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Problemfall Warnsdorfer Straße: Ist eine Lösung in Sicht?

Die Straße ist unterspült, die Sanierung wird ein Kraftakt. Die Bürgermeisterin stellt zumindest eine stabile Umfahrung in Aussicht - schon bis Jahresende.

Seit Mai ist die Warnsdorfer Straße in Seifhennersdorf dicht. Sie ist unter anderem der einzige Weg zum Pflegeheim.
Seit Mai ist die Warnsdorfer Straße in Seifhennersdorf dicht. Sie ist unter anderem der einzige Weg zum Pflegeheim. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Mit langwierigen Rechtsstreits kennt sich Karin Berndt ja - leider - aus. Noch gut in Erinnerung ist ihr Kampf um die örtliche Oberschule, der deutschlandweit Schlagzeilen machte. Nun wird die Seifhennersdorfer Bürgermeisterin sich wohl wieder vor Gericht streiten müssen. Diesmal geht es um die Warnsdorfer Straße, die mehr und mehr zum Problemfall wird.

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Was bisher passierte: Im Mai dieses Jahres brach plötzlich die Straße ein, kurz hinter der Einmündung in die Läuterau. Und das schon zum zweiten Mal, im Vorjahr hatte es bereits einen ähnlichen Vorfall gegeben. Seitdem ist die Straße gesperrt, eine provisorische Umfahrung wurde eingerichtet. Doch die nervt Anwohner zunehmend. Ein zusätzliches Problem: die Warnsdorfer Straße ist der einzige Weg zum Pflegeheim. Versorgungsfahrzeuge wie Rettung oder Müllabfuhr kommen ebenfalls schlecht durch die enge Umleitung.

Stadt muss erstmal zahlen

Als Ursache für das Loch in der Straße wird vermutet, dass eine sogenannte Spülbohrung den Schaden auslöste. Die führte eine Firma im Auftrag der Telekom aus im Zusammenhang mit dem Breitbandausbau. Diese Methode wird angewendet, um Leitungen in die Erde zu bringen, ohne einen Graben ausheben zu müssen. Offenbar wurde ein Kanal beschädigt, Wasser konnte dort austreten und den großen Schaden unter der Straße anrichten, sodass sie zusammenbrach. Das hat auch ein Gutachten bestätigt, berichtet Bürgermeisterin Karin Berndt (UBS). Nun hat die Stadt den Schaden, bislang mache aber keine der beteiligten Firmen Anstalten, dafür aufzukommen, sagt die Bürgermeisterin.

"Wir müssen erstmal davon ausgehen, dass wir alles selbst zahlen müssen", konstatiert Frau Berndt. "Wir werden uns das dann wohl vor Gericht erstreiten müssen."

Trotzdem steht für sie fest: Jetzt muss schnellstens eine dauerhafte, stabile Umfahrung her. Die soll über mehrere Privatgrundstücke führen. Mit den betreffenden Grundstückseigentümern habe sie bereits gesprochen, sagt Karin Berndt. Größtenteils sei Bereitschaft signalisiert worden, Flächen dafür zur Verfügung zu stellen. Nun muss die Stadt schriftliche Vereinbarungen dazu mit den betreffenden Bürgern abschließen. Wo genau die Umfahrungstrasse entlang führen soll, will die Bürgermeisterin noch nicht sagen, solange die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern laufen.

Kaum Chancen auf Fördermittel

Das Material dafür hat die Stadt schon da: 150 Tonnen Recycling-Asphalt. "Die haben wir zu einem Schnäppchenpreis ergattert", erzählt Karin Berndt. Diese günstige Variante des Straßenbelags wird aus altem Asphalt hergestellt. Der ist anderswo abgetragen und ganz klein geschreddert worden. Unter großer Hitze werden die zerkleinerten Asphaltteilchen dann aufgebracht und zusammengepresst.

Ziel sei es, so Bürgermeisterin Berndt, bis zum Wintereinbruch die Umfahrung fertig zu haben. Sie wird einige Jahre halten müssen, denn die Komplettsanierung der Warnsdorfer Straße ist unausweichlich. "Das wird aber nur abschnittsweise gehen", so Frau Berndt. Denn zweieinhalb bis drei Millionen Euro wird die gesamte Straße mindestens kosten, schätzt sie. Und niemand wisse, wie es unter der Straße tatsächlich aussieht, ob noch mehr solche katastrophalen Schäden zutage treten werden.

Auf Fördermittel könne man kaum hoffen. Es handelt sich um eine Ortsstraße, da stünden die Chancen derzeit sehr schlecht, weiß die Rathauschefin. Der erste Abschnitt, der nach dem Bau der Umfahrung zügig angegangen werden soll, ist der vom Kreisverkehr bis zur Einmündung in die Läuterau. Denn dieser Bereich sei derzeit völlig abgeschnitten. Wenn alles klappt, könnte schon 2022 mit dem Bau begonnen werden, stellt Karin Berndt in Aussicht.

Schilder sollen für mehr Sicherheit sorgen

An der Notumfahrung hat die Stadt jetzt Schilder aufgestellt, um die Anwohner zumindest vor der Staubbelästigung zu schützen.
An der Notumfahrung hat die Stadt jetzt Schilder aufgestellt, um die Anwohner zumindest vor der Staubbelästigung zu schützen. © privat

Die Anwohner der Warnsdorfer Straße sind indes skeptisch, dass alles so klappt. Zu viel haben sie schon erlebt in den vergangenen anderthalb Jahren, seit ihre Straße zweimal einbrach. Besonders in der Kritik ist die Notumfahrung, die hinter dem Netto-Markt über den Schießplatz führt. Der provisorische Belag ist ständig ausgefahren und hat tiefe Löcher, es staubt und lärmt, wenn Autos darüber fahren. Die Einmündung ist zudem sehr eng. Zuletzt hatte die Stadt kleine, gelbe Schilder aufgestellt, die darauf hinweisen, langsam zu fahren. Eine Dauerlösung ist das nicht, finden die Anwohner. Karin Berndt sieht darin aber schon Wirkung: "Was man so hört, halten sich die Autofahrer daran."

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