merken
PLUS Löbau

Wie Kutscher Mattu mit seinen Mini-Ponys Aufsehen erregt

Der Ebersbacher will zeigen, was Pferde alles können. Gerade hat das Gespann eine 300-Kilometer-Tour hinter sich. Und dabei eine große Überraschung erlebt.

Winfried Mattutat reist mit seinen Miniponys quer durch Deutschland. Für sein Engagement rund um die Pferdehaltung ist er jetzt ausgezeichnet worden.
Winfried Mattutat reist mit seinen Miniponys quer durch Deutschland. Für sein Engagement rund um die Pferdehaltung ist er jetzt ausgezeichnet worden. © Matthias Weber/photoweber.de

Winfried Mattutat hat's schon immer gewusst: Seine Minis sind die Stärksten! Seit einigen Jahren hat sich der Hobbykutscher aus Ebersbach, der in der Region als Kutscher Mattu bekannt ist, den Mini-Ponys verschrieben. Und für seine Arbeit mit den Tieren hat er jetzt sogar einen Preis erhalten.

Früher arbeitete er mit stattlichen Kaltblütern, besaß selbst auch große Pferde. Jetzt leben sechs Mini-Shetlandponys bei ihm und seiner Frau auf dem alten Hof in Ebersbach, den das Ehepaar zu Wohnhaus und Pension ausgebaut hat.

Zoo Dresden
Tierisch was erleben
Tierisch was erleben

Welche spannenden Neuigkeiten gibt es bei Pinguin, Elefant und Co.? Wer wird Tier des Monats? Hier können Sie abstimmen und erfahren mehr über die tierischen Bewohner des Zoo Dresden.

Er will zeigen, dass die Kleinen nicht nur niedlich sind und sich zum Ponyreiten mit Kindern eignen. Sie können richtig arbeiten. Das zeigt er auch auf Veranstaltungen, wo er regelmäßig Vorführungen gibt.

Inzwischen hat er es dadurch geschafft, sagt Mattutat, dass die Minis ganz anders wahrgenommen werden. Denn selbst in der Pferde-Szene gebe es da noch viel Unwissenheit. Sogar andere Pferdebesitzer staunen regelmäßig, wenn Mattutat mit seinen Minis zum Beispiel das Baumstämmerücken, wie es früher erledigt wurde, zeigt. "Sie können ein Vielfaches ihres eigenen Gewichts ziehen." Mattutats Vorführungen mit den Minis werden meist von Videofilmer Hans-Georg Flack aus Berlin begleitet. Inzwischen gibt es auf Flacks Kanal bei Youtube eine ganze Serie von Filmen mit Winfried Mattutat und seinen Ponys.

Eigene Filmreihe bei Youtube

Natürlich, sagt der Pferdehalter aus Ebersbach, müsse das alles mit den Tieren trainiert werden. Seiner Meinung nach stehen viel zu viele Pferde gelangweilt in Ställen oder auf Weiden herum. 1,25 Millionen Pferde gibt es in Deutschland. Aber nur rund 20.000 davon sind Arbeitspferde, sagt Mattutat. "Wenn man sich mit ihnen beschäftigt, sind sie ausgelastet, gesund und zufrieden", so der Ebersbacher. Er übt regelmäßig mit fünf seiner sechs Ponys. Das sechste ist schon sehr alt und bekommt bei Mattutats sein Gnadenbrot.

Für sein Engagement rund um die Pferdehaltung ist Winfried Mattutat nun mit dem "Eisernen Gustav"-Preis geehrt worden.

Kutschfahrt aus Protest

Mattutat ist erst der Dritte überhaupt, der diese Auszeichnung erhält. Der "Eiserne Gustav" ist ein Preis, den die Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland (VFD) und das Fachmagazin "Der Kutschbock" seit 2018 vergeben. Erinnern soll der Preis an einen der letzten und den wohl bekanntesten Berufskutscher in Deutschland: Gustav Hartmann.

Er war vor über 100 Jahren als Droschkenkutscher in Berlin-Wannsee unterwegs. Als die Automobile auf dem Vormarsch waren und immer weniger Leute mit Pferdekutschen reisten, mussten die Kutscher ihren Beruf aufgeben. Gustav Hartmann wollte zum Abschluss seiner Kutscherlaufbahn noch einmal ein Zeichen setzen und fuhr mit seinem Gespann von Berlin nach Paris. Mit der über 1.000 Kilometer langen Fahrt wollte er gegen den Niedergang des Droschkengewerbes und die steigende Zahl der Autos protestieren. Zwei Monate war der Kutscher unterwegs. Die berühmte Reise des "Eisernen Gustav" hat Hans Fallada in einem Buch beschrieben und sie wurde auch verfilmt, unter anderem mit Heinz Rühmann.

Bis mindestens 2028 will der VFD den Preis jährlich vergeben. Und dann soll zur Krönung die Jubiläumstour auf den Spuren des Eisernen Gustav stattfinden. Dann ist es genau 100 Jahre her, dass der tapfere Kutscher von Berlin nach Paris fuhr. Genau dieselbe Strecke wollen Kutscher und Pferdefreunde aus ganz Deutschland dann zurücklegen. Auch Winfried Mattutat will dabei sein, wenn alles klappt.

In diesem Sommer nahm Winfried Mattutat mit seinen Mini-Pferden am Friedenstreck teil.
In diesem Sommer nahm Winfried Mattutat mit seinen Mini-Pferden am Friedenstreck teil. © Hans-Georg Flack
Auf der zweiwöchigen Reise wurde unterwegs natürlich Rast gemacht zum Übernachten. Dafür hat der Kutscher seinen mobilen Weidezaun dabei.
Auf der zweiwöchigen Reise wurde unterwegs natürlich Rast gemacht zum Übernachten. Dafür hat der Kutscher seinen mobilen Weidezaun dabei. © Hans-Georg Flack
Am Ende der Reise wurde Mattutat ausgezeichnet mit dem "Eisernen Gustav"-Preis - eine große Überraschung für ihn.
Am Ende der Reise wurde Mattutat ausgezeichnet mit dem "Eisernen Gustav"-Preis - eine große Überraschung für ihn. © Hans-Georg Flack

"Brauche keine Pokale und Schleifen"

Denn Reisen mit Pferden, das ist Mattutats neuestes Projekt. Er möchte zeigen, wie man das plant und organisiert, was man alles braucht. Er will erreichen, dass mehr Pferdehalter sich sinnvoll mit ihren Tieren beschäftigen - und vielleicht auch mal eine solche Reise wagen. In diesem Sommer war er mehrfach auf Tour mit den Mini-Ponys. Zuletzt nahm er am sogenannten Friedenstreck teil.

Die Strecke führte über 300 Kilometer von Thüringen nach Rheinland-Pfalz. Im Jahr 2025 - 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges - soll auf diese Weise mit Pferdekutschen eine Glocke nach Jerusalem transportiert werden. Bis dahin gibt es mehrere kleinere Touren innerhalb Deutschlands als Zeichen für ein friedliches Europa. Mattutat ist mit seinen Minis zwischen den großen Pferden dabei immer eine Attraktion für die Zuschauer am Straßenrand.

Am Ende des Friedenstrecks überraschten die Organisatoren ihn nun mit dem "Eisernen Gustav"-Preis. Die Auszeichnung kam für den Ebersbacher völlig unerwartet. Und eigentlich ist er gar kein Freund solcher Preise. "Pokale und Schleifen brauche ich nicht", sagt er bestimmt. "Aber über diesen Preis habe ich mich echt gefreut. Denn es geht um die Arbeit mit den Pferden." Und das sei eben das, was ihm am Herzen liege.

Mehr zum Thema Löbau