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Schaden Mountainbiker dem Wald am Kottmar?

Ein 300 Kilometer langer Trail soll auch über den Kottmar führen. Löbaus designierter OB Albrecht Gubsch macht sich Sorgen - nicht nur um die Waldwege.

Von Markus van Appeldorn
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Albrecht Gubsch sorgt sich über die Auswirkungen vom Mountainbiking am Kottmar.
Albrecht Gubsch sorgt sich über die Auswirkungen vom Mountainbiking am Kottmar. © Daniel Förster/Symbolbild/Archiv

Mit Blick auf den Löbauer Stadtwald schlug Bauamtsleiter und designierter Oberbürgermeister Albrecht Gubsch (parteilos) in der jüngsten Stadtratssitzung besorgte Töne an. "Wir müssen aufpassen, dass uns am Kottmar nicht der Wald abhandenkommt", sagte er. Nach Stürmen, Borkenkäferplage und Trockenheit sehe es dort einfach katastrophal aus. Große kahl geschlagene Flächen prägen das Bild. Jüngst halfen etliche Kottmarer bei einer Wiederaufforstung-Aktion - zunächst eher ein Tropfen auf den heißen Stein. Und jetzt sorgt sich Gubsch schon um ein möglicherweise nächstes Problem - Mountainbike-Tourismus.

"Es ist beim Freistaat geplant, einen Mountainbike-Trail vom Erzgebirgskamm bis ins Zittauer Gebirge auszuweisen", sagte Gubsch im Stadtrat. Und dieser Trail soll auch über den Kottmar führen. Mountainbike-Tourismus boomt gerade bei jungen Menschen. Der Sport ist naturnah und herausfordernd. Der gedachte rund 300 Kilometer lange Rundkurs soll besonders Nutzer sogenannter Gravelbikes ansprechen. Diese ähneln optisch mehr einem Rennrad, weisen aber erhebliche Querfeldein-Qualitäten auf. Nun hat Gubsch grundsätzlich kein Problem mit Radtourismus - hat aber gewisse Sorgen, ob dieser immer so schonend ist, wie er vorgibt.

Der Verlauf des geplanten Mountainbike-Fernradwegs.
Der Verlauf des geplanten Mountainbike-Fernradwegs. ©  SZ-Grafik

Nutzung ist derzeit illegal

Schon jetzt werde der Wald am Kottmar rege von Mountainbikern genutzt. "Jugendliche fahren uns da mit Fahrrädern oder sogar Enduros durch die Kante", sagt Albrecht Gubsch auf SZ-Anfrage. Wege sind für diese Sportlergruppe oft nur eine wohlmeinende Empfehlung. "Momentan ist es illegal und grobstollige Geländereifen besonders von den Enduros richten da auch Schäden an", sagt er. Und natürlich habe der Löbauer Stadtförster keine Chance, so eine illegale Nutzung zu unterbinden. Wenigstens Neuanpflanzungen und Schonflächen seien meistens eingezäunt - sodass Mountainbiker dort nicht durchpflügen könnten.

Aber selbst wenn der Kottmar Teil eines touristischen Trails würde, sieht Gubsch einige Probleme. "Wenn dort so ein Trail ausgewiesen ist, hat man auch Verkehrssicherungspflichten", sagt Gubsch. Wer diese Pflichten, die eben auch mit Haftungsrisiken zusammenhängen, trägt - davon ist aus den Plänen der Trail-Befürworter derzeit nichts öffentlich bekannt. Die jeweiligen Grundstücksbesitzer, über die so ein Trail führt - etwa die Stadt Löbau am Kottmar - möchten sich so ein Haftungsrisiko möglicherweise nicht aufbürden lassen.

Und Gubsch treibt noch etwas anderes um. Die Stadt Löbau erwägt, einen sogenannten "Friedwald" einzurichten - also eine Begräbnisstätte im Stadtwald. Als mögliche Orte dafür hat die Stadt eine Fläche am Löbauer Berg ausgemacht oder eben auch auf dem Kottmar. Entschieden ist noch nichts. "Die Varianten werden überprüft. Es muss ein Areal mit relativ jungem Laubwaldbestand sein", sagt Gubsch. Mit dem Frieden dort wäre es freilich schnell vorbei, wenn der Friedwald zum Sportplatz von Mountainbikern würde. Auch diese Fläche müsste man dann gegebenenfalls einzäunen.