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Hat Klinik Ebersbach folgenschwer gepfuscht?

In einem Prozess vor dem Landgericht trägt der Mann vor, in Ebersbach fehlerhaft behandelt worden zu sein - es folgte eine jahrelange Leidensgeschichte.

Das Klinikum in Ebersbach.
Das Klinikum in Ebersbach. ©  Rafael Sampedro (Archiv)

Wer trägt die Schuld, wenn nach einer medizinischen Behandlung, einer Operation, keine Heilung beim Patienten erfolgt? Das ist die Frage in zahlreichen Arzthaftungsprozessen. So auch jetzt bei der langen Leidensgeschichte eines jungen Mannes aus dem Raum Ebersbach-Neugersdorf, die am Montag vor dem Landgericht Görlitz verhandelt wurde. Der Mann verklagt das Klinikum Oberlausitzer Bergland in Ebersbach auf 50.000 Euro Schmerzensgeld und 53.000 Euro Schadenersatz wegen Verdienstausfall. Der Mann ist überzeugt, dass eine fehlerhafte Behandlung in der Klinik die Ursache für jahrelanges Leiden und einige Folgeoperationen in diversen Kliniken war.

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Die Geschichte beginnt im November 2013. Damals hatte der Mann im Ebersbacher Klinikum eine Steißbein-Fistel behandeln lassen. Laut den Erklärungen des zum Prozess geladenen Gutachters sind Hautbakterien und eingewachsene Haare Ursache für entzündliche Prozesse, die zu einer zwar lästigen aber in der Regel nicht dramatischen Erkrankung führen. Begünstigend für die Bildung eines solchen Abszesses sei neben starkem Haarwuchs auch extremes Übergewicht. Anlässlich dieser Behandlung wurde im Klinikum damals ein Abstrich von der Fistel vorgenommen. Ein Laborbefund ergab daraufhin das Vorhandensein von Streptokokken und eines weiteren gefährlichen Bakteriums.

Das Problem mit dem Antibiotikum

Und genau jenes Bakterium und wie die Klinik damit umging, ist nun prozessentscheidend. Vor einer im Januar 2014 erneut nötig gewordenen Operation der Fistel wurde dem Mann zwar ein Antibiotikum verabreicht, das gegen Streptokokken wirkt - die Gabe eines weiteren Antibiotikums gegen das andere Bakterium indes unterblieb. Und das hält der Mann für einen schweren Behandlungsfehler. In den folgenden Jahren bildete sich der Abszess immer wieder neu. Der Mann musste seine Ausbildung abbrechen und sich wiederholt Operationen unterziehen.

Eines wurde in der Beweisaufnahme bei der Aussage des Gutachters schnell klar: Es gab einen Behandlungsfehler. Doch es bleibt kompliziert. Für operative Eingriffe aller Art gibt es medizinische Leitlinien, die empfehlen oder festlegen, wie vorzugehen ist. Diese Leitlinien werden alle paar Jahre nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft angepasst. Die damals bei der Operation des Mannes geltenden Leitlinien sahen die Gabe jener beiden Antibiotika in solchen Fällen nicht vor - "Auch wenn viele Chirurgen sie verabreichen", erklärte der Gutachter. Drei Monate nach der Operation indes traten neue Leitlinien in Kraft, die diese Antibiotika-Gabe empfahlen. Nach den heute aktuellen Leitlinien indes wird die voroperative Verabreichung dieser Antibiotika nicht mehr empfohlen.

Klinikum bietet 3.000 Euro an

Ob es richtig war, nur ein Antibiotikum gegen die Streptokokken zu verabreichen, nicht aber gegen das andere Bakterium, dazu positionierte sich der Gutachter klar: "Ich finde schon, wenn man Antibiotika verabreicht, sollte man beide Keime abdecken. Das ist ein ärztliches Versäumnis", erklärte er. Allerdings sei das Verhalten des Operateurs nicht grob fehlerhaft gewesen und der anschließende Krankheitsverlauf bei dem Kläger sehr ungewöhnlich. Es sei unwahrscheinlich, dass dieses an sich kleine Versäumnis der Behandlung ursächlich für solche langanhaltenden Komplikation sei.

Der Gutachter sprach dabei auch von einem "gewissermaßen schicksalhaften Verlauf". Er könne keine Einschätzung darüber abgeben, ob der Mann nicht die gleiche Leidensgeschichte erlebt hätte, wenn man ihm damals vor der Operation beide Antibiotika verabreicht hätte. Und damit hat der Mann eben das entscheidende juristische Problem: Das der Kausalität, also ob der Fehler bei der Behandlung Grund für die Folgen war. Gelingt dieser Nachweis nicht, gibt es vor Gericht gar nichts zu holen. Um das Prozessrisiko einer möglichen Verhandlung vor der nächsthöheren Instanz auszuschließen, bot der Anwalt des Klinikums eine Zahlung von 3.000 Euro an - ohne Anerkennung einer Rechtspflicht und bei Verzicht auf alle weiteren Forderungen. Sollte der Kläger dieses Angebot ablehnen, ergeht am 26. November ein Urteil.

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