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Ein Taubenheimer hat Pläne fürs Oppacher Schloss

Viktor Philippi will aus dem maroden Gebäude ein Stressabbau-Zentrum machen – für Kunden aus ganz Europa.

Viktor Philippi aus Taubenheim will das Oppacher Schloss sanieren und ein Zentrum für Stressabbau einrichten.
Viktor Philippi aus Taubenheim will das Oppacher Schloss sanieren und ein Zentrum für Stressabbau einrichten. © Rafael Sampedro; SZ/Uwe Soeder; Montage: SZ

Oppach. Ein Bild an der Wand im Bürgermeisterbüro hat den Ausschlag gegeben. Auf der alten Aufnahme des Oppacher Schlosses ist das Gebäude nahe dem Gondelteich in seiner ganzen Pracht zu sehen, so wie es zu seinen besten Zeiten einmal ausgesehen hat. Von der Pracht ist wenig übrig geblieben. Seit Jahrzehnten steht es ohne Nutzung. Zwar hatte es Pläne für das einstige Herrenhaus gegeben, dennoch verfiel es zuletzt immer mehr

Nun gibt es Hoffnung auf Rettung - und bereits konkrete Pläne. Der Taubenheimer Heilpraktiker Viktor Philippi hat das Schloss gekauft. Nachdem er es auf eben jenem alten Bild bei Bürgermeisterin Sylvia Hölzel gesehen hatte. Sie hatte ihn angesprochen, ob er nicht eine Idee für das verfallende Denkmal hätte. Das alte Bild hat ihn schließlich überzeugt, dass sich daraus etwas machen ließe. "Es soll wieder ein Blickfang in der Gemeinde werden", so sein Ziel. 

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Forschungsakademie gegründet

Alte Gebäude haben es ihm angetan. Und so brauchte er auch nicht lange überlegen, bis er beschloss: Er rettet das Oppacher Schloss. Vor 20 Jahren begann er in Taubenheim eine alte Villa zu sanieren und als Gesundheits- und Seminarzentrum herzurichten. "Das Objekt war ähnlich marode wie das Schloss", erzählt der 68-Jährige. In den vergangenen beiden Jahrzehnten hat sich sein Zentrum in Taubenheim etabliert. Zuvor hatte der gebürtige Kasache bereits eine Forschungsakademie unter anderem für Bio-Genetik aufgebaut. In seiner Jugend litt er an einer schlimmen Krankheit. Ärzte prophezeiten ihm damals aufgrund eines Herzfehlers, dass er seinen 18. Geburtstag nicht erleben würde. Aus diesem Grund beschäftigte sich Philippi frühzeitig mit Gesundheitsthemen, erzählt er.

4.600 Menschen hat er an seiner Forschungsakademie nach eigenen Angaben ausgebildet, darunter Ärzte und Therapeuten. Er entwickelte eine Methode für Bioenergetische Meditation. In sein Seminarzentrum in Taubenheim kommen inzwischen Teilnehmer aus ganz Europa, berichtet Philippi - aus Österreich, der Schweiz, Südtirol. 

In die historische Ansicht des Oppacher Schlosses verliebte sich der neue Besitzer. Er will die alte Optik so gut wie möglich wieder herstellen.
In die historische Ansicht des Oppacher Schlosses verliebte sich der neue Besitzer. Er will die alte Optik so gut wie möglich wieder herstellen. © privat

Deshalb nun die Expansion im Nachbarort Oppach. Hier plant der Heilpraktiker mehrere Meditations- und Gruppenräume sowie Büros. Dabei betont Philippi, dass er keinesfalls seinen Sitz verlegen wolle. Das Zentrum in Taubenheim bleibt bestehen. Im Oppacher Schloss will er zusätzlich ein Zentrum für Stressabbau einrichten. Schon vor fünf Jahren begann er sich verstärkt mit dem Thema Stress in der Gesellschaft auseinander zu setzen, berichtet er. Denn Stress und wie die Menschen damit umgehen können, das sei ein großes Problem unserer Zeit. Schon Kinder hätten Druck und Stress in der Schule, Handys und Computer, mit denen sie ständig zugange sind, würden ein Übriges beitragen. Und bei den Erwachsenen im Berufsleben geht es weiter. "Die meisten Führungskräfte sterben nachts am Schreibtisch", sagt Philippi. 

Im neuen Stressabbau-Zentrum in Oppach sieht er auch positive Effekte für den Ort. Schon jetzt sei es so, dass die weitgereisten Teilnehmer seiner Taubenheimer Seminare auch bei Vermietern in Oppach übernachten. "Auch in Zukunft werden die Leute Übernachtungsmöglichkeiten benötigen, sie brauchen auch etwas zu essen."

Schloss soll aussehen wie früher

Erste Notsicherungen am Gebäude in Oppach hat Philippi bereits vornehmen lassen. Die waren dringend nötig, um das Schloss überhaupt noch zu retten. So drohte das Dach einzustürzen, weil der Hauptbalken marode war. Und auch eine Außenmauer drückte es schon mächtig nach außen. Hier half nur eine ordentliche Ladung Beton, um die Mauer zu fixieren, damit sie nicht abrutscht und womöglich das Haus zusammenfällt. In Abstimmung mit den Behörden sicherte er alles ab. "Jetzt kann ich wieder ruhig schlafen", sagt Philippi. Im Oktober gibt es nun einen weiteren Vor-Ort-Termin mit der Denkmalschutzbehörde und weiteren Fachämtern. Dann will der Bauherr den Denkmalschützern seine Pläne erläutern und weitere Absprachen treffen. In zwei Jahren will er mit der Sanierung fertig sein. 

Die Oppacher Gemeinderäte, denen Philippi jetzt erstmals seine Ideen für das Schloss vorstellte, sind begeistert. "Endlich tut sich etwas und das Schloss bleibt für das Ortsbild erhalten" - so die einhellige Meinung. Und Philippi verspricht, dass das Schloss möglichst wieder so aussehen soll, wie auf jenem historischen Foto, das ihn so faszinierte. Er will versuchen, die kleinen Türmchen wieder herzustellen. Das hat er schon mit einem Architekten besprochen und ist guter Dinge, dass es gelingt. 

Park bleibt öffentlich zugänglich

Schon jetzt sprechen viele Oppacher den Bauherrn an, die das Schloss noch aus alten Zeiten kennen und hier früher ein und aus gingen. Weil das Interesse an dem Haus so groß ist, will er es auch zumindest zum Teil für die Öffentlichkeit zugänglich machen. So soll es eine Cafeteria mit Terrasse geben. Und auf Anregung der Oppacher Gemeinderäte trägt er sich nun auch mit dem Gedanken, eine kleine Bibliothek im Schloss einzurichten. 

Das traditionelle Parksingen soll weiterhin im Schlosspark stattfinden können. Der Fremdenverkehrsverein, der die Chor-Veranstaltung organisiert, hatte Sorge, dass das dann nicht mehr möglich sein könnte, wenn das Schloss in Privathand ist. Der neue Schlossbesitzer hat aber seine Kooperation bereits zugesichert. Der Park solle zudem öffentlich zugänglich bleiben. 

Dass er in seinem Alter so ein Projekt noch einmal in Angriff nimmt, ist für Philippi nicht ungewöhnlich. Schließlich hat er mit 68 Jahren bereits das Rentenalter erreicht. "Aber ich werde 102 Jahre alt. Das habe ich mir vorgenommen, als ich 18 wurde. Ich habe also noch ein bisschen Zeit, etwas zu schaffen", sagt er. 

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