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Bewährung zum Geburtstag

Ein junger Mann aus Oderwitz überfällt einen Kunden der Sparkasse Neusalza-Spremberg - und kassiert erst mal ein paar Watschn.

Das Landgericht am Postplatz in Görlitz.
Das Landgericht am Postplatz in Görlitz. © Jens Trenkler

Richterliche Gnade kann auch ein Geburtstagsgeschenk sein. Und für den jungen Oderwitzer, der just an seinem 20. Geburtstag unter Raub-Anklage vor dem Landgericht Görlitz stand, war es wahrscheinlich das schönste Geschenk, das er sich in seiner Situation vorstellen konnte. Dennoch, diesem besonderen Tag hatte der junge Mann den letzten Warnschuss vor dem Knast freilich nicht zu verdanken.

Wenn die berühmte "schwere Kindheit" kriminelle Karrieren begünstigt, dann hat der Angeklagte in dieser Hinsicht in seinem jungen Leben bereits eine Überdosis Gunst erfahren: Im Alter von zwei Monaten holte ihn das Jugendamt erstmals aus der Obhut seiner trunksüchtigen Mutter. Es folgten Aufenthalte in Heimen und bei Pflegefamilien. Eine fast vollendete Lehre verlor er, nachdem er einen Arbeitskollegen bestohlen hatte. So schlingerte das Leben dahin. Und das ist nur die Kurzfassung des Schicksals und der "verschiedenen Dummheiten", wie sie sein Verteidiger, der Zittauer Rechtsanwalt Torsten Mengel, nun schildert. Zuletzt sei der Mann obdachlos gewesen, habe in Garagen oder Buswartehäuschen genächtigt.

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Sein Opfer war ihm weit überlegen

Für die letzte "Dummheit" indes sieht die Rechtsordnung normalerweise keine Bewährungsstrafe mehr vor: Raub - jedenfalls ein versuchter. Laut Anklage hatte sich der Mann im Februar 2020 in die Geschäftsräume der Sparkasse in Neusalza-Spremberg begeben - bewaffnet mit einer Art Schraubendreher. Den wollte er einem Mann in den Körper rammen, um so an das Geld zu kommen, das der kurz zuvor am Automaten abgehoben hatte.

Doch bei seinem Opfer war er an den Falschen geraten. Der Mann überragte ihn nicht nur um einen Kopf, sondern war ihm auch sonst körperlich weit überlegen. "Ich habe dem erst mal eins übergezogen", schilderte der als Zeuge geladene Mann nun vor Gericht. Dann ergriff der junge Täter auch schon gleich die Flucht. "Mir ist die Hose gerutscht, weil ich meinen Gürtel vergessen hatte, sonst wäre ich dem hinterher und hätte ihn windelweich geprügelt", erzählte der Zeuge noch.

Einer ordentlichen Tracht Prügel entging der verhinderte Räuber auf diese Weise noch - seiner Strafe nicht. Die Polizei stellte ihn schon kurz später und für zwei Monate landete er auch erst mal in Untersuchungshaft.

Gericht wendet Jugendrecht an

Die Jugendhilfe kümmerte sich seit seiner Haftentlassung scheinbar erfolgreich um den Angeklagten. "Er hat mittlerweile eine Wohnung, arbeitet und hat sogar eine Freundin, deren Familie sich auch um ihn kümmert", schildert Rechtsanwalt Torsten Mengel. Weil die Jugendgerichtshilfe den Angeklagten auch von der Reife als einem Jugendlichen gleichzusetzen einstufte, wandte das Gericht Jugendrecht an. Das Urteil: Zwei Jahre Haftstrafe auf Bewährung. Auch sein Opfer zeigte sich im Gericht versöhnlich: "Ich wünsche Dir trotzdem alles Gute zum Geburtstag. Bau keinen Mist mehr!"

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