etliche junge Familien, die weitere Kinder planen.

Die Eltern wollen sich nun noch einmal schlaumachen, ob es nicht doch eine Möglichkeit auf Fördermittel oder eine andere Geldquelle gibt. Ob denn die Gemeinde bereit wäre, das Schloss zu erhalten und als Kita weiterzubetreiben, wenn sich so eine Möglichkeit auftut, wollte eine Ottenhainerin deshalb in der Gemeinderatssitzung wissen. Ein klares "Ja" gab es dazu von Bürgermeister Görke nicht. Aber auch kein deutliches "Nein".

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