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Löbauer Prügel-Attacke: noch mehr Opfer

Die Attacke auf einen 17-jährigen Löbauer im Sommer erregt die Gemüter. Ermittlungen ergeben nun: Es gibt viele Opfer - und viele Täter.

Der 17-jährige Löbauer Richard Wolf wurde im Sommer Opfer einer brutalen Prügelattacke.
Der 17-jährige Löbauer Richard Wolf wurde im Sommer Opfer einer brutalen Prügelattacke. © Matthias Weber/Archiv

Der 17-jährige Schüler Richard Wolf wurde im Sommer in der Katholischen Anlage hinter dem Geschwister-Scholl-Gymnasium in Löbau Opfer einer Prügelattacke durch einen 17-jährigen Schläger. Auch seine Freundin wurde damals aus der Gruppe des Schlägers heraus angegriffen. Die monatelangen Ermittlungen der Polizei kamen nun zu dem Ergebnis: Es gab noch weitere Opfer - und der 17-jährige Schläger war dabei bei weitem nicht der einzige Täter.

Demnach agierte die Jugendgruppe um den Schläger regelrecht als Bande. Im Nachgang zu den Ereignissen am 6. Juli hatte die Polizei die "Ermittlungsgruppe Lubaw" gegründet. Als "Lubaw" wurde Löbau im Jahr 1221 erstmals urkundlich erwähnt. „Ziel der Ermittlungsgruppe ist sowohl die lückenlose Aufklärung der Straftaten, als auch die Prävention solcher Geschehnisse“, so Polizeipräsident Manfred Weißbach damals. In diesem Rahmen nahmen Streifen auch die Treffpunkte von Jugendlichen in Löbau verstärkt ins Visier und zeigten Präsenz. Präventions-Experten hätten ebenso den örtlichen Schulen und der Stadt Löbau Angebote zur Vorbeugung von Straftaten unterbreitet. Die Ermittlungsgruppe hat ihre Arbeit nun abgeschlossen.

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Wie Mario Kumpf in seiner Einschätzung irrte

"Im Ergebnis brachten die Ermittler verschiedene Straftaten zur Anzeige", heißt es nun von der Polizei. Eine Vielzahl der vor Ort anwesenden deutschen Jugendlichen müsse sich wegen des Verdachts der Körperverletzung, der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen, des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und der unterlassenen Hilfeleistung verantworten.

Und: "Im Ergebnis der Untersuchungen stellten die Ermittler fest, dass die Herkunft des Haupttatverdächtigen offenbar keine Rolle spielte", heißt es weiter. Die ihm vorgeworfene Körperverletzung habe er aus einer Gruppe heraus verübt, die ausschließlich aus deutschen Jugendlichen bestanden habe, "in der er offenkundig voll integriert war", so die Polizei. Vor und nach der Prügelattacke gegen Richard Wolf sei es zu weiteren Körperverletzungen gekommen - unabhängig von dem türkischen Tatverdächtigen.

Kurz nach dem Vorfall hatte der AfD-Landtagsabgeordnete Mario Kumpf zu einer Kundgebung unter dem Motto "Keine Gewalt-Exzesse in unserer Lausitz" auf dem Löbauer Altmarkt aufgerufen. Dabei hatte er ins Publikum gerufen: "Wenn Ausländer unsere Jugendlichen in ihren Banden willkommen heißen, läuft was schief!" und: "Wir lassen uns die Ausbreitung krimineller Clan-Strukturen nicht länger gefallen!" Die Ermittlungen der Polizei ergaben nun das genaue Gegenteil von Kumpfs Behauptungen.

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