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Vergewaltigungs-Prozess nach Schissn-Sex

Ein Neugersdorfer gibt seiner Affäre nach einem Akt am Rande des Jakobimarkts den Laufpass - hat sich die Frau dafür gerächt?

In Zittau wurde eine Vergwaltigung verhandelt. Das Gericht hatte Zweifel.
In Zittau wurde eine Vergwaltigung verhandelt. Das Gericht hatte Zweifel. © dpa

Es gehört zum Schlimmsten, was einer Frau überhaupt passieren kann: Vergewaltigung. Doch hatte der nun vor dem Amtsgericht Zittau verhandelte Fall überhaupt so stattgefunden, wie die Staatsanwaltschaft und eine junge Frau behaupten? Für den jungen Mann auf der Anklagebank geht's an diesem Tag um seine bürgerliche Existenz. Das Gericht hat durchaus Zweifel am Tathergang - für einen Freispruch reichen die am Ende nicht.

Der 23-jährige Angeklagte ist in Neugersdorf aufgewachsen, brachte es dort als Fußballer auch durchaus zu gewisser Bekanntheit. 2017 aber siedelte er nach Thüringen, um dort eine Ausbildung zu beginnen. Oft besuchte er seine alte Heimat. Und bei einem dieser Besuche zu Weihnachten 2017 lernte er jene junge Frau kennen. Die lockere Sexbeziehung endete nun schließlich vor dem Strafrichter.

Erst Sex und dann "abgeschossen"

Gleich am Abend des Kennenlernens habe es Sex gegeben, heißt es in einer Erklärung, die der Angeklagte seinen Anwalt verlesen lässt. In den folgenden Monaten hätten sich beide öfter gegenseitig besucht. "Blümchen-Sex hatten wir nicht", erklärt der Angeklagte selbst. Als er dann am 29. Juli 2018 zum Jakobimarkt wieder heim nach Neugersdorf kam, hatte er in Thüringen eine neue feste Freundin. Doch an jenem Abend nutzte er gewissermaßen noch einmal die Gunst der Stunde. Er verabredete sich beim "Schissn" mit seiner Neugersdorfer Affäre. Und gegen zwei Uhr in der Nacht hatten die beiden am Ententeich Sex in ihrem Kleinwagen - so viel ist unstreitig.

"Ich habe ihr danach gesagt, dass es das letzte Mal gewesen sei und ich keinen weiteren Sex mehr mit ihr wollte", heißt es in der vorgelesenen Erklärung. Anschließend habe ihn die junge Frau noch nach Hause gefahren und ihm sogar einen Abschiedskuss gegeben. Und ob genau dieses "Abschießen" der jungen Frau Auslöser für eine am Tag danach als Racheakt erfolgte Vergewaltigungsanzeige war - mit dieser Frage hatte sich das Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsrichter Holger Maaß zu befassen. Der Angeklagte jedenfalls schilderte, dass er völlig überrascht gewesen sei, als er von der Polizei kurz nach dem Vorfall zu einer polizeilichen Vernehmung wegen des Verdachts der "Vergewaltigung nach einvernehmlichem Sex" - so die Ladung der Polizei - zitiert worden sei.

Was geschah wirklich am Ententeich?

Die Anklage schildert jene Vorgänge am Ententeich anders. Zunächst sei der Sex im Auto durchaus einvernehmlich gewesen. Dann aber sei der Angeklagte "grob und herrisch" geworden, weshalb die junge Frau von ihm verlangt habe, aufzuhören. Der Angeklagte habe indes mit der Aussage "Wir sind hier lange noch nicht fertig!" weitere sexuelle Handlungen erzwungen. So habe er - auf dem Beifahrersitz sitzend - sie gewaltsam zu sich herübergezerrt. Dabei habe die Frau beim Zerreißen des Slips Verletzungen am Unterleib davongetragen sowie weitere Einblutungen an Oberschenkeln und an der Brust.

Für die Zeugen-Vernehmung der Frau wurde die Öffentlichkeit vom Verfahren ausgeschlossen. Eine als Zeugin geladene Freundin der Frau schilderte dem Gericht, dass die Frau sich ihr unmittelbar nach dem Vorfall unter Tränen anvertraut habe. Richter Maaß ließ den Angeklagten zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft wissen: "Wenn das alles nicht stimmt, gibt es nur eine Möglichkeit: Die Frau hat sich das ausgedacht."

Staatsanwaltschaft fordert Haft

Die Staatsanwältin und die Anwältin der Frau als Nebenklägerin erklärten die Schilderungen der Frau in ihren Plädoyers für glaubwürdig. Der Angeklagte habe in dieser "Freundschaft plus" mehrfach den Willen der Frau missachtet. Beide forderten eine Verurteilung zu zwei Jahren und drei Monaten - ein Strafmaß, bei dem eine Aussetzung zur Bewährung nicht mehr möglich ist.

Der Verteidiger sah den vorgeworfenen Sachverhalt als nicht erwiesen an. So hätte die Frau etwa Verletzungen, die beim geschilderten Vorgang hätten entstehen müssen, weder behauptet, noch seien diese festgestellt worden. Weiterhin sei es unplausibel, dass die Frau den Angeklagten nach so einer Tat noch freiwillig nach Hause fährt - das nämlich war auch unstreitig. Zuletzt habe sein Mandant keinerlei Motiv gehabt, eine Frau zu vergewaltigen, die ja ausdrücklich Sex mit ihm wollte. Er forderte Freispruch.

Die Zweifel des Gerichts

Das Schöffengericht verurteilte den Mann zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe. Zweifel blieben: "Das war keine einstimmige Entscheidung", merkte Vorsitzender Holger Maaß bei der Urteilsverkündung an. Jedenfalls sah die Kammer keine Veranlassung, den Mann einzusperren. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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