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Neugersdorf: Riesen-Vogelhaus schon wieder weg

Ein Neugersdorfer hat es gebaut und gespendet. Nun ist es weg - schon zum zweiten Mal. Sinnloser Vandalismus oder gezielter Diebstahl? Wird es ein drittes Häuschen geben?

Arno Dießner mit dem schönen Vogelhaus im Neugersdorfer Stadtwald, das er selbst gebaut hatte. Jetzt ist es weg - zum wiederholten Mal.
Arno Dießner mit dem schönen Vogelhaus im Neugersdorfer Stadtwald, das er selbst gebaut hatte. Jetzt ist es weg - zum wiederholten Mal. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Es ist schon wieder weg! Aufgeregt meldet sich ein Spaziergänger, der öfter den Neugersdorfer Stadtwald besucht, in der SZ-Redaktion. Bei seinem Rundgang an diesem Dienstag traut er seinen Augen kaum: Das schöne, riesengroße Vogelhaus unweit des Hauptweges ist weg, offenbar geklaut. Und das schon zum wiederholten Mal.

Kaum anderthalb Jahre ist es her, dass der Neugersdorfer Arno Dießner das Haus in stundenlanger ehrenamtlicher Arbeit gebaut und im Wald aufgestellt hat - nachdem das Vorgängermodell ebenfalls schon gestohlen worden war.

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Vogelhaus wiegt 250 Kilogramm

Dabei hatte er das neue Exemplar, das jetzt wieder weg ist, besonders gegen Diebstahl gesichert. Es hatte eine dicke Eisenstange im Untergestell, damit es nicht abgesägt werden kann. Nun wurde es trotzdem vom Pfahl gezerrt. Der Pflock, auf dem es befestigt war, steht noch am Wanderweg. Zudem ist das Vogelhaus sehr groß und hat ein ordentliches Gewicht. Es ist circa einen Meter lang und 60 Zentimeter breit, hat Umgebindebögen, ein massives Dach und wiegt an die 250 Kilogramm. Um es wegzutransportieren, braucht man deshalb auf jeden Fall ein größeres Fahrzeug. Arno Dießner und seine Helfer hatten es außerdem auf ein ganz stabiles Fundament gestellt, damit es nicht, wie das vorhergehende aus dem Boden gerissen werden kann.

Der Pfahl, auf dem das Vogelhaus befestigt war, blieb im Boden zurück.
Der Pfahl, auf dem das Vogelhaus befestigt war, blieb im Boden zurück. © R. Altmann-Kühr
Das Vogelhaus wurde offenbar abgebrochen.
Das Vogelhaus wurde offenbar abgebrochen. © R. Altmann-Kühr
Direkt neben dem Standort vom Vogelhaus erklärt eine Schautafel die Vögel des Waldes.
Direkt neben dem Standort vom Vogelhaus erklärt eine Schautafel die Vögel des Waldes. © R. Altmann-Kühr

Eisenstange durchgesägt und alles zertrampelt

Der erneute Diebstahl muss in den letzten fünf, sechs Tagen passiert sein, erzählt der Spaziergänger, der das Verschwinden jetzt entdeckt hat. Davor war es noch da.

Erbauer Arno Dießner hat selbst übers Internet vom Diebstahl erfahren. Bei Facebook hatten Neugersdorfer berichtet, dass das Haus weg sei und Bilder von dem übrig gebliebenen Sockel mit der abgebrochenen Befestigungsplatte eingestellt. Dießner hat sich die Misere gleich angeschaut. Da waren sogar noch frische Spuren am "Tatort" zu sehen. "Es war alles zertrampelt", erzählt der Neugersdorfer. Er ist fassungslos. "Diesmal haben sie sogar die Eisenstange durchgesägt, die ich eingearbeitet hatte." Das ist gezielter Diebstahl und kein Dummer-Jungen-Streich, da ist er sich sicher. "Das kann auch keiner alleine gemacht haben. Wenn man den Sockel durchsägt, kracht es ja runter. Da braucht man mehrere Leute, die es halten und tragen können."

Spendenaktion für neues Haus

Der Rentner kann darüber nur den Kopf schütteln. Der Frust ist ihm deutlich anzumerken. Früher arbeitete er als Zimmermann, baut immer noch gern mit Holz. Und weil er auch ein Naturfreund ist, überlegte er sich, so ein hübsches Häuschen für die Vögel im Stadtwald zu bauen. Daran erfreuen sich auch Spaziergänger und Wanderer. Kindergruppen kommen her, um die Vögel zu beobachten. Welche es zu sehen gibt, erklärt eine Schautafel direkt neben dem Vogelhausstandort. Dass das schöne Ensemble nun wieder zerstört wurde, stimmt Arno Dießner äußerst traurig.

Und nicht nur ihn. Auch der ehrenamtliche Wegewart Johannes Herzog - zuständig für den Neugersdorfer Stadtwald - ist mächtig wütend. Er hat den Vorfall der Stadt gemeldet und will ihn auch bei der Polizei anzeigen. "Das wird zwar nicht viel bringen. Aber man muss es wenigstens versuchen."

Außerdem möchte der Wegewart eine Spendenaktion starten. "Viele Leute haben schon angeboten, Geld zu spenden für unsere ehrenamtliche Arbeit hier im Wald", sagt Herzog. Wenn Geld für das Material auf diese Weise zusammenkommt, würde Arno Dießner ein neues Vogelhaus bauen. Aber selbst kann und will er die Kosten dafür nicht mehr stemmen. Bisher hatte er die Materialkosten aus eigener Tasche gesponsert. Das sind immerhin rund 350 Euro für so ein massives Haus in dieser Größe.

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