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Schwerer Vorwurf wegen trüber Erinnerung

Ein Friedersdorfer soll einen 78-jährigen Eibauer brutal niedergeschlagen haben. Der Angeklagte bestreitet - und es gibt erhebliche Zweifel.

Das Amtsgericht in Zittau.
Das Amtsgericht in Zittau. © Matthias Weber (Archiv)

Wegen einer ganzen Reihe von Vergehen hat das Zittauer Amtsgericht jetzt einen 48-jährigen Friedersdorfer zu einer Bewährungshaftstrafe verurteilt. Unter anderem hatte er seiner (heutigen) Verlobten eine ordentliche Backpfeife verpasst und mehrere Urkundenfälschungen kamen auch dazu. Nur in einem Anklagepunkt wurde die Ehre des Mannes wieder hergestellt.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem durchaus einschlägig gerichtsbekannten Mann unter anderem Körperverletzung und versuchte Nötigung vorgeworfen. Dabei soll er im Mai 2020 im Rahmen einer Mietstreitigkeit seinen 78-jährigen Vermieter in dessen Werkstatt in Eibau mit einem Faustschlag ins Gesicht niedergestreckt und anschließend noch bedroht haben. Alle anderen Vorwürfe hatte der Angeklagte unumwunden zugegeben. Aber einen alten gebrechlichen Mann niederschlagen - nein, das habe er nicht gemacht. Vielmehr erklärte er, den Mann bei dem damals verabredeten Treffen in jener Werkstatt bereits blutend und auf dem Boden liegend angetroffen zu haben. Der alte, vorerkrankte Mann habe dabei selbst erklärt "wohl mal wieder umgekippt" zu sein.

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Aussage des Enkels war entscheidend

In seiner Zeugenvernehmung vor Gericht war das vorgebliche Opfer bei seiner Darstellung geblieben. Doch die Aussage des alten Mannes wirkte in vielen Punkten unplausibel - und der Mann auch körperlich und geistig nicht voll auf der Höhe. Deshalb hatte das Gericht beschlossen, weitere Zeugen zu dem Vorwurf zu hören.

Aufschlussreich war dabei vor allem die Aussage des Enkels des Mannes. "Der Opa hatte einen Herzinfarkt und muss deshalb immer viele Tabletten nehmen", schildert der junge Mann. Und diese Medikamente hätten Nebenwirkungen. "Er hat oft Gleichgewichtsprobleme und bringt vieles durcheinander", erklärt er weiter. Es komme oft vor, dass sein Großvater nicht mehr wüsste, was er erst kurz zuvor erzählt habe. "Er schwankt immer und sagt das auch selber", erzählt der Enkel und stützt damit die Schilderung des Angeklagten von jenem Tag. Auch er selbst habe den Großvater schon verletzt nach spontanen Stürzen angetroffen, erzählt der Enkel. Obwohl er seinen Großvater recht oft treffe und mit ihm rede, habe der auch nie was davon erzählt, von dem Angeklagten angegriffen worden zu sein.

In einem Punkt gab's Freispruch

Der Staatsanwalt hatte damit genug gehört. Er hatte auch schon vorher erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit des alten Mannes - nicht weil der in böser Absicht jemanden belasten wolle, sondern offenbar ein getrübtes Erinnerungsvermögen habe. "Die Beweisführung der Körperverletzung ist hier nicht gelungen", sagte der Ankläger. Vorwürfe blieben trotzdem - etwa die Körperverletzung an seiner heutigen Verlobten "Sie haben einer Frau in die Gusche gehauen. Dass die zu Ihnen zurückgekehrt ist - Sie müssen eine magnetische Anziehungskraft besitzen." Deswegen und wegen der anderen Anklagepunkte forderte er eine Bewährungsstrafe von 13 Monaten und die Ableistung von 100 gemeinnützigen Arbeitsstunden. Bezüglich des Vorwurfs, den alten Mann verletzt zu haben, sei der Angeklagte natürlich freizusprechen.

Der Verteidiger plädierte mit elf Monaten auf eine etwas geringere Bewährungsstrafe. Der Angeklagte gelobte in seinem letzten Wort Läuterung: "Ich bin jetzt fast 50 und sollte überlegen, wie ich mein Leben weiter gestalte." Das Gericht erkannte schließlich auf eine Bewährungsstrafe von elf Monaten und verhängte außerdem 150 gemeinnützige Arbeitsstunden - und verkündete in dem einen Anklagepunkt Freispruch. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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