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Wenn ein Dorfteich in Sachsen zur Chefsache wird

Michael Kretschmer und Markus Söder haben nun einen Grundstücksfall in Oppach abgeschlossen. Warum sich Bayerns MP dem Ort verbunden fühlt.

Um den Oppacher Schulteich ging es bei einer Videokonferenz der Ministerpräsidenten Kretschmer (rechts) und Söder am Montag.
Um den Oppacher Schulteich ging es bei einer Videokonferenz der Ministerpräsidenten Kretschmer (rechts) und Söder am Montag. © Montage: SZ-Bildstelle (Fotos: R. Sampedro/dpa)

"Auch das gibt's." Oder: "Wie man mit Eierschecke Politik macht." Über dieser Geschichte könnten viele originelle Überschriften stehen. Denn sie ist wirklich ziemlich schräg. Und hat jetzt sogar zwei ranghohe Politiker beschäftigt. Es geht um den Schulteich in Oppach. Der liegt mitten im Ort, unterhalb der Dorfkirche, die auf dem Hang gegenüber thront. Der Teich gehörte bis vor Kurzem dem Freistaat Bayern. Seit Jahren rangen die Oppacher darum, dieses idyllische Fleckchen Erde in ihrem Ort wieder in den eigenen Besitz zu bekommen. Denn der Teich hat für die Oppacher offenbar großen Symbolwert, sie hängen an "ihrem" Teich im Zentrum des Dorfes. Er war sogar Thema im Wahlkampf bei der Kommunalwahl, denn der Schulteich spielt im Ortsbild eine große Rolle.

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Der Kauf ist nun gelungen, seit diesem Frühjahr ist die Gemeinde Oppach Eigentümer des Teich-Flurstücks, berichtet Bürgermeisterin Sylvia Hölzel (parteilos).

Der Teich war früher wichtiger Dorftreff

Mit einer Pressekonferenz, die mittels Videoschalte organisiert wurde, meldeten die Ministerpräsidenten von Sachsen und Bayern jetzt Vollzug und wollten die Öffentlichkeit über die Zusammenarbeit in diesem ungewöhnlichen Fall informieren. Denn es sei "etwas ganz Besonderes, wie der Freistaat Bayern damit umgegangen ist", so Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer.

Per Videoschalte schlossen Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und sein bayrischer Amtskollege jetzt einen Grundstücksfall in Oppach ab.
Per Videoschalte schlossen Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und sein bayrischer Amtskollege jetzt einen Grundstücksfall in Oppach ab. © R. Altmann-Kühr
Markus Söder schaltete sich aus Bayern zu. Im Hintergrund hatte er ein Bild vom Tegernsee eingestellt. "Das ist unser Teich", kommentierte er.
Markus Söder schaltete sich aus Bayern zu. Im Hintergrund hatte er ein Bild vom Tegernsee eingestellt. "Das ist unser Teich", kommentierte er. © R. Altmann-Kühr

Was bisher geschah, fasst Horst Münch, Oppachs stellvertretender Bürgermeister - wie der Ministerpräsident CDU-Mitglied - zusammen. Dabei schwelgt er regelrecht in Erinnerungen: Der Teich sei der Mittelpunkt des Ortes und früher ein beliebter Treff- und Anlaufpunkt gewesen. "Mein Geburtshaus stand direkt daneben. Als Kind hatte ich immer Blick auf den Schulteich", erzählt der Oppacher CDU-Gemeinderat. Die Kinder und Jugendlichen seien seinerzeit Schlittschuh gelaufen auf dem zugefrorenen Teich. "Da war ordentlich Remmi Demmi", erzählt Münch. "Es gab eine Lautsprecher-Anlage, da wurde Musik gespielt und die Jugend traf sich am Teich."

Nach der Wende ging das Durcheinander los

Der Schulteich gehörte seit jeher zum Gelände der Oppacher Weberei Horn, die Taschentücher und Frottierwaren produzierte. Im Sozialismus wurde daraus der VEB Oppacher Taschentücher und Frottiererzeugnisse - auch bekannt als Otafro - und später ein Betriebsteil von Frottana. Nach der Wende wurde die Produktion eingestellt, berichtet Horst Münch, und die Grundstücke an die Familie Horn zurückgegeben.

Durch Erbschaft gelangte 2008 der Freistaat Bayern in den Besitz dieser Grundstücke. "Das betraf drei Grundstücke", berichtet Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in der Video-Pressekonferenz. Die beiden anderen Grundstücke habe man verkauft. Übrig blieb der Teich.

"Nun sind wir froh, dass wir das Ding los sind", so Söder. Denn der Besitz des Teiches ist auch mit enormem Aufwand verbunden. Er muss dringend saniert werden - auch damit der Hochwasserschutz wieder gegeben ist. So müssten Abläufe erneuert und der Teich komplett entschlackt werden. Über den schlechten Zustand war im Oppacher Gemeinderat schon viel diskutiert worden.

Bayern beteiligt sich an Renaturierung

Oppach hat nun einen Kaufvertrag mit Bayern abgeschlossen. Der Kaufpreis belastet die Gemeindekasse nicht allzu sehr: Einen symbolischen Euro hat Oppach für das Gelände bezahlt. Nun aber sind große Investitionen nötig. Und Bayern beteiligt sich sogar an der dringend nötigen Renaturierung des Teiches. "Wir haben eine Zuwendung von 150.000 Euro erhalten", berichtet Bürgermeisterin Sylvia Hölzel. Das ist für den Nachbar-Freistaat wohl günstiger, als sich selbst mit den Anliegerpflichten zu beschäftigen oder gar die Sanierung vollständig übernehmen zu müssen. Bayern hatte vor Jahren schon angekündigt, das Grundstück aufgeben zu wollen, wenn Oppach es nicht übernehmen möchte. Dann wäre es herrenlos geworden - und damit ein echtes Problem für den Ort.

Um die Arbeiten muss sich nun die Gemeinde Oppach kümmern. Dafür werden weitere Fördermittel nötig sein, kündigte Bürgermeisterin Hölzel bereits an. Die Gemeinde wolle sich am Förderprogramm "Natürliches Erbe" des Freistaats Sachsen beteiligen.

Warum aber beschäftigt sich der bayrische Ministerpräsident höchstpersönlich mit solchen - wenn auch ungewöhnlichen - Grundstücksangelegenheiten? "Die Zusammenarbeit zwischen Bayern und Sachsen ist super", begründet Söder seinen Einsatz für die Verständigung zwischen den Bundesländern. Beides seien Freistaaten, beide nicht immer mit den Entscheidungen in Berlin einverstanden, nennt er weitere verbindende Aspekte. Und: "Wir sprechen beide ein besseres Deutsch, als die meisten anderen Bundesländer."

Zudem sei er seit 2003 mit Oppach persönlich verbunden. Als er Generalsekretär wurde, bekam er eine Mitarbeiterin, die aus Oppach stammt. Noch heute zählt sie zu seinen engeren Mitarbeitern. "Da höre ich immer endlose Geschichten aus Oppach. Das scheint ja dort paradiesisch zu sein."

Auch an Oppachs Schloss soll es vorangehen

Dass die Ortsmitte mit dem Teich wieder paradiesisch wird, daran will die Gemeinde jetzt alles setzen. Zu dem Ensemble gehört auch das Schloss in der Nachbarschaft. Das hatte der bekannte Taubenheimer Heilpraktiker Viktor Philippi gekauft und will es sanieren. Auch dazu werden Fördermittel nötig sein, wobei Bürgermeisterin Hölzel auf Unterstützung vom Freistaat Sachsen hofft. In zwei Jahren, so hofft sie, solle das Schloss wieder öffentlich zugänglich sein.

Parallel geht's nun an die notwendigen Arbeiten beim Teich. Inzwischen ist die Übernahme des Schulteichs durch die Gemeinde Oppach zwar perfekt. Einen entsprechenden Grundbucheintrag hat es allerdings noch nicht gegeben. Da kommt die Eierschecke ins Spiel. Denn Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat da noch eine kleine Bedingung: Er wünscht sich Eierschecke und Kleckskuchen aus der örtlichen Bäckerei. Sein schelmisches Lachen dabei verriet, dass er das wohl als Scherz meinte und das nicht als übliche Verhandlungspraxis in der Politik zu verstehen ist. Das Kuchenpaket sagte Bürgermeisterin Sylvia Hölzel ihm trotzdem zu.

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