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Sachsen entkommen der Lavahölle von La Palma

Marion und Klaus Dutschke wollen auf La Palma überwintern. Doch der Ausbruch des Cumbre Vieja zwingt sie zu einer überstürzten Abreise.

Klaus Dutschke war schon häufig auf La Palma.
Klaus Dutschke war schon häufig auf La Palma. ©  privat

Seit Tagen gibt der Vulkan Cumbre Vieja auf der Kanareninsel La Palma vor der westafrikanischen Küste keine Ruhe. Er speit Asche und entlässt Lavaströme, die auf der Insel für Verheerung sorgen. Mittendrin das Schönbacher Rentner-Ehepaar Marion und Klaus Dutschke. Sie sind der Lavahölle entkommen. Der SZ erzählten sie von ihrer Flucht.

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Es sollte der erste Aufenthalt im selbstgewählten Winter-Exil von Marion und Klaus Dutschke werden. Zig mal haben die beiden schon Urlaube auf La Palma verbracht. Hier, wo das Zusammentreffen von Golfstrom und Nordostpassat für einen scheinbar ewigen Frühling sorgt. "Wir hatten die Winter daheim satt", sagt Klaus Dutschke. Und nachdem er seinen Taxibetrieb aufgegeben hat, wollte er mit seiner Frau erstmals dort überwintern. Bis zum April hatten sie sich eine Finca bei Villa de Mazo gemietet, einem Dorf am Osthang des Vulkans Cumbre Vieja. Ende August hatte sich das Paar mit dem Auto auf den 3.000 Kilometer langen Weg gemacht und war am 2. September dort eingetroffen.

Lavawand verschluckt Häuser

Der Vulkanausbruch änderte das Inselleben von einem Moment auf den anderen. Lavaströme gingen über den Westhang des Vulkans nieder und zerstörten ganze Siedlungen. "Wir haben da Flüchtlingsströme gesehen. Die Menschen haben notdürftig Hausrat und Ziegen auf ihre Autos gepackt", erzählt er und "Da war eine bis zu 15 Meter hohe Lava-Wand, die hat Häuser einfach verschluckt." Unaufhaltsam wälze sich diese Lava-Masse auf den Atlantik zu. "Wenn die sich ins Meer ergießt, dann steigen giftige Gase auf", sagt Dutschke.

Doch längst nicht bloß der Westteil der Insel sei betroffen. "Wir sind abgehauen, weil man die Luft nicht mehr atmen konnte. Auf unsere Finca regnete Asche nieder", erzählt er. Und davon seien viele Gebiete der Insel betroffen - je nach Windrichtung. Er ist daher auch empört wie zu Beginn der Katastrophe in deutschen Medien noch berichtet worden sei, dass man im Norden, Süden und Osten der Insel noch bedenkenlos Urlaub machen könne. "Wie kann man denn auf diese Weise noch Touristen dazu animieren, hierher zu reisen? Die Lage ist prekär. Die Palmeros bleiben alle zu Hause, da wird niemand am Strand rumhopsen", sagt Dutschke. Ihm und seiner Frau hätten befreundete Palmeros geraten, so schnell wie möglich abzureisen. "Da hat's geknallt, zwei- oder dreimal und es gab eine richtige Druckwelle. Dann hat der Wind gedreht und man stand voll im Ascheregen", schildert er das Geschehen noch Tage nach dem ersten Ausbruch.

So sahen es die Dutschkes von ihrer Finca aus.
So sahen es die Dutschkes von ihrer Finca aus. © privat
Noch vom Schiff aus sah man die Aschewolke aus weiter Ferne.
Noch vom Schiff aus sah man die Aschewolke aus weiter Ferne. © undefined
Auch das Schiffsdeck war mit Vulkanasche übersät.
Auch das Schiffsdeck war mit Vulkanasche übersät. © undefined
Jeden Morgen mussten die Dutschkes kiloweise Asche fegen.
Jeden Morgen mussten die Dutschkes kiloweise Asche fegen. © undefined

Chaos am Hafen

Marion und Klaus Dutschke machten sich am Freitag, 24. September, auf zum Hafen der Insel, um dort die Fähre nach Cadiz auf dem spanischen Festland zu nehmen. Und das war gar nicht so einfach. "Weil der Flughafen zu der Zeit gesperrt war, herrschte Chaos am Hafen, weil viele mit dem Schiff die Insel verlassen wollten", sagt er. Und von der Fahrt zum Hafen schildert seine Frau: "Man dachte es regnete, weil es so aufs Dach prasselte. Aber das waren ein bis drei Millimeter große Lavasteinchen." Und aus dem Vulkan brodelte es immer gewaltiger. "Der Vulkan raucht mittlerweile aus mehreren Schloten", schildert er.

Auch viele Einheimische hatten es mit Sack und Pack auf die Fähre geschafft. Die meisten wollten aber nur bis zu einer der kanarischen Nachbarinseln. "Die Aschewolke hat unser Schiff noch bis Gran Canaria verfolgt", erzählt Dutschke. Auch das Deck der Fähre sei mit Lavaasche bedeckt. "Man muss die Palmeros bedauern. Den Start ins Rentnerleben hatten wir uns ein bisschen anders vorgestellt. Aber nächstes Jahr kommen wir wieder." Am Montag, 27. September, hatte das Ehepaar nach drei Tagen auf See Cadiz erreicht und sich per Auto auf den weiteren Heimweg gemacht. Drei Tage werden sie brauchen. Dann wartet auf Marion und Klaus Dutschke der Einbruch des kalten und dunklen Oberlausitz-Winters.

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  • Korrekturhinweis 29. September 10.40 Uhr: In einer ursprünglichen Version des Artikels hatte es geheißen, das Ehepaar habe sich am Sonntag auf die Rückreise gemacht. Die Dutschkes fuhren aber bereits am Freitag, 24. September, auf die Fähre in La Palma. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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