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Droht ein Jahrgang von Nichtschwimmern?

Die Zweitklässler haben wegen Corona nicht schwimmen gelernt. Ebersbach-Neugersdorf, Löbau und Zittau und andere suchen nach Auswegen aus dem Dilemma.

Der Schwimmunterricht für die Grundschüler ist wichtig. Derzeit wird nach Lösungen gesucht.
Der Schwimmunterricht für die Grundschüler ist wichtig. Derzeit wird nach Lösungen gesucht. © Archivfoto: Lutz Weidler

Durch Corona und den damit einhergehenden staatlichen Maßnahmen geht vieles den Bach runter: So ist in diesem Schuljahr der Schwimmunterricht weitestgehend ausgefallen. Über 1.000 Grund- und Förderschüler sind allein im Gebiet Löbau/Zittau davon betroffen. Die Stadt Ebersbach-Neugersdorf hat nun als erste begonnen, nach einer Lösung zu suchen, wie die Zweitklässler ihrer beiden Grundschulen trotzdem Schwimmen lernen könnten.

Schon im Februar hatte die Stadt deswegen beim Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) angefragt. "Wir dachten, als Stadt sollte es uns doch gemeinsam mit dem Lasub gelingen, eine Lösung zu finden ", schildert Hauptamtsleiterin Rica Wittig. Die Antwort des Landesamtes kam zwar schnell, war aber enttäuschend. "Zum jetzigen Zeitpunkt kann hierzu noch keine Aussage getroffen werden", hieß es.

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Ebersbach-Neugersdorf bemüht sich trotzdem weiter, den Ausfall des Schulschwimmens für die 2. Klassen anderweitig zu regeln. Die Stadt hat zwei Grundschulen und zwei Freibäder. Gemeinsam mit den Schulen und den Schwimmmeistern will sie nun darüber sprechen, ob es möglich wäre, für die Zweitklässler in den Ferien auf freiwilliger Basis einen Kompakt-Kurs in den Freibädern anzubieten. Daran könnten auch die Nichtschwimmer der 3. Klassen teilnehmen, die ja im Vorjahr nur begrenzt Schwimmunterricht hatten.

"Wir können als Stadt ja nicht in den Lehrplan eingreifen. Aber in den Ferien wäre es auf freiwilliger Basis für die Schüler eine Alternative, über die man Nachdenken könnte", sagt Rica Wittig. Vorausgesetzt natürlich, die Bäder dürften unter den dann geltenden Corona-Maßnahmen öffnen. Die nötigen Schwimmlehrer und Schwimmmeister müssten natürlich organisiert werden.

"Wir haben mit den beiden Schulleitern schon mal im Vorfeld darüber gesprochen. Und die haben es begrüßt", schildert die Hauptamtsleiterin. Die Stadt hat für ihre Bäder einen guten Hygiene-Plan und würde sie gern am 22. Mai öffnen.

Zittau ist schon mit den Hallenbetreibern im Gespräch

Auch anderswo beschäftigen sich Schulen und Kommunen mit dem Thema. Zittaus zuständige Amtsleiterin Marei Sonntag hat sich ebenfalls ans Lasub gewandt. "Aufgrund der coronabedingten Ausfälle des Schwimmunterrichts an den Grundschulen haben wir derzeit geschätzt 427 Grundschulkinder, deren Schwimmunterricht nachgeholt werden muss. Dies hat derzeit oberste Priorität in unserer Planung und wird einen erhöhten Bedarf an Hallenkapazitäten mit sich bringen", sagt Stadtsprecher Kai Grebasch.

Derzeit geht Zittau davon aus, dass sie je nach Möglichkeit, den Schülern Kompaktangebote vorhalten könnten - beispielsweise in der letzten Schulwoche oder Sonderkurse in den Ferien. Ein reguläres Nachholen im kommenden Schuljahr wird sich praktisch schlichtweg nicht umsetzen lassen, schildert er.

Sobald das Kultusministerium und das Lasub eine Entscheidung treffen, wird sich die Stadt Zittau bemühen, für die Grundschüler eine Lösung zu finden. "Wir sind dazu bereits mit den Hallenbetreibern im Gespräch", so Kai Grebasch. Derzeit sind die Grundschulen aufgefordert, bis zum 30. April 2021 die Schwimmzeiten für das Schuljahr 2021/22 anzumelden. Hier geht Zittau erst einmal von einem normalen Betrieb für die 2. Klassen aus.

Kultus: Schwimmunterricht ist wichtig und rettet Leben

"Wir hatten bereits für den Ausfall im Schuljahr 2019/2020 Ersatz-Schwimmkurse geplant, die leider wegen der Pandemie und den Schließungen nicht realisiert werden konnten", berichtet auf Anfrage der SZ die Referentin des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus Susann Meerheim.

Seit dem 2. November 2020 sind die Hallenbäder in Sachsen zu und Schwimmunterricht nicht möglich. Aktuell werden verschiedene Varianten zur Lösung geprüft, schildert sie. Die konkrete Planung und Umsetzung eines neuen Konzeptes zum Nachholen des Schwimmunterrichtes der betroffenen Schüler setzt jedoch voraus, dass zumindest der Zeitpunkt der Öffnung der Hallenbäder bekannt ist.

Das Kultusministerium steht im engen Kontakt mit den schwimmsportbetreibenden Verbänden, Kommunen und weiteren Akteuren. "Wir ziehen hier an einem Strang, wenn es um das Nachholen der Kurse geht. Schwimmunterricht ist wichtig und rettet Leben", schildert die Referentin.

Sachsenweit fand für rund 10.000 Zweitklässler der Grund- und Förderschulen aufgrund der Corona-Pandemie im Schuljahr 2019/2020 kein oder nur teilweise Schwimmunterricht statt. Im Schuljahr 2020/2021 müssen die Zahlen der Nichtschwimmer noch ermittelt werden. Hier kommt es darauf an, wann es wieder möglich ist.

Ein schulübergreifendes Angebot im Jonsdorfer Bad

Den Lösungsvorschlag, den Ebersbach-Neugersdorf gerade prüft, finden auch andere Kommunen und Schulen gut. So etwa die Grundschule Mittelherwigsdorf. Der dortige Sportlehrer André Cerwinka hat sich bereits mit anderen Kollegen und Schwimmmeistern ausgetauscht, wie man sich gegenseitig helfen könnte. "Wir haben schon vier Schwimmmeister oder Rettungsschwimmer mit im Boot", sagt er. Einer davon ist vom Gebirgsbad Jonsdorf. Dort könnten sie, wenn die Bäder wieder geöffnet werden dürfen, einen jeweils einwöchigen Kurs in den Ferien für Nichtschwimmer anbieten. Der soll auch Schülern anderer Grund- und Förderschulen offen stehen. Das ist sogar schon mit Jonsdorfs Bürgermeisterin Kati Wenzel abgesprochen.

"Ich finde die Idee gut. Wenn alle geltenden Vorschriften eingehalten werden und es die Corona-Maßnahmen erlauben, warum nicht", sagt sie. "Wir sind eine familienfreundliche Kommune. Da gehört auch dazu, dass Kinder Schwimmen lernen können", sagt sie.

Die Gedanken, auf diese Art das Schulschwimmen zu ermöglichen, findet auch die Stadt Löbau gut, wenn es denn möglich wäre, berichtet Stadtsprecherin Eva Mentele.

Und die Geschäftsführerin der Schkola, Ute Wunderlich, hat entgegen anderer Schulen bereits Erfahrung mit Kompakt-Unterricht für das Schulschwimmen. Als Ganztagsschule praktizierte die Schkola das zusammen mit tschechischen Kindern für die 2. und 3. Klassen schon vor Corona-Zeiten.

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