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Unfall-Fahrerin trifft fürsorglichen Ankläger

Nach einem kleinen Parkrempler in Löbau macht sich eine Frau davon. Trotz erdrückender Beweise will sie davon nichts wissen.

Das Amtsgericht Zittau verhandelte in einem Fall der Fahrerflucht.
Das Amtsgericht Zittau verhandelte in einem Fall der Fahrerflucht. © Matthias Weber (Archiv)

Es ist ja schnell mal passiert - beim Einparken nicht richtig aufgepasst und schon hat ein anderer eine Delle an der Stoßstange. Juristisch problematisch wird so ein kleines Missgeschick in der Regel erst, wenn man dann als Unfallfahrer einfach davon fährt - und erwischt wird. Wegen des unerlaubten Entfernens vom Unfallort nach so einem Parkrempler stand nun eine 70-Jährige aus Lawalde vor dem Zittauer Amtsgericht. Und die Dame und ihr Anwalt taten sich sichtlich schwer, die Goldene Brücke zu beschreiten, die Richter und Staatsanwalt ihr bauen wollten.

Zugetragen hatte sich der Fall am Morgen des 6. Mai 2020 in der Löbauer Damaschkestraße. Beim Einparken am Straßenrand hatte sie laut Anklage die Stoßstange eines hinter ihr stehenden VW touchiert und dabei einen Schaden von 1.280 Euro hinterlassen. Die Staatsanwaltschaft hatte daraufhin einen Strafbefehl über ein mehrmonatiges Fahrverbot erwirkt. Doch dagegen legte die Frau Einspruch ein, deshalb kam's zum Prozess. Der Richter belehrte sie: Mit einem Urteil könne es für sie auch schlechter ausgehen als im Strafbefehl bestimmt. Sie habe also auch noch die Möglichkeit, ihren Einspruch zurückzuziehen - allerdings nur, wenn der Staatsanwalt dem auch zustimme.

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Zeugenaussage überführt die Angeklagte

Doch die Frau war sich keiner Schuld bewusst. "Ich habe den Unfall nicht mitbekommen", erklärte sie. Ja, sie sei an jenem Morgen mit ihrem Auto dort gewesen. Aber das da was passiert sein soll? "Das habe ich erst gehört, als eine Stunde später die Polizei zu mir nach Hause kam", erzählte sie. Und die Beamten fertigten auch Fotos an, auf denen an ihrer Stoßstange fremde Lackanhaftungen zu sehen waren.

Diese Lackspuren könnten natürlich sonst wo herkommen. Allein: Eine Anwohnerin der Damaschkestraße hatte alles beobachtet. Die Zeugin erzählte, dass sie durch ein "Krachen" aufmerksam geworden sei. Anschließend habe sie die Angeklagte dabei beobachtet, wie sie erst an dem fremden und dann am eigenen Fahrzeug nach Schäden geschaut habe und anschließend davon gefahren sei. Die Zeugin rief damals die Polizei und: Sie hatte auch unmittelbar nach dem Unfall Fotos von dem beschädigten Auto gemacht, die sie dem Gericht zeigte. Die Angeklagte war überführt.

Die Goldene Brücke

"Letzte Chance zur Rücknahme des Einspruchs", sagte der Staatsanwalt. Und auch der Richter wies die Frau darauf hin, dass der entstandene Schaden ganz knapp an der Grenze zum Führerscheinentzug sei - da komme sie mit dem Strafbefehl eigentlich gut weg. Und: "Den Schaden an der Stoßstange konnte man nicht übersehen", sagte er. Übersehe ihn ein Autofahrer dennoch, könnte sich auch die Frage stellen, ob man die Fahreignung nicht gerichtlich überprüfen müsse. Das aber käme womöglich einem lebenslangen Führerscheinentzug gleich. "Sie sind aber so rüstig, dass ich keine Zweifel an ihrer Fahreignung habe", sagte der Richter.

Der Verteidiger unternahm noch einige Versuche, die Aussage der Zeugin zu entkräften. Das Gericht zeigte sich unbeeindruckt und es lief alles auf eine Verurteilung heraus. Nach einer kurzen Unterbrechung zur Beratung mit seiner Mandantin erklärte der Verteidiger die Rücknahme des Einspruchs. Nicht etwa, weil er die Frau überführt sah, sondern "ausschließlich aus verfahrensökonomischen Gründen". Eine für die Unfallfahrerin gesichtswahrende Erklärung. Die erklärte zum Abschied noch trotzig: "Ich bleibe bei meiner Meinung."

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