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Wer nur hat ihre Hunde totgefahren?

Rita Iffland aus Neugersdorf verliert Luna und Molly auf tragische Weise . Sie erzählt, wie sie den Unfall erlebte und was ihr jetzt Hoffnung gibt.

Rita Iffland bleiben als Erinnerung an ihre beiden Hunde nur Fotos. Ein rücksichtsloser Autofahrer hat ihre Lieblinge totgefahren. Gefasst ist er noch immer nicht.
Rita Iffland bleiben als Erinnerung an ihre beiden Hunde nur Fotos. Ein rücksichtsloser Autofahrer hat ihre Lieblinge totgefahren. Gefasst ist er noch immer nicht. © Romy-Altmann Kühr

Entzückend blicken Luna und Molly von dem Portrait an der Wand im Wohnzimmer von Rita und Heinrich Iffland. Die kleinen Hunde sitzen auf einem Brunnenrand und fast sieht es so aus, als würden die beiden Hundedamen keck lächeln. Eine Fotografin hat die Tiere professionell abgelichtet, das schöne Foto war eine Weihnachtsüberraschung von Ifflands Enkelkindern an ihre Großeltern.

Jetzt bekommen diese Erinnerungsfotos eine noch größere Bedeutung für das Rentner-Ehepaar aus Neugersdorf. Denn Luna und Molly sind tot. Die beiden Hündinnen starben auf unfassbar tragische Weise - und derjenige, der daran Schuld hat, ist immer noch nicht gefunden. Frauchen Rita Iffland kämpft noch immer mit den Tränen, wenn sie davon erzählt. Am 30. März ging die Rentnerin zusammen mit einer Freundin und ihren Hunden spazieren. Die Frauen wollten zum Spreequellcenter. Sie mussten die Hauptstraße überqueren und nutzten dazu die Stelle mit der Fußgängerinsel nahe der Fichte-Grundschule. Rita Iffland war gerade auf der Fußgängerinsel in der Mitte der Straße angekommen, Luna und Molly an der Leine waren nur knapp hinter ihr. Dann gab's einen fürchterlichen Knall, erzählt Frau Iffland. Sie drehte sich um, ihre beiden Lieblinge lagen leblos nebeneinander. "Die Köpfe auf der Fußgängerinsel, der hintere Teil noch auf der Straße", erzählt Frau Iffland. Äußerlich habe man kaum Verletzungen gesehen. "Ich kann gar nicht begreifen, warum sie tot sind." Und Rita Iffland erinnert sich, dass ein Auto schnell davon raste. "Es hatte so eine komische goldene Farbe."

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Anwohner fragen sich: Unfall oder Absicht?

Der grausame Vorfall hat sich herumgesprochen im Ort, auch Nachbarn und Anwohner sind fassungslos. Mancher kann sich vorstellen, dass der Fahrer womöglich mit Absicht die beiden Hunde totfuhr. "Die Straße ist kerzengerade, das sieht man doch, wenn da zwei ältere Damen rüberlaufen. Da bremst man doch ab", sagt eine Anwohnerin. Und Rita Iffland erzählt: "Das hat so geknallt. Der muss an den Bordstein der Fußgängerinsel gedonnert sein. Der hätte ja auch mich noch erwischen können."

Zu den Spekulationen über das Motiv des Autofahrers will sich die Polizei nicht äußern. Aber ob Absicht oder nicht - in jedem Fall hat der Unfallverursacher Fahrerflucht begangen. Deshalb wird er von der Polizei gesucht. Aber auch ein Zeugenaufruf brachte bisher keinen Erfolg, wie Polizeisprecherin Anja Leuschner auf Nachfrage der SZ bestätigt. Es werde weiter ermittelt, so die Polizeisprecherin.

Zeugin: Unfallfahrer hatte Kamenzer Kennzeichen

Dass der flüchtige Fahrer noch immer nicht ausfindig gemacht werden konnte, ist für Rita Iffland nur schwer vorstellbar. Eine Zeugin hatte angegeben, dass das Auto ein Kamenzer Kennzeichen hatte. Frau Iffland selbst erinnert sich an die ungewöhnliche goldene Lackierung des Wagens. "So viele Autos mit so einer Farbe werden ja nicht zugelassen sein in Kamenz." Die weiteren Buchstaben und Ziffern des Kennzeichens konnte aber niemand erkennen. "Der ist so gerast, das konnte man nicht sehen", erinnert sich Rita Iffland. Sie selbst stand zudem unter Schock. "Ich war wie versteinert." Eine Nachbarin brachte die Hunde mit dem Auto schnell zum örtlichen Tierarzt. Sie konnten aber nicht mehr gerettet werden. Der Veterinär konnte nur noch den Tod feststellen.

Die Kissen und Fressnäpfe haben Ifflands inzwischen aus der Wohnung weggeräumt. Sie konnten den Anblick der leeren Hundekörbchen nicht ertragen. Sie haben Luna und Molly im Garten ihrer Tochter begraben, die Grabstelle liebevoll bepflanzt. "Wir haben ihre Decken mit hineingelegt und jeder einen Knochen mitgegeben. Verrückt oder?", fragt Frau Iffland leise. Für sie sind ihre vierbeinigen Lieblinge eben wie Babys gewesen. Alles haben Ifflands mit ihren Hunden gemeinsam gemacht. Sie waren mit im Urlaub, sind im Zug mit dem Rentnerehepaar nach Dresden zum Enkel gefahren. "Es gab nie Probleme, sie waren immer lieb und ruhig." Dafür sei die Rasse - Luna und Molly waren Bolonka Zwetnas - bekannt.

Beliebtes Hunde-Duo: Leckerchen von den Nachbarn

Das fröhliche Hundegespann war auch in der Nachbarschaft in Neugersdorf bekannt und beliebt. Oft bekamen Luna und Molly Leckerchen von Nachbarn zugesteckt. "Da musste ich ganz schön aufpassen, dass sie nicht zu dick werden." Rita Iffland muss lachen, wenn sie an die Erlebnisse mit ihren beiden Hundedamen denkt. Viele Jahre haben die beiden Hündinnen sie und ihren Mann begleitet. Luna, mit dem weißen Fell, war nur wenige Tage vor dem schlimmen Unfall 13 Jahre alt geworden. Seit sie ein Welpe war, lebte sie bei den Ifflands. Molly kam später hinzu. Rita Iffland und ihr Mann übernahmen sie im Alter von neun Monaten von einer schwerkranken Frau, die sich nicht mehr um das Tier kümmern konnte und später auch verstarb. Molly wurde sieben Jahre alt.

Rita Iffland kann unterdessen wieder ein wenig lächeln - und ist voller Vorfreude. In einigen Wochen schon wird sie einen neuen Hund bei sich zu Hause aufnehmen. Bei einem Züchter in der Nähe hat sie sich eine kleine Bolonka-Zwetna-Hündin ausgesucht. "Wir hatten immer Hunde, es geht nicht ohne", sagt sie. "Wenn wir jetzt spazieren gehen, dann ist das irgendwie so sinnlos ohne Hund." Sie hat sich auch im Tierheim umgesehen nach einem neuen Begleiter. "Aber es passte nicht. Wir müssen ja auch bedenken, dass wir nicht mehr die Jüngsten sind", sagt die 77-Jährige. "Einen größeren Hund können wir nicht nehmen." Bei der kleinen Hündin, die nun bei Ifflands einziehen wird, sei es "Liebe auf den ersten Blick" gewesen.

Frau Iffland freut sich jetzt auf den neuen Mitbewohner - und darauf endlich wieder mit einem Vierbeiner spazieren zu gehen. Nur die Hauptstraße wird sie in Zukunft meiden. "Da gehe ich nicht mehr rüber mit dem Hund." Selbst allein ist es ihr noch immer unheimlich, die viel befahrene Straße zu überqueren.

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