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Fünf Sterne für Löbaus Neumarkt

In der ehemaligen Kaffeerösterei will Thomas Nater eine Nobel-Ferienwohnung einrichten. Damit hat der Löbauer schon Erfahrung.

Von Romy Altmann-Kuehr
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Thomas Nater saniert das alte Gebäude am Rosengarten und freut sich auf die ersten Gäste in der neuen Ferienwohnung.
Thomas Nater saniert das alte Gebäude am Rosengarten und freut sich auf die ersten Gäste in der neuen Ferienwohnung. © Matthias Weber/photoweber.de

Die schmucke Natursteinfassade mit dem roten Herrnhuter Stern davor zieht die Blicke auf sich. "Seit wir hier werkeln, halten immer wieder Leute an und schauen. Sie sind schon interessiert, was hier passiert", stellt Thomas Nater fest. Der 43-Jährige ist der neue Eigentümer des Gebäudes am Neumarkt 4 in Löbau. Hier hatte bis zum vorigen Jahr die Vorbesitzerin Christine Michael-Hensel viele Jahre eine Kaffeerösterei und Pension betrieben. Aus Altersgründen gab sie das große Anwesen auf. Inzwischen haben sie und ihr Mann in Milkel im Kreis Bautzen ein kleineres Domizil gefunden und betreiben dort die Rösterei weiter.

Gemäuer ist schon Jahrhunderte alt

Als Thomas Nater erfuhr, dass die ehemalige Besitzerin und Betreiberin der Löbauer Kaffeerösterei das Haus aufgeben und verkaufen will, machte er zuerst einen Bekannten darauf aufmerksam. "Der wollte es aber nicht", erzählt Thomas Nater. Schließlich machte seine Frau den Vorschlag: "Warum machen wir das nicht selber?" Mit historischer Bausubstanz kennt sich der Löbauer immerhin aus. In der Eichelgasse hat Nater bereits drei Ferienwohnungen in einem alten Stadthaus eingerichtet. 2019 gingen sie an den Start und sind sogar mit fünf Sternen zertifiziert worden vom Deutschen Tourismusverband.

Das ist auch sein Ziel für die neue Ferienwohnung am Neumarkt, die er hier einbauen will. Dazu muss die Wohnung etliche Voraussetzungen erfüllen. Und die bedeuten jede Menge Arbeit. "Viele Bekannte haben uns für verrückt erklärt angesichts der vielen Arbeit, die hier wartet", erzählt Thomas Nater. Doch das schreckt den Handwerker nicht ab. Nater ist seit über 20 Jahren selbstständig und betreibt eine Firma für Trocken- und Innenausbau. "Wenn man sich auskennt, ist das gar nicht so dramatisch." Der Laie sehe da viel Arbeit, Bauprofi Nater sieht das Potenzial der alten Gemäuer. Immerhin stammt das Gebäude bereits aus dem Jahr 1707. Näheres zur Geschichte des Ensembles will der Bauherr noch herausfinden. Was er weiß ist, dass hier wohl mal Stallungen waren und ein Kutschgeschäft.

Altstadt-Ferienwohnungen sind beliebt

Die Kaffeerösterei wollen Nater und seine Frau nicht weiter betreiben. Dafür fehlen zum einen die Geräte. Die hat die Vorbesitzerin mitgenommen. Zum anderen fehlt die Zeit. "Wir sind ja beide berufstätig." Und das Kaffee-Geschäft will Nater anderen in der Stadt überlassen. Er möchte sich auf die 5-Sterne-Vermietung konzentrieren und Gäste beherbergen. Das funktioniere schon in seinen bestehenden Ferienwohnungen in der Eichelgasse gut, sie haben sich etabliert. Er findet seine Mieter hauptsächlich über große Internetportale. "Und wenn sie einmal da waren, kommen sie meist wieder oder empfehlen es anderen. Das ist die beste Werbung." Urlauber, die hier 14 Tage verbringen, kommen allerdings nicht. "Das sind eher Kurztrips oder mal Urlaube für eine Woche", erzählt der Löbauer. Anders sei das aber in diesem Segment mit einer Altstadtwohnung auch nicht zu erwarten. Das sei nicht das typische Domizil für einen langen Familienurlaub.

Oft kämen Leute, die hier die Verwandtschaft besuchen. "Da wohnt die Oma im Plattenbau und hat keinen Platz die Familie unterzubringen." Zu den Besuchern gehören auch ehemalige Armee-Angehörige, die seinerzeit im Löbauer Armeegelände stationiert waren. Sie kämen gern zurück, um zu schauen, was aus der Stadt geworden ist.

Zukünftig sollen sie also eine neue Möglichkeit bekommen, vorübergehend in Löbau zu wohnen - auf Fünf-Sterne-Niveau. Die Nobel-Ferienwohnung soll im Erdgeschoss des linken Gebäudeteils entstehen, zum Rosengarten hin. Die neue Ferienwohnung wird barrierefrei und voll ausgestattet werden, also zum Beispiel mit Geschirrspüler und Safe, WLAN gibt es sowieso. Der Deutsche Tourismusverband nimmt die Wohnungen dann unter die Lupe und vergibt Punkte, je nach Ausstattung und Standard. Dementsprechend werden dann die Sterne vergeben. Dem Urlauber hilft das bei der Suche nach einer Unterkunft, weil er dann weiß, was er erwarten kann. Für jeweils drei Jahre bekommt man die Sterne verliehen. Dann wird erneut einer Prüfung unterzogen, ob die Wohnung noch die geforderten Standards erfüllt.

Historisches Haus soll neues Aussehen erhalten

Bis zum Ende des Jahres will Thomas Nater fertig sein, sodass die ersten Gäste in der neuen Ferienwohnung anreisen könnten. Die bisherige Ferienwohnung, die im Haus bereits bestand und von der Vorbesitzerin ebenfalls betrieben wurde, vermietet er weiter. Momentan ist sie gut belegt mit Monteuren. Für dienstliche Zwecke dürfen Ferienwohnungen trotz des Beherbergungsverbots wegen Corona vermietet werden. Nach und nach soll auch diese Wohnung renoviert werden.

Zudem will Nater selbst in das historische Gebäude einziehen und baut im Obergeschoss eine Wohnung aus.

Inzwischen hat sich das alte Haus von außen schon etwas verändert. Thomas Nater hat an einem Großteil der Fassade den Putz entfernt. "Das wollen wir so belassen, die Natursteinfassade soll künftig an der kompletten Front zu sehen sein. So erkennt man auch den historischen Charakter und sieht, dass das Haus schon einige Hundert Jahre alt ist."