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Ein Atommüll-Endlager bei Löbau?

Laut einer Studie kommt ein Gebiet um Löbau als Lagerstätte für Atommüll infrage. Was dagegen spricht und wie sich die Region wehren kann.

Symbolbild
Symbolbild © Sebastian Kahnert/dpa

Löbau. Die Nachricht sorgte Ende Januar für Aufregung in der Oberlausitz: Aktuell wird in Deutschland eine geeignete Lagerstätte für Atommüll gesucht. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH (BGE) - ein bundeseigenes Unternehmen - ist mit der Suche beauftragt und hat Ende September 2020 einen ersten Arbeitsstand vorgelegt. Darin kommen, vorerst aus rein geologischer Sicht, etwas mehr als die Hälfte der Fläche Deutschlands für einen Endlagerstandort in Frage. Dazu zählt auch der Raum Löbau - so ist es der Studie zu entnehmen. Außerdem gibt es im Norden des Kreises Görlitz eine Fläche, die zunächst als geeignet erscheint.

Schon mit Bekanntwerden der ersten Studie stellte die BGE klar, dass dies noch keinerlei Entscheidung bedeute und noch viele Untersuchungen und Abwägungen stattfinden müssten. Das sei gerade einmal der erste Schritt in Phase 1 des Verfahrens. Im nächsten Schritt wird die BGE einen Vorschlag für Standortregionen erarbeiten, die dann genauer erkundet werden. Auch die Regionen selbst können mitreden bei der Entscheidung. Thomas Rublack, Dezernatsleiter im Görlitzer Landratsamt, erklärt wie es jetzt weitergeht und wie die Lage aus Sicht des Landkreises ist.

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Kann sich der Landkreis gegen ein Endlager wehren?

Ablehnen kann eine Region das nicht. Allerdings ist die Öffentlichkeit in das Verfahren eingebunden. "Wir werden uns auf jeden Fall einbringen", sagt Thomas Rublack vom Landratsamt. Die Regionen haben die Möglichkeit Gründe vorzubringen, die gegen ein Endlager sprechen. Das passiert in sogenannten Regionalkonferenzen. "Da müssen wir dabei sein", so Thomas Rublack. Dort können sich dann Vertreter aus den Regionen - auch Bürger - beteiligen. "Man hat da aus dem Desaster in Gorleben gelernt", sagt Thomas Rublack. Da sei immer kritisiert worden, dass die Öffentlichkeit zu wenig einbezogen wurde. Das werde jetzt anders gemacht. Bevor die Regionalrunden beginnen, bei denen es dann auch konkreter wird, soll es aber noch zwei weitere Fachberatungen geben. Dort geht es zunächst um Grundlegendes. Für April und Juni sind diese Konferenzen angedacht. Möglicherweise werden sie aber auch noch einmal verschoben. Das hat mit der Pandemie zu tun. Denn unter Corona-Bedingungen könnten die Runden nur digital stattfinden. Und das ist in mancher Hinsicht ungünstig, gerade wenn es darum geht, direkt Fragen zu stellen und von den Experten eine Antwort darauf zu bekommen.

Thomas Rublack leitet das Dezernat 3 im Görlitzer Landratsamt. Dazu gehören die Bereiche Umwelt, Bauaufsicht, Ordnungs- und Straßenverkehrsamt, das Forstamt und die Kreisentwicklung.
Thomas Rublack leitet das Dezernat 3 im Görlitzer Landratsamt. Dazu gehören die Bereiche Umwelt, Bauaufsicht, Ordnungs- und Straßenverkehrsamt, das Forstamt und die Kreisentwicklung. © Landkreis Görlitz

Welche Argumente hat der Kreis dagegen?

Außerdem sammelt der Landkreis Argumente, die dagegen sprechen. Das Hauptargument sieht Rublack in der Historie der Lausitz: Mit dem Strukturwandel und den Bergbaufolgen hat die Region schon große Herausforderungen zu bewältigen. Das haben auch beide Landräte in Görlitz und Bautzen bereits betont, als bekannt wurde, dass Gebiete hier infrage kommen als Endlagerstätte. "Wir brauchen für unsere Einwohner Sicherheit und Perspektiven", so Rublack. Die Angst vor einem möglichen Atommüllendlager sei da nicht förderlich. Und man brauche beizeiten eine klare Entscheidung für den Landkreis.

Zudem müsse näher untersucht werden, ob der Granit sich als Wirtsgestein überhaupt eignet. Das Löbauer Areal mit dem kristallinen Wirtsgestein gehört zu einem riesigen Teilgebiet, das infrage kommt, mit einer Größe von insgesamt rund 32.000 Quadratkilometern, erklärt Thomas Rublack. "Dieser Gürtel erstreckt sich von Baden-Württemberg und Bayern, über Thüringen und Sachsen bis nach Südbrandenburg." Der Gesteinsgürtel ist bei den Überlegungen als ein großes Gebiet betrachtet worden. In der nächsten Zeit werde es nun darum gehen, welche konkreten Standorte dort weiterhin infrage kommen. Mittlerweile habe sich schon herausgestellt, dass beispielsweise der Granit in der Oberlausitz Risse aufweist, so Rublack. Damit könnte sich das für die Region also schon erledigt haben.

Wie sieht ein solches Endlager überhaupt aus?

Das Lager wird tief unter der Erdoberfläche eingerichtet. Zwischen der Lagerstätte und der Erdoberfläche sollen 300 Meter Gestein liegen. Bis 1.900 Behälter werden dort dann dauerhaft gelagert. Ausgelegt ist das Lager auf eine Million Jahre.

Wann soll das Endlager in Betrieb gehen?

Eine endgültige Entscheidung, wo das Lager für den radioaktiven Abfall eingerichtet wird, soll bis 2031 fallen. So lange wird der Entscheidungsprozess dauern. In Betrieb gehen soll das Lager dann noch einmal rund 20 Jahre später, für das Jahr 2050 ist das vorgesehen.

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