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Wildwuchs, Unrat und Sicherheitsmängel

An Ordnung und Sauberkeit in Löbau gibt es Kritik. Warum die Stadt nicht hinterherkommt und wie auch Bürger helfen können.

Von Romy Altmann-Kuehr
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Es bröckelt: Das Stadion gehört zu den nicht mehr so ansehnlichen Ecken Löbaus.
Es bröckelt: Das Stadion gehört zu den nicht mehr so ansehnlichen Ecken Löbaus. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Karin und Heiko Wendler spazieren gerne durch Löbau und finden viele sehenswerte Plätze in ihrer Heimatstadt. Allerdings stoßen sie auch immer wieder auf nicht so schöne Ecken und fragen sich: "Wie kommt das?" Löbau werbe selbst auf seiner Internetseite unter anderem: "Handwerk, Architektur und Kultur haben in Löbau daher Tradition und sind heute mit dem modernen Leben der Stadt eng verflochten..." Die dort zitierte Verbundenheit zur Kultur scheint leider etwas verloren gegangen zu sein, kritisieren die Wendlers. "Kultur ist nicht nur der Messepark, das Kulturzentrum Johanniskirche oder die Scharoun-Villa, welche durchaus Perlen von Löbau sind", schreibt das Ehepaar an SZ. Kultur sei vielmehr auch das gesamte Erscheinungsbild einer Stadt und seiner Denkwürdigkeiten.

Das sind die Kritikpunkte:

Gedenksteine sind zugewachsen

Die Gedenksteine und ihre Umgebung sind in keinem guten Zustand. Das Denkmal für Karl Liebknecht beispielsweise ist zugewachsen und kaum noch zu sehen. Auch um den Gedenkstein für die Gefallenen in beiden Weltkriegen sieht es wüst aus, hier wächst jede Menge Unkraut. Auch am Goethestein sehe es eher "naturbelassen" aus, finden die beiden Löbauer.

Wildwuchs ist vielerorts an den Aussichtspunkten, Wander- und Spazierwegen ein Problem. Vom Löbauer Berg aus hat man an einigen Stellen schöne Ausblicke auf die Stadt - normalerweise. Derzeit ist vieles zugewachsen und die tolle Aussicht mit Sträuchern versperrt.

Und auf dem Weg zum Berg kommt man meist unweigerlich am Löbauer Stadion vorbei. Dessen Zustand ist ebenfalls ein Trauerspiel und schon lange in der Kritik.

Wendlers geht es bei ihrer Kritik aber nicht allein ums Erscheinungsbild. Auch an der Sicherheit mangelt es offenbar: Große Schäden stellten sie jetzt bei einem Spaziergang vom Berg hinab über den Wanderweg am Steinbruch vorbei fest. "Hier sind die Absperrungen teilweise defekt oder einfach unzureichend." Rings um das Gelände seien viele Leute unterwegs gewesen, auch Kindergruppen. Nicht auszudenken, was da am Steinbruch passieren kann! Der Holzzaun sei zum Beispiel defekt und nicht sehr professionell repariert worden.

Ausblick auf Löbau von der oberen Skiwiese.
Im Moment ist nicht viel zu erkennen aufgrund von Wildwuchs.
Ausblick auf Löbau von der oberen Skiwiese. Im Moment ist nicht viel zu erkennen aufgrund von Wildwuchs. © Karin und Heiko Wendler
Hinter diesem Gebüsch verbirgt sich das Denkmal für Karl Liebknecht.
Hinter diesem Gebüsch verbirgt sich das Denkmal für Karl Liebknecht. © Karin und Heiko Wendler
Dieser Gedenkstein erinnert an die Opfer beider Weltkriege.
Dieser Gedenkstein erinnert an die Opfer beider Weltkriege. © Karin und Heiko Wendler
Goethestein – ziemlich urig und sehr
naturbelassen, ganz anders als seine Gedichte.
Foto: Karin und Heiko Wendler
Goethestein – ziemlich urig und sehr naturbelassen, ganz anders als seine Gedichte. Foto: Karin und Heiko Wendler © Karin und Heiko Wendler
Eine zugewachsene Bank, auf der sich nur noch schwer Platz nehmen lässt.
Eine zugewachsene Bank, auf der sich nur noch schwer Platz nehmen lässt. © Karin und Heiko Wendler

Immer wieder Probleme mit Vandalismus

Die Probleme sind bei der Stadt bekannt, teilt Sprecherin Eva Mentele auf Nachfrage mit. Allerdings: Gerade Vandalismus werfe die Mitarbeiter der Abteilung Forst, die dafür zuständig sind, immer wieder beim Abarbeiten der Reparaturen zurück. "Gerade auch am Steinbruch traten mehrfach sinnlose Zerstörungen auf", so Mentele. Die Absicherung muss instand gesetzt werden - das steht bereits auf der To-do-Liste der Kollegen und wird so bald wie möglich erledigt, versichert die Rathaus-Sprecherin.

Bei den Gedenksteinen gibt es unterschiedliche Zuständigkeiten, erklärt Eva Mentele von der Stadt. Um die Pflege des Weltkriegsdenkmals beispielsweise kümmert sich der CDU-Ortsverband, sagt sie. Deshalb appelliert sie an Einwohner, wenn es Kritik und Probleme gibt, konkrete Hinweise zu geben, damit man darüber sprechen und es beheben könne. Dass es beim Goethestein ein Problem gibt, ist in der Stadtverwaltung neu. Dem will man jetzt konkret nachgehen und das vor Ort kontrollieren.

Die Innenstadt hat Vorrang

Aber warum immer nur mit dem Finger auf die Stadt zeigen? Könnten nicht auch Freiwillige helfen, Löbau attraktiv zu halten? Auch Karin und Heiko Wendler sagen trotz aller Kritik: nicht nur die Stadt, sondern auch jeder Bürger sei mit in der Pflicht, auf Ordnung und Sauberkeit zu achten. "Natürlich können Einwohner in Absprache mit der Stadt mithelfen", sagt Pressesprecherin Eva Mentele. Arbeitseinsätze seien zum Beispiel denkbar. "Wir sind natürlich froh, wenn die Einwohner da auch unterstützen und bestimmte Dinge übernehmen." Zum Teil geschehe das auch schon. Im Ortsteil Ebersdorf zum Beispiel kümmere sich jemand ehrenamtlich mit um das Soldatengrab.

Gerade jetzt im Herbst kommen die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei mit den Arbeiten kaum hinterher. Es gibt jede Menge Laub zu beseitigen. Und die Wildwuchspflege könne auch jetzt erst so richtig starten, so Eva Mentele.

Großflächiger Verschnitt von Hecken und Sträuchern fällt wie das Fällen der Bäume unter das Naturschutzgesetz und darf nur im Zeitraum zwischen Oktober und Februar erledigt werden. "Da gibt es in dieser Zeit natürlich eine Menge zu tun." Vorrang hat die Innenstadt oder besonders gut besuchte Plätze wieder der Messepark. Deshalb könne es schon vorkommen, dass Gebiete außerhalb erstmal außen vorbleiben bei der Pflege.