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Muss die Kita in Ottenhain schließen?

Das alte Gebäude braucht eine Sanierung, um es weiterzubetreiben. Das stellt die Gemeinde vor ein finanzielles Problem - und versetzt Eltern in große Sorge.

30 Mädchen und Jungen werden im Ottenhainer Kinderschloss Tausendfuß betreut. Aber wie lange noch?
30 Mädchen und Jungen werden im Ottenhainer Kinderschloss Tausendfuß betreut. Aber wie lange noch? © Matthias Weber/photoweber.de

Die Sorge bei den Ottenhainer Familien ist groß: Muss die Kita „Kinderschloss Tausendfuß“ bald dicht machen? Die Befürchtung steht zumindest im Raum, wie eine Mutter, deren Tochter die Einrichtung besucht, gegenüber SZ erzählt. Das Gebäude ist alt, eine Brandschutzschau steht in den kommenden Tagen an. Aktuell werden keine neuen Betreuungsverträge mehr abgeschlossen. Die Hortverträge sind für Ende August bereits gekündigt worden. Von der Gemeinde Kottmar bekamen die Eltern ein entsprechendes Schreiben. Das liegt der SZ vor. Darin wird mitgeteilt, dass ab September 2021 keine Hortplätze mehr zur Verfügung gestellt werden. Aus dem Schreiben ist ersichtlich, dass die Kita in den letzten Jahren nur eine Ausnahmegenehmigung für die Räume im Obergeschoss bekam.

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In dem Brief steht auch, dass die Auflagen nur mit einer Komplettsanierung zu erfüllen wären. Die Gemeinde geht von Kosten in Höhe von 2,1 Millionen Euro aus, die für eine Sanierung des Gebäudes zu Buche schlagen würden. Bisher seien keine Fördermöglichkeiten gefunden worden. Die Kommune könne aus eigener Kraft die Sanierung nicht stemmen. „Die Kita kann vorübergehend mit weniger Kindern im Erdgeschoss weiter betrieben werden“, wird in dem Schreiben an die Eltern informiert.

Aber für wie lange? Aktuell besuchen 30 Mädchen und Jungen, davon zehn Hort- und sechs Krippenkinder, das „Kinderschloss Tausendfuß“ im rund 400 Einwohner zählenden Ort. Platz ist für bis zu 38 Kinder, wobei Krippe und Hort bereits jetzt zu 100 Prozent ausgelastet sind, wie aus der Kita-Bedarfsplanung des Landkreises ersichtlich ist. Bis mindestens 2023 werden sich die Zahlen nicht ändern, geht aus dieser Planung hervor.

Kinder gibt es also genügend und auch Zuzug junger Familien mit Nachwuchs, wie Daniela Brendler sagt. Sie ist Vorstand vom Verein für Kinder- und Jugendarbeit Ottenhain und eine der vier Erzieherinnen. Der Verein ist Träger des „Kinderschloss Tausendfuß“.

Sicherheitsbeleuchtung fehlt

Von der Gemeinde fühlen sich Trägerverein und Eltern „im Stich gelassen.“ „Wir haben den Verdacht, die Gemeinde will, dass wir schließen“, sagt Frau Brendler. Passiere das, sterbe damit gleichzeitig das Dorfleben. Die Kita ist im Ort sehr aktiv: Kuchenfuhren, Kinderfeste, Unterstützung des Heimatvereins sind einige der Dinge, bei denen die „Tausendfüßler“ nicht wegzudenken sind.

Vor zwei Wochen haben sich der Vorstand des Trägers und die Kita-Leitung mit einem Brief an die Gemeinde Kottmar gewendet. Darin heißt es unter anderem, dass sich die Kommune „schriftlich, klar und eindeutig zum weiteren Bestehen oder Nichtbestehen“ der Kita äußern soll. Es geht da auch um Brandschutzvorschriften. So fehle eine erforderliche Sicherheitsbeleuchtung, die nach Auffassung des Trägervereins die Gemeinde als Gebäudeeigentümer einbauen lassen müsste. Die Kosten dafür lägen im fünfstelligen Bereich. Das sei schon lange bekannt, passiert ist jedoch nichts, wie Daniela Brendler erklärt.

Aktuell sind Brandschutzhelfer – vier Kameraden der Ottenhainer Feuerwehr – abwechselnd im Einsatz, um die erforderlichen Sicherheitsvorgaben zu erfüllen. Um die Feuerwehrleute hat sich der Kita-Verein selber gekümmert.

Den Einwohnern liegt die Fortführung der Kita und des Hortes, des Schlosses als Denkmal und lebendigen Ortskerns, sehr am Herzen. Sie haben Unterschriften gesammelt. Mehr als 100 der 180 Ottenhainer Haushalte hätten sich mit ihren Unterschriften für eine Einwohnerversammlung ausgesprochen, sagt Frau Brendler. Die Ottenhainer möchten bei so einer Veranstaltung von der Kommune wissen, wie es mit dem Kinderschloss weiter geht.

Gemeinde sucht nach Lösungen

„Die Gemeinde ist bestrebt, Lösungen zu finden“, beschwichtigt die Ortsvorsteherin von Ottenhain und Niedercunnersdorf, Monika Truskat. Zumindest beim Hort scheint der Weg klar: Die Hortkinder aus Ottenhain besuchen die Grundschule in Niedercunnersdorf und sollen dort künftig auch nach dem Unterricht betreut werden. Allerdings seien die Busverbindungen nicht ideal. Auch dafür werde eine Lösung gesucht, so Monika Truskat.

Steht aber nun die Kita vor einer Schließung? Konkret äußert sich Kottmars Bürgermeister Michael Görke zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Er bittet um Verständnis, dass Presseanfragen erst dann beantwortet werden, „wenn sich der Gemeinderat ein umfassendes Gesamtbild zur gegenwärtigen Situation gemacht hat.“ Dies sei trotz „umfangreicher Beratungen noch nicht abschließend erfolgt.“ Das Ergebnis der Brandschutzschau will der Bürgermeister abwarten. Auch eine Einwohnerversammlung ist tatsächlich geplant. „Nicht nur die Eltern, sondern die Bürgerinnen und Bürger des Ortsteils Ottenhain werden dann auch über den tatsächlichen Stand umfassend informiert“, so Michael Görke.

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