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Millionenauftrag für Oberländer Baufirma

Ingenieurbau Oberland ist sowas wie ein "hidden champion". Der Betrieb aus Neugersdorf mischt in einer bestimmten Sparte ganz vorn in Deutschland mit.

Geschäftsführer Thomas Fröhlich und Prokuristin Juliane Frödrich von IBO aus Neugersdorf freuen sich über den größten Auftrag in der Firmengeschichte.
Geschäftsführer Thomas Fröhlich und Prokuristin Juliane Frödrich von IBO aus Neugersdorf freuen sich über den größten Auftrag in der Firmengeschichte. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Die Bautafeln mit dem markanten roten Schriftzug von Ingenieurbau Oberland (IBO) sind vor allem dann zu sehen, wenn in der Region Gewerbebauten entstehen. Im Ebersbacher Gewerbegebiet an der Rumburger Straße beispielsweise hat die Baufirma fast alle Gewerbehallen gebaut, die hier in der letzten Zeit errichtet worden sind.

Für solche Industriebauten ist die Oberländer Firma in der Region bekannt. Was aber kaum jemand weiß: In einer bestimmten Sparte ist die Neugersdorfer Firma deutschlandweit besonders erfolgreich. Das Unternehmen hat sich auf den Bau von Umspannwerken spezialisiert. Die Firma baut derzeit zum Beispiel auch das neue Umspannwerk der Enso - jetzt SachsenEnergie - in Löbau. Seit bald 20 Jahren hat sich IBO in dieser Sparte einen Namen gemacht. In diesem Bereich sind vor allem die besonderen Sicherheitsbestimmungen eine große Herausforderung. Schließlich wird an und mit stromführenden Leitungen gearbeitet. Die Mitarbeiter, die am Bau beteiligt sind, müssen regelmäßig geschult werden. "Allein das kostet uns im Jahr 10.000 bis 15.000 Euro", berichtet Juliane Frödrich, Prokuristin bei IBO. Außerdem benötige man als Firma spezielle Zulassungen, um bei solchen Bauwerken überhaupt mitbieten zu können.

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Jetzt hat IBO im 20. Jahr seines Bestehens seinen bisher größten Auftrag an Land gezogen, erzählt Geschäftsführer Thomas Fröhlich. Für fast 5,5 Millionen Euro bauen die Neugersdorfer ein Umspannwerk in Hessen, östlich von Frankfurt am Main. "Das sichert uns Arbeitsplätze für die nächsten Jahre", sagt Fröhlich. 52 Mitarbeiter beschäftigt das Neugersdorfer Unternehmen - inklusive Azubis.

Energiewende bringt viele Jahre Arbeit

Vor Kurzem haben die Bauarbeiten in Hessen begonnen, bis mindestens 2023 wird gebaut. Und auch danach sieht Thomas Fröhlich noch viel Potenzial im Energie-Bereich. "Wir profitieren da von der Energiewende, die die Bundesregierung ausgelobt hat", so Fröhlich. "Deutschland will raus aus der Atomenergie, es soll immer mehr E-Autos geben. Also wird Strom gebraucht und demzufolge auch mehr Umspannwerke." Zudem müssen Umspannwerke aller 30 bis 40 Jahre erneuert werden, mitunter werden sie auch erweitert um leistungsfähiger zu sein. "Da werden wir noch viele Jahre Arbeit haben", ist der Firmenchef sicher.

Deswegen würde er auch gern seinen Mitarbeiter-Pool aufstocken. Jedoch mangelt es an Fachkräften. "Es bewirbt sich einfach niemand." Beton- und Stahlbetonbauer sucht er händeringend, ebenso wie Baumaschinisten. Denn für die großen Bauvorhaben braucht die Firma Spezial-Maschinen, neue Investitionen sind auch hier bei IBO geplant. Und die Maschinen müssen von gut ausgebildeten Fachleuten bedient werden.

Ein Problem bei der Mitarbeitersuche ist auch, dass nicht viele auf Montage arbeiten wollen. Dabei wird in den Umspannwerken meist nur von Montag bis Donnerstag gearbeitet. Auch deshalb versucht der Firmenchef da die Balance zu halten und ebenso Aufträge in der Region zu akquirieren. Die Firma bildet sich zudem ihre Fachleute selbst aus und kann die jungen Leute dann übernehmen. "Das hat in den letzten Jahren gut geklappt", sagt Juliane Frödrich. Derzeit sind sechs Auszubildende im Betrieb. Für diesen Herbst hat IBO bisher erst eine Lehrstelle vergeben. "Wir haben noch freie Ausbildungsplätze", so Frau Frödrich.

Neugersdorfer forschen mit Fraunhofer an neuer Idee

Sie selbst ist ebenso wie Chef Thomas Fröhlich von Anfang an im Unternehmen. Im Jahr 2001 gründete Investor Ernst Lieb, der auch viele Jahre die Maschinenbaubetriebe Neugersdorf (MBN) leitete und für weitere Projekte in Neugersdorf bekannt ist, die Baufirma. Der Kottmarsdorfer Thomas Fröhlich stieg als Geschäftsführer ein, zusammen mit Roland Schröter. Schröter zog sich vor drei Jahren aus gesundheitlichen Gründen aus der Geschäftsleitung zurück.

Nachdem IBO zunächst in Büroräumen im Gebäude "Stadt Zittau" startete, zog die Firma später an den ehemaligen Standort von Stahlbau Oberlausitz an der Käthe-Kollwitz-Straße. Die Stahlbauer - damals schon länger am Markt - waren es auch, die IBO den Tipp gaben, sich auf dem Energiesektor zu versuchen. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellte. "Man muss sich spezialisieren", ist IBO-Chef Thomas Fröhlich überzeugt.

Und mit diesem Spezial-Wissen hegt er weitere Zukunftspläne: In den Umspannwerken werden ganz spezielle Fertigteilfundamente benötigt. Bisher muss IBO diese zukaufen für seine Baustellen. Es gibt nur wenige Firmen, die so etwas herstellen. Künftig wollen die Neugersdorfer Ingenieure die Fundamente selbst produzieren. "Gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut in Zittau forschen wir gerade daran", erzählt Thomas Fröhlich. "Das würde uns wieder ein großes Stück nach vorne bringen."

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