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Wenn's in der Skala rumst und donnert

Dann hat Bernd Engelmann zum "Gefecht" geladen. Der Wirt der "Gemauerten Mühle" bei Löbau beging mit Historienfans ein großes Spektakel, hier zu sehen im Video.

Unterwegs im Gelände bei Kittlitz bei einem nachgestellten Gefecht.
Unterwegs im Gelände bei Kittlitz bei einem nachgestellten Gefecht. © Matthias Weber/photoweber.de

Kanonendonner und Gewehrschüsse erfüllen die Luft in der Georgewitzer Skala an diesem Sonnabend unweit von Löbau. Bereits im Laufe des Vormittags hat es heftige Kämpfe zwischen den Soldaten verschiedenster an den Kriegen Napoleons beteiligten Nationen gegeben. Diese enden mit der symbolischen Einnahme der ehemals beliebten Ausflugsgaststätte „Gemauerte Mühle“ Bellwitz. Dann ziehen sich die erschöpften, in historische Uniformen gekleideten Kämpfer vorerst zum gemeinsamen Biwak jenseits des Löbauer Wassers zurück. Kämpfe und Kriegsgeschehen sind natürlich nicht echt, sondern von Darstellern in historischen Uniformen nachgespielt. Was es mit all dem auf sich hat, erzählt Matthias Sander, Vorstand der Sächsischen Napoleonischen Gesellschaft, die gleichzeitig mehrere Traditionsvereine vereint:

„Natürlich ist der hauptsächliche Anlass für das heutige Spektakel die lang ersehnte Eröffnung des privaten „Museums 1813“ hier in diesem Tal. Um diese würdig gestalten zu können, haben wir gemeinsam dieses Rahmenprogramm zusammengestellt.“ Dabei gehe es nicht etwa darum, unbedingt Krieg spielen zu wollen, betont Sander. Vielmehr wolle man das, was vor über 200 Jahren an diesem Ort geschah, lebendig halten - nicht zuletzt auch als Mahnung für die heutige und künftige Generationen. Natürlich bemühe man sich dabei auch um Detailtreue.

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Über zehn Jahre gesammelt

Weit über zehn Jahre hinweg hat der noch heute hier ansässige letzte Wirt der „Gemauerten Mühle“, Bernd Engelmann, zahlreiche zum Teil einzigartige Exponate aus der Zeit der Napoleonischen Kriege zusammengetragen, um sie irgendwann in einem Museum der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dabei unterstützen ihn auch die Mitglieder des kleinen, von ihm gegründeten Vereins „Napoleonzeit 1813“. Das Museum sei immer sein Lebenstraum gewesen, bekennt Engelmann. „Ich bin nicht in Urlaub gefahren und habe das Geld nach Spanien oder Mallorca getragen“, sagt er. „Alles habe ich hier investiert.“

Am Sonnabend Nachmittag ruft die Trommel schließlich erneut zum Gefecht. Matthias Sander von der Napoleonischen Gesellschaft: „Das historische Vorbild ist die Schlacht am 4. und 5. September 1813. An jenen Tagen zog sich der preußische Marschall Blücher vor den von Marschall McDonald befehligten Franzosen in Richtung Görlitz zurück. Er überwand am Ort der Gemauerten Mühle über drei Behelfsbrücken das Löbauer Wasser und errichtete auf der Wiese dahinter ein Biwak.“ Natürlich habe man unter den gegenwärtigen Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie das Ganze nur im bescheidenen Rahmen darstellen können. Deshalb kamen auch nur etwa 60 „Soldaten“ zum Einsatz. Aus dem gleichen Grund musste man auch auf das Publikum verzichten.

Die Bilder von der nachgestellten Napoleonschlacht:

An der Gemauerten Mühle bei Löbau trafen sich am Sonnabend Freunde historischer Schlachten. 
An der Gemauerten Mühle bei Löbau trafen sich am Sonnabend Freunde historischer Schlachten.  © Matthias Weber/photoweber.de
Wolfgang Coch (rechts) kam aus der Nähe von Hirschberg und verkörpert den französischen General Lauriston. 
Wolfgang Coch (rechts) kam aus der Nähe von Hirschberg und verkörpert den französischen General Lauriston.  © Matthias Weber/photoweber.de
Der Löbauer Autor Arnd Krenz im Gespräch mit Teilnehmern. 
Der Löbauer Autor Arnd Krenz im Gespräch mit Teilnehmern.  © Matthias Weber/photoweber.de
Hier gab es Hochprozentiges aus alten Tonflaschen. 
Hier gab es Hochprozentiges aus alten Tonflaschen.  © Matthias Weber/photoweber.de
Matthias Sander organisierte das Biwak und konzipierte gemeinsam mit Bernd Engelmann das neue Napoleon-Museum. Es wurde gleichzeitig am Sonnabend eröffnet. 
Matthias Sander organisierte das Biwak und konzipierte gemeinsam mit Bernd Engelmann das neue Napoleon-Museum. Es wurde gleichzeitig am Sonnabend eröffnet.  © Matthias Weber/photoweber.de

Zum letzten Programmpunkt, mit dem sich nun endlich Bernd Engelmanns Lebenstraum erfüllen sollte, hatten sich auch Landrat Bernd Lange (CDU) und Löbaus Oberbürgermeister Dietmar Buchholz (parteilos) im Tal der Skala eingefunden. Nachdem die Truppen im Karree Aufstellung genommen hatte, gab Matthias Sander, diesmal in prächtiger, goldbestickter Paradeuniform, das Kommando zum Ehrensalut. Es folgte die Enthüllung der durch ihn konzipierten umfangreichen Informationstafel, die einen Teil der Route Napoleons durch die Oberlausitz verdeutlicht. Sie soll in den nächsten Tagen fest am Museum angebracht werden. Ein erster gemeinsamer Rundgang beendete schließlich diesen geschichtsträchtigen Tag. Auf drei Etagen können Besucher künftig alles erkunden. 

Gruppen aus Frankreich angekündigt

Bernd Engelmann und Matthias Sander hoffen nun, dass mit diesem zwar privaten, aber dennoch öffentlich zugänglichen Museum ein weiterer Höhepunkt für Touristen und Wanderer geschaffen werden konnte. Anfragen von Besuchergruppen habe es bereits gegeben, darunter auch von Geschichtsfreunden aus Frankreich. Gern hätte er die ja schon heute begrüßt, so Engelmann, aber das müsse nun eben bis nach Corona warten. Zuversichtlich ist er auf jeden Fall.

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