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Antisemitisches Video: Lehrerin abgemahnt

Eine Pädagogin führte an der Berufsschule in Löbau im Unterricht einen antisemitischen Film vor. Jetzt hat das Kultusministerium reagiert.

Das Berufsschulische Zentrum in Löbau.
Das Berufsschulische Zentrum in Löbau. © Matthias Weber Archiv

Löbau. Eine Wirtschaftskunde-Stunde am Berufsschulischen Zentrum (BSZ) Löbau am 24. Februar ließ einige Schüler irritiert zurück. Die Lehrerin zeigte einen etwa 50-minütigen Animationsfilm. Thema des Films waren die Entstehung und Funktionsweise des Geldsystems. Direkt danach ließ die Lehrerin einen Test zum Thema schreiben. Einige Schüler weigerten sich. Denn: Der Film strotzte nur so von antisemitischen Ressentiments und Verschwörungstheorien. Die Grünen-Abgeordnete Franziska Schubert forderte daraufhin vom Kultusministerium als Aufsichtsbehörde Aufklärung über den Vorfall. Das Ministerium hat ihr nun geantwortet.

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"Mit der Lehrerin wurde unmittelbar nach Bekanntwerden des Sachverhalts seitens des Lasub-Standorts Bautzen gesprochen und in der Folge eine Abmahnung ausgesprochen", teilt Schubert nun unter Berufung auf ein Schreiben mit, das ihr das Ministerium geschickt hat. Verbunden sei diese Maßnahme mit der Auflage, innerhalb eines halben Jahres Fortbildungen zu besuchen in politischer Bildung. Konkrete Angebote dafür habe die Betreffende direkt an die Hand bekommen.

Das Kultusministerium dementiert diesen von Franziska Schubert mitgeteilten Inhalt des Schreibens nicht. Auf SZ-Anfrage verwendet das Ministerium aber nicht den Begriff einer gegen die Lehrerin ausgesprochenen "Abmahnung". "Es gab personalrechtliche Maßnahmen", teilt Ministeriumssprecherin Susann Meerheim mit und begründet diese Wortwahl mit datenschutzrechtlichen Erfordernissen in Personalangelegenheiten.

Lob für Zivilcourage der Schüler

Und es geschah noch mehr: "Darüber hinaus hat das zuständige Fachreferat am BSZ Löbau einen Vor-Ort-Termin durchgeführt und mit der Schulleitung gesprochen und auf die Problemlage deutlich hingewiesen", so Schubert. Eine weitere Sensibilisierung erfolge in Dienstberatungen und Schuljahresvorbereitungen. Das Lehrerkollegium selbst habe den Wunsch geäußert, sich einen Tag lang in Vorbereitung des nächsten Schuljahres mit der Problematik auseinanderzusetzen. BSZ-Leiterin Kerstin Bronlik widerspricht auf SZ-Anfrage dieser Darstellung Schuberts nicht.

Laut Schubert waren auch Sachsens Beauftragter für das Jüdische Leben und der ihn unterstützende Expertenrat im Kampf gegen Antisemitismus mit dem Vorfall befasst. Das Gremium habe den Film gesichtet. "Der Film sowie sein Inhalt wurden als einstimmig antisemitisch befunden", so Schubert.

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Die Abgeordnete ist erfreut von der Reaktion des Ministeriums und des Landesamtes für Schule und Bildung (Lasub). „Antisemitismus – Judenfeindlichkeit – ist keine Meinung und fällt daher auch nicht unter Meinungsfreiheit", schreibt sie. Das umfangreiche Handeln des Kultusministeriums zeige: Antisemitismus wird nicht toleriert und wo Vorfälle bekannt würden, werde ihnen entgegengetreten. "Die Courage der Lehrlinge, die in dieser Situation klare Haltung gezeigt haben, ist ein Vorbild", so Schubert weiter. Das zeuge davon, dass es viele Menschen gebe, die aufmerksam sind und Verschwörungs-Phantasien entgegentreten.

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