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Wenn ein Flüsschen zur Gefahr wird

In Ebersbach muss ein Abschnitt der Spree dringend saniert werden, die Ufermauern sind marode. Die Kita könnte dadurch ein Stück von ihrem schönen Garten verlieren.

© SZ Grafik

"Gefahr im Verzug" - diese Einschätzung verheißt nichts Gutes. Erst recht, wenn es um den Hochwasserschutz geht. Genau diesen Stempel verpasst aber die Landestalsperrenverwaltung (LTV) einem Abschnitt der Spree in Ebersbach. Es geht um den Bereich zwischen der Herrmann-Wünsche-Straße und der Reichsstraße. Dort verläuft die Spree als kleiner Bach zwischen dem Kindergarten und einem Wohnblock. 145 Meter lang ist der gefährliche Abschnitt, an dem dringend etwas getan werden muss. 68 Meter davon sind überbaut, hier verläuft das Wasser durch eine Art Tunnel. Oberirdisch sieht man nur einen Betondeckel. Und diese Betonröhre ist völlig kaputt.

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André Wunderlich, Betriebsleiter bei der LTV, fasst die Misere zusammen: "Es gibt Frostschäden, die Fugen sind undicht, der Betondeckel ist marode, hat teilweise große Löcher." Außerdem seien die Stahlträger völlig verrostet. "Der Zustand ist schlimmer, als man von außen vermutet", so Wunderlich. "Von den Trägern ist mittlerweile nicht mehr viel übrig. Die Standsicherheit ist nicht mehr gegeben, das hat ein Gutachter bestätigt." Aus Sicherheitsgründen ist der Bereich deshalb schon vom Kindergartengelände abgetrennt worden.

Bessere Bedingungen für Fische

Wie soll das Problem nun behoben werden? Wie André Wunderlich erklärt, ist für die Ufermauern eigentlich laut Gesetz der jeweilige Grundstückseigentümer der Anrainergrundstücke verantwortlich. Das sind in diesem Fall die Stadt und die städtische Wohnungsgesellschaft EWU. "Wir wollen aber die Stadt mit dem Problem nicht allein lassen", so Wunderlich. Die LTV will selbst Fördermittel für die Sanierung beantragen und sich um die Planung kümmern, sodass die Stadt nur einen Anteil dazu bezahlen müsste.

Ingenieur Hagen Arndt, der für die LTV die Planung solcher Vorhaben übernimmt, hat sich mit dem Ebersbacher Spree-Problem bereits befasst. Er formuliert zwei Ziele, die mit der Sanierung unbedingt erreicht werden müssten: die Standsicherheit der Ufermauern und Hochwasserschutz. Der darf auf keinen Fall nach der Sanierung schlechter abschneiden, als vorher. Für die Sanierung der Spree an dieser Stelle sieht der Ingenieur mehrere Möglichkeiten. Die beste Lösung wäre, Tunnel und Ufermauern komplett zu entfernen und einen offenen Graben zu gestalten, mit einer schrägen Böschung auf beiden Seiten. Der Flussgraben soll dabei von jetzt fünf auf drei Meter verschmälert werden. "Bei Niedrigwasser im Sommer wäre dann der Wasserstand höher als jetzt", erklärt Hagen Arndt. Damit sei besser gewährleistet, dass Fische ungehindert schwimmen können. Denn auch die Belange des Naturschutzes müssen beachtet werden. Dem Hochwasserschutz sei dennoch Genüge getan.

Kita-Garten müsste verkleinert werden

Das würde aber bedeuten, dass bei dieser Variante das Kindergartengrundstück verkleinert würde. Ein Teil des Gartens würde der schrägen Böschung zum Opfer fallen, Spielgeräte müssten wahrscheinlich umgesetzt werden. Andererseits wäre das mit Kosten von rund 430.000 Euro auch die günstigste Variante, so eine erste Schätzung des Planers.

Ob nun so gebaut wird, ist noch nicht entschieden. Die andere Variante wäre eine Böschung nur auf einer Seite, auf der anderen Seite müsste dann eine gerade Ufermauer errichtet werden. "Wir stehen aber noch ganz am Anfang der Planung", erklärt Bauplaner Hagen Arndt. Er habe jetzt erst einmal den Zustand analysiert und aufgezeigt, welche Möglichkeiten es gibt.

Fest steht jedoch, dass bald etwas getan werden muss. Denn bereits vor drei Jahren hatte die LZV angezeigt, dass hier Gefahr im Verzug ist. Noch vor der Sommerpause des Stadtrates will der LTV-Planer eine konkrete Planung vorlegen. Danach kann die Stadt mit entscheiden, ob und wie gebaut werden soll.

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