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Asyl für die Hainberg-Schützen

Nach über 120 Jahren zieht sich der Ebersbacher Verein vom angestammten Platz zurück. Unstimmigkeiten mit dem Wirt haben dazu geführt.

Rolf Hilse ist der neue Schützenkönig der Adlerschützengesellschaft Ebersbach. Erstmals wurde das Adlerschießen am neuen Standort ausgetragen.
Rolf Hilse ist der neue Schützenkönig der Adlerschützengesellschaft Ebersbach. Erstmals wurde das Adlerschießen am neuen Standort ausgetragen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Rolf Hilse hat gut lachen. Er kann sich über seinen Sieg freuen - er ist der neue Schützenkönig der Adlerschützengesellschaft Ebersbach. Und er kann sich noch mit einem weiteren einzigartigen Titel schmücken: Hilse ist der erste Ebersbacher Schützenkönig, der sozusagen auf fremdem Hoheitsgebiet ermittelt wurde. Denn bis es dazu kam, dass die Ebersbacher Schützen jetzt überhaupt wieder ein Adlerschießen ausrichten konnten, hatte es Ärger gegeben.

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Was ist passiert? Das Adlerschießen ist traditionell der Höhepunkt im Vereinsleben der Schützen. Und das fand immer auf dem Hainberg statt - seit unglaublichen 122 Jahren. "Angehörige und Nachkommen der Adlerschützen berichteten, dass es immer ein Erlebnis war, wenn zu Pfingsten das Königsschießen auf dem Hainberg abgehalten wurde", erzählt Gerhard Fiedler von der Adlerschützengesellschaft. Durch den Krieg und die DDR-Zeit wurde das Königsschießen zwar unterbrochen. Nach der Neugründung des Vereins im Jahr 1995 wurde der alte Schießplatz auf dem Hainberg aber wieder genutzt. "Alle Mitglieder halfen, den Platz herzurichten", erzählt Gerhard Fiedler vom Engagement der Schützen. In einem Raum der Hainberg-Gaststätte konnten sie sogar ihre Ehrentafeln und andere wichtige Dinge ausstellen, erzählt Gerhard Fiedler. So lief alles prima bis zum Jahr 2016.

Trauriges Ende nach 122 Jahren

Dann wechselte der Betreiber des Restaurants und Hotels auf dem Hainberg. Tom Brosinski übernahm als Geschäftsführer, nachdem sich das langjährige Wirtsehepaar Marion und Klaus Hortschansky in den Ruhestand verabschiedet hatte. Brosinski brachte frischen Wind auf den Hainberg und machte sich inzwischen mit Veranstaltungen, vor allem mit Shows im Bereich Travestie-Kunst, einen Namen.

Doch zwischen den alteingesessenen Schützen und dem neuen Geschäftsführer stimmte die Chemie offenbar nicht so richtig. So schildern es jedenfalls die Schützen. Schon bei den ersten Gesprächen mit dem neuen Pächter habe es Unstimmigkeiten und unterschiedliche Ansichten gegeben, so Gerhard Fiedler. "Wir haben uns aber weiterhin um eine gute Zusammenarbeit bemüht."

Im vergangenen Herbst schließlich haben sich Hainbergbetreiber und Schützenverein endgültig nicht mehr einigen können. Das berichten die Schützen. Sie beschlossen, ihren Pachtvertrag zu kündigen und sich vom Hainberg zurückzuziehen. Die Adlerstange wurde demontiert. Als trauriges Ende einer langen Tradition bezeichnet Fiedler den unausweichlichen Rückzug.

Was genau dahinter steckt und welche Unstimmigkeiten es gab, dazu will sich der Betreiber des Hainberghotels auf Anfrage der SZ nicht äußern.

In Neugersdorf Asyl bekommen

Aufgeben müssen die Schützen ihr Hobby aber nicht - dank Unterstützung aus Neugersdorf. Dort gibt es ebenfalls einen Schützenverein mit langer Tradition: die Privilegierte Schützengesellschaft. Sie hat ein großes Gelände am Wasserturm in Neugersdorf mit Schießplatz und Vereinsgebäude.

"Wir haben gewissermaßen Asyl bekommen. Dafür sind wir sehr dankbar", so Fiedler. Auch künftig wird das Adlerschießen der Ebersbacher auf der Neugersdorfer Anlage stattfinden. "Wir haben auch einen Raum zur Verfügung gestellt bekommen für unsere Sachen." Fiedler sieht das auch als schönes Zeichen dafür, dass die Stadt mit ihren beiden Stadtteilen Ebersbach und Neugersdorf nach der Fusion gut zusammengewachsen ist.

Eine Zusammenlegung der beiden Schützenvereine werde es aber nicht geben. Beide haben eine Jahrhunderte lange Tradition, die Ebersbacher Adlerschützengesellschaft ist 1879 gegründet worden, die Privilegierte Schützengesellschaft Neugersdorf gibt es schon seit 1728. Und beide wollen ihre Traditionen auch weiterhin pflegen - jetzt eben am selben Standort.

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