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Schülergewalt - Täter fast immer Deutsche

Nach der Attacke auf einen 17-jährigen Löbauer durch einen Türken will es AfD-Kumpf in einer Anfrage an die Regierung genau wissen - und dürfte enttäuscht sein.

Nach der Attacke auf einen Jugendlichen hatte AfD-Abgeordneter Mario Kumpf zur Kundgebung "Keine Gewalt-Exzesse in unserer Lausitz" auf dem Altmarkt in Löbau aufgerufen.
Nach der Attacke auf einen Jugendlichen hatte AfD-Abgeordneter Mario Kumpf zur Kundgebung "Keine Gewalt-Exzesse in unserer Lausitz" auf dem Altmarkt in Löbau aufgerufen. © Rafael Sampedro

Im Nachgang einer brutalen Prügelattacke auf einen Löbauer Schüler will AfD-Abgeordneter Mario Kumpf es nun genauer wissen. Er hat im Landtag eine "Kleine Anfrage" an die Staatsregierung zu dem Vorfall gerichtet. Besonders interessieren ihn dabei die Nationalitäten der Täter von etwaigen Straftaten an Löbaus Schulen. Die Antwort von Innenminister Roland Wöller (CDU) dürfte für Kumpf ernüchternd ausgefallen sein.

Die Prügelattacke Anfang Juli auf den Löbauer Schüler Richard Wolf in der Katholischen Anlage hatte in Löbau für Entsetzen gesorgt. Ein 17-jähriger Schläger hatte Wolf dabei einen Kieferbruch zugefügt. Zu einer Kundgebung unter dem Motto  "Keine Gewalt-Exzesse in unserer Lausitz" hatte AfD-Abgeordneter Mario Kumpf drei Wochen später auf den Altmarkt geladen. Dass Ausländer "unsere Jugendlichen" in ihre Banden aufnehmen, beklagte er da und wetterte: "Wir lassen uns die Ausbreitung krimineller Clan-Strukturen nicht länger gefallen." Und Innenminister Wöller warf er mangelndes Mitgefühl gegenüber dem Prügelopfer vor.

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Richard Wolf trug bei der Prügelattacke einen Kieferbruch davon, der unter Vollnarkose operiert werden musste. Er konnte mehrere Wochen lang keine feste Nahrung zu sich nehmen.
Richard Wolf trug bei der Prügelattacke einen Kieferbruch davon, der unter Vollnarkose operiert werden musste. Er konnte mehrere Wochen lang keine feste Nahrung zu sich nehmen. ©  Matthias Weber

Ermittlungen auch gegen Mitglieder der Clique

Nun wollte Mario Kumpf die Ausbreitung jener "kriminellen Clan-Strukturen" bis in Löbauer Schulen hinein offensichtlich mit seiner "Kleinen Anfrage" unterfüttern. Der jugendliche Täter ist ein 17-Jähriger mit türkischer Staatsangehörigkeit. Das bestätigt Wöller dem Abgeordneten nun auch erneut auf seine Anfrage. Der junge Mann sei in Deutschland geboren und besitze eine "Niederlassungserlaubnis".

Außerdem wollte Kumpf wissen, welche "disziplinarischen Konsequenzen" seitens der Schule gegen den Schläger ergriffen worden seien. Nur: Der Schläger war schon zum Zeitpunkt seiner Attacke gar kein Schüler mehr. Dennoch, so Wöller, habe ihm die Schulleitung seiner ehemaligen Schule (die Pestalozzi-Oberschule, d. Red.) ein Gesprächsangebot unterbreitet - was weder er noch seine Eltern wahrgenommen hätten. Der Schläger agierte aus seiner Clique heraus - von der wurde die Attacke in mehreren Handy-Videos gefilmt. Auch gegen einige dieser Jugendlichen laufen Ermittlungen. "Bisher konnten elf Personen im Alter von 13 bis 20 Jahren identifiziert werden", teilt Wöller mit - alles Deutsche.

Kaum Ausländer als Tatverdächtige an Schulen

Kumpf wollte ebenso erfahren, wie viele und welche Straftaten in den Jahren 2019 und 2020 an Löbauer Schulen registriert wurden - und dabei insbesondere Alter und Nationalität, Migrationshintergrund und Aufenthaltsstatus der Tatverdächtigen erfahren. Innenminister Roland Wöller legt hierzu eine Liste mit 13 erfassten Straftaten vor - überwiegend Diebstähle, aber auch drei Körperverletzungsdelikte. Täter in elf von 13 Fällen: Deutsche - zwei davon mehrfach. Tatverdächtig einer Beleidigung wurde demnach 2019 ein damals 16-jähriger Iraker. Einem 19-jährigen Eritreer wird eine gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

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Innenminister Wöller schildert Kumpf auf dessen Anfrage hin, welche Maßnahmen etwa die Schulen, das Schulamt oder auch die Staatsregierung ergriffen hätten, um künftig solche Straftaten zu vermeiden. So seien in Löbau mit Beginn des Schuljahres Beratungen innerhalb der Präventionsstrategie "Prävention im Team" geplant. Zudem sei der Vorgang seitens der Schule dem Landesamt für Schule in Bildung (Lasub) als "besonderes Vorkommnis" gemeldet worden. Das Lasub berate seither die Schule. Darüberhinaus sei der Sachverhalt innerhalb der Schule in den Lerngruppen ausgewertet worden.

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