merken
PLUS Löbau

Sparkasse streicht auch hier Sparer-Bonus

Die öffentlich-rechtliche Bank kündigt Prämiensparer-Verträge im Kreis Görlitz. Die Kunden haben das Nachsehen. Deshalb schalten sich nun Verbraucherschützer ein.

© André Schulze

Familie Berger (Name von der Redaktion geändert) aus der Gemeinde Kottmar fiel aus allen Wolken, als das Schreiben von der Sparkasse eintraf. Das Kreditinstitut kündigt ihren Sparvertrag, den das Ehepaar vor nunmehr 18 Jahren abgeschlossen hatte.

Was in anderen Regionen schon länger Thema war, trifft nun auch Sparer in der Oberlausitz. Auch die hiesige Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien kündigt jetzt Kunden ihre Prämien-Sparverträge (Sparvertrag „Prämiensparen flexibel“). Für Familie Berger und andere Betroffene bedeutet das: Geld, mit dem sie gerechnet hatten, bekommen sie nun nicht. Als Familie Berger den Vertrag 2003 abschloss, wurde damit geworben, dass es ab dem 15. Spar-Jahr dann 50 Prozent Bonus auf die jährlich eingezahlte Sparsumme gibt, erzählt Frau Berger. Nach 25 Jahren sollte Schluss sein mit der Bonuszahlung. Für das Ehepaar war damit klar, den Vertrag 25 Jahre laufen zu lassen. "Man hatte es uns ja schmackhaft gemacht und geworben für diese Sparform", so Frau Berger frustriert. Das Problem: Die Sparkasse hatte damals keine Vertragslaufzeit festgesetzt. Damit hat sie nun die Möglichkeit, den Vertrag aufzulösen und den Bonus nicht mehr zahlen zu müssen.

Anzeige
Im Gleichgewicht
Im Gleichgewicht

Balance ist wichtig – fürs Laufen und fürs Leben insgesamt. Grit Kuhnitzsch hat deshalb ein Balancehaus gegründet. Und gibt spannende Webinare.

Dabei gab's für die ersten Jahre laut Vertrag gar keinen Bonus, wie Frau Berger berichtet. "Und nun wird der höchste Bonus nicht weiter gezahlt." Verträge müssten doch in guten wie schlechten Zeiten eingehalten werden, findet die Familie aus Kottmar. "Das muss doch jemand, der einen Kredit aufnimmt, ebenso halten. Wir haben unseren Hauskredit auch bis zum Schluss bedient." Bei Sparverträgen, die später abgeschlossen wurden, gab es dann offenbar festgesetzte Maximal-Laufzeiten. Diese Verträge laufen weiter - so lange, wie vereinbart.

Sparkasse begründet mit Niedrigzinspolitik

Nun hat sich die Verbraucherzentrale Sachsen in die Sache eingeschaltet. Sie will prüfen, ob das rechtlich überhaupt in Ordnung ist. Die Sparkasse ist derweil überzeugt, dass sie sich juristisch auf sicherem Boden bewegt. "Wir beenden jetzt lediglich den Teil unserer Prämiensparverträge, bei denen eine Kündigung aufgrund höchstrichterlicher Rechtsprechung des BGH zulässig ist", teilt Bettina Richter-Kästner, Pressesprecherin der Sparkasse, auf Nachfrage der SZ mit. 90 Prozent der Prämiensparverträge seien davon nicht betroffen.

Die Sparkasse habe sich durch die nun schon seit Jahren anhaltende Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) gezwungen gesehen, so zu entscheiden. Heißt: Weil das Geld knapp ist, werden nun auch die Bonuszahlungen eingespart, wo es möglich ist. Auch permanente Kritik von Verbraucherschutzverbänden an diesen Verträgen habe es gegeben, so Frau Richter-Kästner.

Ebenfalls wegen der Negativzinspolitik sieht man bei der Sparkasse derzeit kaum Alternativen, die Gewinn versprechen - zumindest bei den traditionellen Geldanlagen. Die Politik der EZB würde gar zu "schleichender Enteignung" der Sparer führen, so die Sparkassensprecherin. Wer Geld anlegen will, solle lieber in Immobilien investieren oder sich an erfolgreichen Unternehmen beteiligen, rät die Sparkasse. Hierzu berate das Kreditinstitut auch.

Verbraucherschützer beraten zum Thema

Wie Bergers aus Kottmar haben sich bereits etliche verärgerte Betroffene an die Verbraucherzentrale gewandt, berichtet Steffi Meißner, Leiterin der Beratungsstelle in Görlitz. „Die Hoffnung, dass ihre Sparkasse nicht den schlechten Beispielen anderer sächsischer Sparkassen folgt, wurde nun zerstört“, sagt sie. „Für die Betroffenen aus dem Raum Löbau, Zittau und Görlitz bleibt die Frage nach dem Warum, aber auch, ob die Kündigung überhaupt rechtens ist.“

Außerdem kritisiert die Verbraucherzentrale, dass die Kündigungen ausgerechnet jetzt, in der Corona-Krise, kommen. Im Lockdown treffe das Sparkassenkunden noch bitterer. Betroffene müssten dadurch inmitten der Krise finanzielle Einbußen hinnehmen. Außerdem sei es aktuell schwerer, sich Rat und Hilfe einzuholen. Weil persönliche Beratung derzeit corona-bedingt auch bei der Verbraucherzentrale nicht möglich ist, bietet sie am 11. Februar eine Sondersprechstunde zum Thema Kündigung von Prämiensparverträgen an. Die Experten dazu sind an dem Tag von 10 bis 18 Uhr unter der Nummer 0341 6962929 zu erreichen.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Sie wollen die wichtigsten Nachrichten aus Löbau und/oder Zittau direkt aufs Smartphone gesendet bekommen? Dann melden Sie sich für Push-Nachrichten an.

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Wer uns auf Social Media folgen will:


Mehr zum Thema Löbau