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Telekom stellt Seniorin das Telefon ab

Die Rentnerin beantragt einen günstigeren Breitband-Tarif - und das führt zu ungeahnten Komplikationen.

Wenn das Breitband sich plötzlich ganz dünne macht.
Wenn das Breitband sich plötzlich ganz dünne macht. © Matthias Weber

Wenn man alt geworden ist, dann ist dieser eine Draht vielleicht noch oft die einzige Verbindung zur Außenwelt: das Telefon. Genau so geht es gerade einer Frau aus Nostitz. Das Telefon ist ihre Verbindung zu ihrem Sohn, zu ihrer Familie. Doch diese Verbindung hat die Telekom jetzt gekappt - und das nicht etwa deswegen, weil die Frau ihre Rechnung schuldig geblieben wäre.

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Der abgelegene Weiler Grube bei Nostitz ist nicht gerade der Ort, den man vor Augen hat, wenn man an die digitale Zukunft denkt. Vielleicht ein Dutzend Einfamilienhäuser reiht sich dort an der einzigen schmalen Straße entlang. Und bis vor einigen Monaten war Grube auch tatsächlich einer dieser sogenannten "weißen Flecken" auf der Landkarte in Sachen Breitband-Versorgung. Doch im November 2020 hielt dann die Zukunft dort Einzug. Die Telekom schloss die wenigen Häuser an das Glasfasernetz für ein schnelles Internet an. Für eine Rentnerin dort führte das dazu, dass ihr Haus am Ende kein "weißer Fleck" mehr ist - sondern gewissermaßen ein "schwarzes Loch".

Die 79-Jährige buchte bei der Telekom damals den Tarif "Magenta Zuhause L". Der verspricht das Surfen im Internet mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 Megabit pro Sekunde. Dabei bräuchte die Dame das gar nicht. "Ich nutze kein Internet, ich habe nicht einmal einen Computer", sagt sie. Praktisch fand sie es dennoch, weil sie ab und an ihr Sohn besucht und der nutzt dann auch gelegentlich das Internet bei der Mutter. Und teurer als ihr alter Telefonanschluss war das Breitband auch nicht - dachte die Frau zunächst.

Telefonleitung abgestellt

Denn der günstige Preis von 19,95 Euro monatlich galt bloß für die ersten sechs Monate - danach erhöhte er sich auf etwa 45 Euro monatlich. Deshalb riet ihr Sohn anlässlich eines Besuches, ob sie nicht auf einen günstigeren Tarif umstellen wolle. "Wir sind dann deshalb am 8. August in den Telekom-Shop am Löbauer Altmarkt gegangen und haben dort die Umstellung auf einen anderen Tarif beantragt", erzählt sie. Das sei ihr auch zugesagt worden. Und tatsächlich wurde ihr Vertrag auf den Tarif "Magenta Zuhause S" umgestellt. Dieser Tarif liefert nur eine Datengeschwindigkeit bis zu 16 Megabit - aber das war der Frau egal. Doch sie ahnte nicht, was deshalb auf sie zukommen würde.

"Ein paar Tage später kam dann ein Monteur der Telekom", erzählt sie. Und der habe eben den Anschluss vom Breitbandrouter nehmen wollen und ihr Telefon wieder mit dem alten noch vorhandenen Kupferkabel verbinden wollen. Das sei die Bedingung des günstigeren Tarifs, habe er ihr erklärt. "Das habe ich nicht zugelassen, ich will ja modern telefonieren", sagt sie. Der Monteur zog wieder ab. Und als sie sich dann wenige Tage später bei der Telekom-Zentrale in Leipzig beschwert habe, sei ihr am 18. August ihr Anschluss von der Telekom einfach abgeschaltet worden. "Komplett tot. Ich musste mir sogar das Handy einer Nachbarin leihen, damit ich überhaupt irgendwohin telefonieren konnte", erzählt sie.

Rechnung kommt trotzdem

Am 23. August sei dann erneut ein Monteur der Telekom erschienen. "Der wollte genau das Gleiche tun wie der erste, hat mir aber zusätzlich noch erklärt, das würde 100 Euro kosten", erzählt sie. Auch diesen Monteur schickte die Seniorin wieder unverrichteter Dinge weg. Um nicht mehr von ihrer Nachbarin abhängig zu sein, hat sie mittlerweile ein altes Handy reaktiviert, um wenigstens erreichbar zu sein oder auch um ihre Familie anrufen zu können.

Nach einigen Tagen habe ihr die Telekom dann schriftlich mitgeteilt, dass sie zum 20. September wieder mit einem Telefonanschluss rechnen könne. "Aber eine Rechnung über 45 Euro für den August, wo der Anschluss gesperrt war, haben die mir trotzdem geschickt", sagt sie verärgert.

Teurer als früher wird's in jedem Fall

SZ hat bei der Telekom nachgefragt, warum so verfahren wurde und wie das Unternehmen in dem Fall weiter zu handeln gedenkt. "Dem Wunsch nach einem preiswerteren Anschluss wurde mit dem Wechsel in den Tarif Magenta Zuhause S mit DSL 2000 RAM entsprochen", teilt die Telekom auf diese Anfrage mit. Und: "Damit verbunden war auch der Wechsel von einem Glasfaseranschluss zurück in eine kupfergebundene Anschlussvariante." Das sei auch der Grund für die zurzeit bestehende "Betriebsunterbrechung". Fraglich bleibt, wie lange genau diese klassische Kupferkabel-Verbindung dort in Nostitz überhaupt noch bestehen bleiben wird.

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"In telefonischer Abstimmung mit dem Sohn der Kundin werde ich schnellstmöglich wieder den Wechsel in ein Produkt mit Glasfaseranbindung realisieren", schreibt die Telekom weiter. Selbstverständlich würden sämtliche zu Unrecht erhobenen Forderungen erstattet. Wann dieser "Wechsel" realisiert wird, dazu äußert sich die Telekom nicht. Jedenfalls: Die Telekom hat nach eigenen Angaben für die Zeit bis dahin eine kostenlose Anrufweiterschaltung auf den Mobilfunkanschluss der Seniorin angeboten. Das aber habe ihr Sohn im Gespräch mit dem Unternehmen als nicht notwendig erachtet. Und fraglich bleibt auch, ob sich der Wunsch der Dame nach einem wirklich günstigeren Tarif erfüllen wird. Denn sämtliche von der Telekom angebotenen "Magenta Zuhause"-Tarife kosten nur in den ersten sechs Monaten 19,95 Euro und danach eben mindestens 34,95 Euro - egal ob langsames Internet mit 16 Megabit oder einigermaßen schnelles mit bis zu 250 Megabit.

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