merken
PLUS Löbau

Darf die Aussicht verbaut werden?

Der Schlechteberg genießt besonderen Schutz wegen des schönen Blicks, den man vom Turm hatte. Der aber ist abgerissen. Das kann Folgen haben.

Der Schlechteberg in Ebersbach.
Der Schlechteberg in Ebersbach. © Rafael Sampedro

Es ist dieser Satz von Regionalplaner Jörg Weichler, der die Stadträte von Ebersbach-Neugersdorf auf die Palme bringt: "Sie sollten mal über einen neuen Aussichtsturm nachdenken." Als ob der Ärger um den Schlechtebergturm nicht schon groß genug wäre! Schließlich war es den Stadträten nicht leicht gefallen, sich für den Abriss des maroden Aussichtsturms in Ebersbach zu entscheiden. Seit Jahren ging es darum, ob und wie der Turm gerettet werden könnte. Die Holzkonstruktion war morsch geworden, das Bauwerk nicht mehr sicher. Es wurde schon vor Jahren gesperrt. Als Skandal empfanden es viele Ebersbacher auch, dass für diese offensichtliche Fehlkonstruktion niemand mehr belangt werden konnte. Vor allem ging es darum, wie eine Sanierung zu bezahlen ist. Es gab Planungswettbewerbe mit Architekten, die neue Turmmodelle entwarfen und andere Ideen zur Rekonstruktion des Turmes. Anfang des Jahres nun wurde er doch abgerissen. Zu groß waren die baulichen Mängel am noch nicht einmal 20 Jahre alten Bauwerk. 

Und jetzt stellt sich da einer vor den Stadtrat hin und sagt, sie könnten doch einen neuen Turm bauen! Und sich überhaupt Gedanken über die Gestaltung des Schlechteberg-Areals machen. Als ob sie sich darüber nicht schon genug den Kopf zerbrochen hätten! Was ist da los?

Die gesunde Drittelstunde
Die gesunde Drittelstunde
Die gesunde Drittelstunde

Impfen lassen? Neue Therapien? Was zahlen Kassen? Fragen rund um das Thema Gesundheit: hier gibt es Antworten. Redakteur Jens Fritzsche im Gespräch mit Experten.

Besonderer Schutz für die Schlechteberg-Aussicht

Der Regionale Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien mit Sitz in Bautzen, für den Jörg Weichler arbeitet, hat die Aufgabe, Ziele und Pläne zu entwickeln, wie die Landschaft und Orte in der Region sich entwickeln sollen. Der Plan ist auf etwa zehn Jahre ausgerichtet. Aktuell hat der Verband eine Fortschreibung des Planes erarbeitet. Der Entwurf steht. Die Experten beschäftigen sich zum Beispiel damit, wo etwa Windräder gebaut werden dürfen und welche Städte etwa für die medizinische Versorgung oder Bildung wichtig sind. Ebersbach-Neugersdorf gilt demnach als wichtige Gemeinde für das Umland. 

Und auch der Schlechteberg kommt im Regionalplan vor. Der Plan weist den Ebersbacher Hausberg als so genanntes Vorranggebiet Kulturlandschaftsschutz aus. Das Areal steht unter besonderem Schutz, das Landschaftsbild soll erhalten werden. Ein Kriterium, dass der Berg diesen Status erhalten hat, war der Aussichtsturm, von dem aus man weit ins Land schauen konnte und eine attraktive Aussicht hatte, erklärt Jörg Weichler vom Planungsverband. Nun ist der Turm abgerissen und damit die tolle Aussicht nicht mehr da. "Wenn man unten steht, sieht man ja weniger, als vom Turm aus", so Weichler. 

Der Aussichtsturm auf dem Schlechteberg ist Anfang des Jahres abgerissen worden.
Der Aussichtsturm auf dem Schlechteberg ist Anfang des Jahres abgerissen worden. © Archivfoto

Stadt muss sich entscheiden

Der bestehende Schutzstatus als Kulturlandschaft soll sicherstellen, dass nichts großflächiges gebaut werden darf, was das Landschaftsbild stört. Das könnten laut Jörg Weichler zum Beispiel Windräder sein, Feriensiedlungen oder auch Sportanlagen wie zum Beispiel ein Golfplatz. Der Bau von Windrädern käme allerdings in Ebersbach ohnehin nicht in Frage. "Da ist alles zu dicht bebaut", erklärt der Regionalplaner. Andere Bebauung, die vielleicht das Landschaftsbild störe, sei aber schon möglich. Außerdem: Der Vorrangstatus kann der Stadt auch zu Fördermitteln verhelfen, wenn sie beispielsweise Wanderwege anlegen möchte oder andere Investitionen am Schlechteberg plant. "Da kann es bei einer Bewerbung um Fördermittel schon von Vorteil sein, wenn das Areal im Regionalplan als Vorranggebiet für Kulturlandschaftsschutz ausgewiesen ist", so Jörg Weichler. 

Nun verliert der Schlechteberg nicht gleich den Schutzstatus, nur weil der Turm weg ist. Die Stadt müsse sich aber für die Zukunft positionieren, ob der Status weiter so ausgewiesen werden soll. Sie soll nun eine Stellungnahme zu dem Entwurf abgeben. Darin könnte sie zum Beispiel erklären, dass sie in den nächsten Jahren wieder einen Turm bauen will. "Dann würde das erst einmal weiterhin im Plan so geführt. Später sehen wir uns dann an, ob tatsächlich gebaut wurde", erklärt der Planer. Der Regionalplan ist mit seinen Zielen auf etwa zehn Jahre ausgelegt. 

Eine Stellungnahme ist bis zum 2. Oktober gefordert. Der Stadtrat will sich dazu noch beraten. Klar ist schon jetzt: Einen Aussichtsturm hätten die Ebersbach-Neugersdorfer gern wieder, aber nicht um jeden Preis. So bringt es jedenfalls Stadtrat Uwe Jährig (FDP) auf den Punkt: "Das Geld wird für andere Dinge nötiger gebraucht." 

Ein Beispiel für einen Aussichtsturm, der die Gemeinde eine vergleichsweise kleine Summe kostete, steht in Schönau-Berzdorf am Berzdorfer See. Denn die Gemeinde hat ihren Aussichtsturm bei der "Blauen Lagune" unter anderem mit Sponsorengeldern gebaut. 330.000 Euro kostete das Bauwerk damals im Jahr 2008. Zehn Prozent musste die Gemeinde finanzieren, also 33.000 Euro. 10.000 Euro nahm sie von Sponsoren ein, sodass ihr 23.000 Euro aus der eigenen Kasse zu bezahlen blieben. Errichtet wurde hier ein Stahlgitterturm, ähnlich wie er jetzt auch auf der Lausche entstanden ist

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umgebung lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umgebung lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Löbau