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OB Kandidat: Mehr Zuzügler und Unterstützung für die Wirtschaft

Am 26. September wählen die Löbauer einen neuen OB. SZ stellt die Kandidaten und ihre Ziele vor. Ringo Hensel will, dass mehr junge Familien in die Stadt ziehen.

Ringo Hensel möchte neuer Oberbürgermeister in Löbau werden. Er kandidiert für die CDU.
Ringo Hensel möchte neuer Oberbürgermeister in Löbau werden. Er kandidiert für die CDU. © Matthias Weber/photoweber.de

In seinem Garten mit der Familie ist Ringo Hensel am liebsten. Für den 43-Jährigen war immer klar, dass er nach der Ausbildung zurück in die Heimat kommen möchte. "Es hat ein bisschen länger gedauert, aber jetzt doch geklappt." Hinter dem Haus der Oma hat er ein Zuhause für seine Familie gebaut - mit Blick ins Grüne und ganz in der Nähe von Eltern und Geschwistern. Hensel wohnt mit seiner Frau und den drei Kindern in Lauba.

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Löbau aber ist seine Geburtsstadt, hier hat er Abi gemacht. Und hier möchte er nun als neuer Oberbürgermeister Weichen für die Zukunft stellen. Ringo Hensel kandidiert für die CDU. Der Partei gehört der Rückkehrer seit 2017 an. "Ich habe gemerkt, dass Politik und Bürger immer mehr aneinander vorbeireden. Da will ich was verbessern." 2019 wurde er in Lawalde in den Gemeinderat gewählt und zum zweiten Stellvertreter der Bürgermeisterin ernannt. Außerdem engagiert sich Ringo Hensel im Kreisverband der Christdemokraten und ist Vorsitzender des Ortsverbandes Löbau.

Erfahrungen aus dem Job in Politik einbringen

Hensel studierte in Bayreuth Jura, arbeitete dann als Richter und Staatsanwalt in Bayern. "In Sachsen waren leider keine Stellen frei." Später klappte es doch mit der Rückkehr. Hensel ist nun am Landgericht Görlitz beschäftigt, derzeit aber abgeordnet als Richter ans Oberlandesgericht in Dresden.

Die Erfahrungen aus seinem Job sieht er als großen Vorteil, wenn man als OB eine Stadt wie Löbau leiten will. Er spielt damit auch auf die offensichtlichen Probleme an, die es derzeit im Rathaus gibt. Von zerrütteten Personalstrukturen und fehlendem Teamgeist ist da die Rede. Als Richter hört man sich alle Seiten an, wägt ab, trifft eine Entscheidung. Ähnlich funktioniere es doch in der Politik, so Hensel. "Man muss sich die verschiedenen Sichtweisen anhören, herausfinden, was die Leute wollen und was Sinn macht." Ist eine Entscheidung getroffen, muss man die Sache anpacken.

Eine Sache, die Hensel anpacken will, ist in jedem Fall die Vision von einer Stadt, in der wieder mehr Familien leben. "Zuwachs ist ganz wichtig", sagt der CDU-Politiker. Und er sieht es auch in der heutigen Zeit, in der viele Jobs hauptsächlich am Computer erledigt werden, nicht mehr als Problem an, in Löbau zu wohnen und beispielsweise in Dresden zu arbeiten.

Löbau als Homeoffice im Grünen

Die großen Vorteile sieht er selbst in seinem täglichen Berufsleben. Früher fuhr er jeden Tag nach Dresden zur Arbeit, jetzt nur noch drei Tage in der Woche. "Wenn die Kinder früh raus sind, fange ich gleich an zu arbeiten. Da kann ich viel früher starten, als wenn ich erst ins Büro fahren müsste." So wie er könnten das auch andere machen, die in Dresden arbeiten.

"Löbau als Homeoffice im Grünen", benennt Hensel seine Idee. Das müsse man jungen Leuten schmackhaft machen, wenn sie ihre guten Jobs in Dresden nicht aufgeben wollen. "Das wären dann ja auch Leute, die gut verdienen und Geld in der Stadt ausgeben." Und dazu, das Leben auf dem Land für junge Leute interessant zu machen, gehören auch Eigenheimstandorte. Und die wiederum gehören in einen Flächennutzungsplan, den Löbau bislang nicht hat, sagt Ringo Hensel. "Er wäre aber dringend nötig, um Planungssicherheit zu haben." Die Stadt müsse sich einen Plan geben, wie sie sich entwickeln will, wo Platz für Eigenheime sein soll, wo sich welche Unternehmen ansiedeln könnten. Diese Planungssicherheit brauchen auch Investoren, sagt er.

Investoren und Ideen werden an vielen Stellen gebraucht, um die Stadt voranzubringen, sagt Hensel. Für das ehemalige Armeegelände etwa. Er könnte sich zum Beispiel vorstellen, dass es auf dem Gelände eine Landwirtschafts-Akademie geben könnte. Dort könnten junge Leute auf Hochschulniveau Agrarberufe lernen. "So etwas gibt es in Sachsen noch nicht", sagt Hensel. "Löbau wäre ein guter Standort dafür." Das sind aber vage Ideen, Spinnereien, betont Hensel. So etwas zu entwickeln und einzurichten dauere Jahre. Doch solche Ideen brauche es für ein Areal wie das Armeegelände - aber auch die richtigen Partner. Aufgabe der Stadt sei es, sagt Hensel, solche Partner zu suchen.

Begegnungsplätze in der Stadt schaffen

Generell setzt Hensel darauf, private Investoren für Löbau zu begeistern, damit Investitionen in die Stadt fließen. "Wir müssen zum Beispiel die Innenstadthändler animieren und unterstützen, als zweites Standbein einen Onlineshop aufzubauen. Überhaupt will Hensel Handel, Handwerk und Wirtschaft noch stärker unterstützen. Ein regelmäßiger OB-Stammtisch, den er gern einführen würde, könnte da ein erster Ansatz sein.

Räume für Begegnung und Austausch in der Innenstadt findet Hensel ebenso wichtig. Ein innenstadtnaher Spielplatz, wo auch Eltern und Großeltern sich zusammensetzen können oder mehr Sitzgelegenheiten sieht er hier als Ansatz. "Die Leute müssen einfach wieder miteinander ins Gespräch kommen, miteinander statt übereinander reden."

Beim Thema Zuwachs für Löbau spricht Ringo Hensel auch das Thema Schulen an. Schon jetzt seien zu wenige Lehrer da und in den kommenden Jahren geht ein großer Teil in Rente, hat er in Gesprächen mit Schulleitern erfahren. "Da müssen wir ran. Schließlich bilden die Schulen unsere künftigen Fachkräfte aus." Was aber kann die Stadt mit ihrem Oberbürgermeister dafür tun? "Wir müssen schon die Schüler in den oberen Klassen ansprechen und fürs Lehramtsstudium motivieren", schlägt er vor. "Und ich will eine Ausbildungsstätte für Referendare in Löbau. Es gibt zwar schon eine, aber nur für die Grundschule. Das brauchen wir auch für Oberschule und Gymnasium." Denn, wer schon in der Ausbildung hier heimisch wird, der zieht nicht wieder weg, meint er.

"Wir brauchen diesen Klebeeffekt, dass die Leute hierbleiben und Löbau der Großstadt vorziehen." Bei ihm hat es ja auch geklappt.

Was wollen Sie als Erstes tun, wenn Sie Oberbürgermeister werden?

Ich sehe drei große Projekte, die vorrangig anzugehen sind: die Schulen, die Entwicklung der Innenstadt, der Katastrophenschutz. Wir brauchen mehr Lehrer, die fehlen an den Schulen. Die Innenstadt muss attraktiver werden, das geht schon mit Kleinigkeiten wie schönen Sitzgelegenheiten. Und Katastrophenschutz wird angesichts der extremen Wetterlagen immer wichtiger.

In der Verwaltung liegt offenbar einiges im Argen, das Arbeitsklima ist schlecht, wie jetzt bekannt wurde. Was ist Ihre Strategie das zu ändern? Wie kann man wieder mehr Teamgeist und Miteinander erreichen?

Ich möchte ein Rathaus der offenen Türen, nicht nur nach außen für die Bürger, sondern auch nach innen für die Mitarbeiter. Regelmäßige Dienstbesprechungen muss es geben und man muss eine ordentliche Kommunikation hinbekommen. Offene Türen und ein vernünftiger Umgang miteinander - so kommen wir auf den richtigen Weg.

Welche Investitionen sind in Löbau am dringendsten nötig?

Investitionen in die Feuerwehren werden wichtig sein. Die Wasserversorgung muss verbessert werden und wir müssen Geld in die Ausbildung der Leute stecken. Zu investieren wäre an vielen weiteren Stellen, aber das Geld ist nicht da. Der richtige Weg wäre meiner Meinung nach der regelmäßige Austausch mit Handel, Handwerk und Wirtschaft. Wir sind auf private Investoren angewiesen. Diese müssen wir unterstützen und helfen wo es geht, damit sie ihre Vorhaben umsetzen können.

Die Kottmarbaude, die der Stadt gehört, ist immer wieder Thema. Was ist Ihre Idee für die Baude?

Ehrlich gesagt, sehe ich da andere Gebäude in Löbau, deren Zukunft mir und sicher auch den Löbauern mehr am Herzen liegt. Das König-Albert-Bad zum Beispiel. Hier müsste gemeinsam mit dem Eigentümer eine Lösung gefunden werden, dass es wieder öffnet. Was die Kottmarbaude angeht, ist für die Löbauer wohl am wichtigsten, dass die Stadt keine Kosten mehr damit hat. Deshalb wäre ein zügiger Verkauf an einen Investor die beste Lösung.

Wie kann das Armeegelände entwickelt werden?

Das ist ein schwieriges Thema. Das Gelände ist ja sehr zerstückelt. Da werden Ideen gefragt sein, man muss sich Partner suchen. Zunächst müsste mal katalogisiert werden, welche Gebäude leer stehen, wem sie gehören. Man kann da als Stadt nur vermitteln und Leute finden, die bereit sind, hier etwas zu tun.

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Biografisches:

Ringo Hensel ist 43 Jahre alt und lebt in Lauba. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Hensel ist Jurist und arbeitet derzeit als Richter am Oberlandesgericht Dresden.

Folgende OB-Kandidaten sind bisher vorgestellt worden:

Heiko Neumann (Bürgerliste) am 5. August.

Hajo Exner (AfD) am 11. August.

Als Nächstes erscheint die Vorstellung von OB-Kandidat Dirk Rocho (parteilos) am 18. August.

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