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Harte Strafe für eifersüchtigen Raser

Ein Ebersbacher steht wegen eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens vor Gericht - und kassiert statt eines Freispruchs die doppelte Strafe.

Mit einem Luxus-SUV vom Typ Audi Q7 war der Angeklagte durch Ebersbach gerast.
Mit einem Luxus-SUV vom Typ Audi Q7 war der Angeklagte durch Ebersbach gerast. © Audi

Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft. Diese alte Weisheit bewahrheitete sich jetzt wieder in einem Prozess vor dem Amtsgericht Zittau und das nicht ausschließlich in Liebesdingen, sondern in Sachen Straßenverkehr. Und hätte der Angeklagte einen kühlen Kopf bewahrt an jenem Tag, über dessen Vorkommnisse verhandelt wurde - ihm wäre zusätzlicher und teurer Ärger erspart geblieben.

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Vor Gericht stand ein 47-jähriger Mann aus Ebersbach. Ihm wurde vorgeworfen, am 25. August 2020 mit seinem Luxus-SUV vom Typ Audi Q7 mit über 100 Kilometern pro Stunde vor der Polizei geflohen zu sein - angeklagt als Verbotenes Kraftfahrzeugrennen nach Paragraf 315d des Strafgesetzbuches. Und das alles bloß, weil er wegen seiner übertriebenen Eifersucht zur Rede gestellt werden sollte.

Im Wortsinn rasend vor Eifersucht

An jenem Augustabend hatte der Mann seiner geschiedenen Frau nachgestellt - wieder einmal. Offenbar konnte er insbesondere den Umstand nicht ertragen, dass seine Ex einen neuen Lebensgefährten hat. Und an diesem Abend rief die Frau die Polizei an und gab an, im Auto von ihrem Ex-Mann in dessen Q7 verfolgt zu werden. Dabei war sie auf dem Heimweg von Seifhennersdorf nach Ebersbach. Ein alarmierter Streifenwagen begab sich darauf hin an die Wohnadresse der Frau - traf dort aber niemanden an, sah auch das Auto des Mannes nicht.

Das änderte sich wenige Minuten später. Dann nämlich kam die Frau daheim an - und im Auto direkt hinter ihr der eifersüchtige Ex-Gatte. "Als er uns da hat stehen sehen, ist er sofort am Auto seiner Frau vorbeigezogen und davon", schildert einer der beiden Streifenbeamten als Zeuge vor Gericht. Mit ihrem Streifenwagen hätten sie im selben Moment die Verfolgung aufgenommen - und sofort Anhalte-Signal, Blaulicht und Martinshorn angeschaltet.

Allerdings hätte ihr Polizei-Golf nicht mit dem hochmotorisierten Audi mithalten können. Der Angeklagte sei zuerst über die B96 geflüchtet und dann in die Bahnhofstraße abgebogen und Richtung tschechische Grenze gerast. "Im Abstand von ungefähr 200 Metern habe ich gesehen, wie er quasi über die Grenze geflogen ist", schilderte der Polizist. Der Tacho des Streifenwagens habe bei der Verfolgungsjagd teilweise mehr als Tempo 100 angezeigt. Aus Sicherheitsgründen habe man die Verfolgung abgebrochen.

Erster Führerschein-Entzug erfolglos

Gegen einen ursprünglich von der Staatsanwaltschaft erwirkten Strafbefehl über eine Geldstrafe von 3.500 Euro und einen Führerscheinentzug von einem Jahr und drei Monaten hatte der Mann Einspruch eingelegt. Die Staatsanwältin sah den Vorwurf nach den Schilderungen des Polizisten als erwiesen und forderte eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu 50 Euro (4.000 Euro) und eben jene Führerscheinsperre.

Der Verteidiger des Mannes dagegen forderte einen Freispruch. Er trug vor, die Polizei hätte einen großen Abstand von seinem Fahrzeug gehabt und es teilweise auch aus den Augen verloren. Daher gebe es nur Angaben über das Tempo des Streifenwagens, aber keinerlei Belege dafür, wie schnell sein Mandant gefahren sei. Außerdem hätte der Mann auch nicht zwingend davon ausgehen müssen, dass jener Polizeieinsatz ihm galt. Darüber hinaus argumentierte der Verteidiger mit einer Entscheidung des Landgerichts Görlitz in dieser Sache. Der verhandelnde Richter Kay Ronsdorf hatte dem Angeklagten bereits im Februar vorläufig den Führerschein entzogen. Diesen Beschluss kassierte das Landgericht im April wieder und ordnete an, dem Mann umgehend wieder den Führerschein auszuhändigen. Zur Begründung hatte das Landgericht angeführt, dass die Ermittlungen "keinerlei Feststellungen" ergeben hätten, die zu einem dringenden Tatverdacht im Sinne des "Raser-Paragrafen" 315d StGB führen würden.

Dickes Auto - dicke Strafe

Amtsrichter Kay Ronsdorf überzeugte das alles nicht. Er verurteilte den Angeklagten wegen eines Verbotenen Kraftfahrzeugrennens und verdoppelte die von der Staatsanwaltschaft geforderte Geldstrafe auf 80 Tagessätze zu 100 Euro (8.000 Euro) und erkannte auf ein Jahr und drei Monate Führerscheinsperre. Die Flucht vor der Polizei mit hohem Tempo stelle nach allgemeiner Rechtsprechung ein verbotenes Kraftfahrzeugrennen dar. Und es sei für den Angeklagten auch ganz klar zu erkennen gewesen, dass der Einsatz ihm galt.

Weil der selbstständig tätige Angeklagte keine Angaben zu seinem Einkommen gemacht hatte, bestimmte der Richter die Höhe der Tagessätze nach einer Augenscheins-Rechnung: "Ein Audi Q7 gehört zu den Fahrzeugen der oberen Luxusklasse." Wer sich so ein Fahrzeug leisten könne, müsse daher auch zwangsläufig über das entsprechende Einkommen verfügen. "Daher kann ich von so einer Tagessatzhöhe ausgehen", so der Richter. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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