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Gefährlicher Abenteuerspielplatz

Erst vor zwei Monaten hat es auf dem Areal der ehemaligen Lautex-Spinnerei in Ebersbach ein tragisches Unglück gegeben. Wie soll es mit der Brache weitergehen?

Die Spinnerei-Brache in Ebersbach.
Die Spinnerei-Brache in Ebersbach. © Matthias Weber

Die verlassenen Gebäude der ehemaligen Lautex-Spinnerei in Ebersbach versinken im Schnee. Der Zugang zum Tor ist kaum noch passierbar durch die Schneemassen, die im Oberland in den letzten Tagen gefallen sind. Niemand schippt hier die weißen Massen weg, denn das Fabrikgelände liegt lange schon brach.

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Anfang November passierte auf dem Gelände dennoch ein tragisches Unglück: Ein 23 Jahre junger Mann stürzte vom Dach der Spinnerei-Gebäude - beim Versuch die Katze seiner Freundin zu retten, die wohl dorthin entlaufen sein soll. So meldete es damals die Polizei aufgrund der Aussage der Jugendlichen. Der junge Mann verletzte sich schwer, wurde ins Krankenhaus gebracht.

So traurig der Unfall auch ist - nicht jeder glaubt die Begründung mit der weggelaufenen Katze. "Das ist doch Quatsch", sagt ein Ebersbacher. Dass es bei der Aktion um die Rettung einer Katze ging, zweifelt er an. "Wie soll man denn in dieser Höhe auf dem Dach eine Katze erkennen?" Vielmehr sei es so, dass die alte Brache regelmäßig von Jugendlichen als Abenteuerspielplatz genutzt werde. "Die machen da Mutproben und filmen sich teilweise auch dabei."

Polizei hat zum Absturz ermittelt

Laut dem, was die Polizei bisher ermittelt hat, ist der Vorfall aber genau so passiert, wie damals beschrieben: Der junge Mann wollte die Katze vom morschen Dach retten, stürzte aus 20 Metern Höhe ab. Das berichtet die Polizeidirektion Görlitz zum aktuellen Stand der Ermittlungen auf Nachfrage der SZ.

Im Internet, unter anderem auf der Plattform Youtube, grassieren tatsächlich etliche Videos von der ehemaligen Spinnerei. Sie zeigen Jugendliche, die dort herumstromern und dabei gefilmt haben. Da geht es in versteckte Winkel, über herumliegenden Unrat und Bauschutt. Die verlassenen Gemäuer ziehen Abenteuerlustige und Hobbyfilmer an.

Die Brache gehört der Stadt Ebersbach-Neugersdorf. Im Rathaus weiß man auch um das Problem, dass solche Brachen immer wieder gern als Abenteuerspielplatz genutzt werden. Dabei ist das Gelände abgesperrt. Die Absperrungen werden auch regelmäßig kontrolliert und repariert, wenn es irgendwo Löcher gibt, sagt Ebersbach-Neugersdorfs Bürgermeisterin Verena Hergenröder. Kontrollgänge und Reparaturen übernimmt der Bauhof der Stadt. "Aber die Fläche ist riesengroß", so die Bürgermeisterin. Sie kann deshalb nicht ausschließen, dass sich irgendwo Schlupflöcher finden. Es gebe aber auch eine Beschilderung, die den Zutritt untersagt. "Auf deutsch und tschechisch", so Frau Hergenröder. "Mehr können wir nicht tun. Wer trotzdem reingeht, tut das auf eigene Verantwortung." Man könne da nur an die Vernunft der Leute appellieren.

Ein Problem seien diese riesigen Brachen aber durchaus auch in dieser Hinsicht, weiß die Bürgermeisterin. Die Spinnerei sei da kein Einzelfall. Auch im ehemaligen Möbelhaus an der Wiesenstraße in Ebersbach oder in der Thermoplast-Brache in Neugersdorf würden sich immer wieder Leute herumtreiben - obwohl es verboten ist.

Was soll aus der Brache werden?

Mittlerweile ist die Lautex-Spinnerei eines der letzten verbliebene Fabrikgebäude in Ebersbach. Was aus ihm wird, ist ungewiss. Dabei gab es durchaus schon Ideen für die Nutzung des Geländes. So hatte die Stadt sogar schon einmal erwogen, sich für die Landesgartenschau 2022 zu bewerben und dafür die Fabrik mit Fördermitteln abzureißen und das Areal herzurichten. Die Idee wurde aber nicht weiter verfolgt. Ein Planungsbüro hatte zudem im Auftrag der Stadt schon einmal die Kosten ermittelt, die für Abriss und Revitalisierung veranschlagt werden müssten. Um die 3,5 Millionen Euro belief sich damals die Schätzung. Im Stadtrat gab es aber damals auch Abrissgegner, Teile der Gebäude könnten stattdessen noch genutzt werden, hieß es. Loftwohnungen und andere Vorschläge standen da im Raum. Zu einer Entscheidung kam es nicht. Das ist allerdings der Stand im alten Stadtrat. Das Gremium in der neuen Zusammensetzung, das 2019 gewählt wurde, hat sich mit der Spinnerei-Brache noch gar nicht befasst.

Zumindest soll demnächst die ehemalige Deponie auf dem Gelände von Altlasten befreit und rekultiviert werden. Das Gelände wurde als Lagerstätte von sogenannten Schlichteabfällen, die in der Textilindustrie anfielen, genutzt. Das soll nun beseitigt werden. Dazu haben schon Arbeiten begonnen. Eine Fachfirma für die Sanierung von Altlastenstandorten aus Berlin ist damit beauftragt.

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