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Gehört die Schwimmhalle jetzt einem Spekulanten?

Eine Firma aus Herzberg hat das Areal in Löbau ersteigert. Deren Geschäftsführer ist in anderen Städten schon bekannt - aber dort genießt er keinen guten Ruf.

Die ehemalige Schwimmhalle in Löbau ist in einem maroden Zustand.
Die ehemalige Schwimmhalle in Löbau ist in einem maroden Zustand. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Die Kommentare reichen von "Oh je", über ein ironisches "Na herzlichen Glückwunsch!" bis zu einer eindringlichen Warnung: "Mit dem wäre ich ganz vorsichtig." Wen man auch nach dem neuen Besitzer der Löbauer Schwimmhalle fragt: Alle haben offenbar schlechte Erfahrungen mit dem Mann und dessen Firmen gemacht.

Mitte Mai ist die Schwimmhalle im Armeegebiet versteigert worden. Letztlich hat eine Firma mit dem Namen Lüvest GmbH aus Herzberg die Löbauer Schwimmhalle für 70.000 Euro ersteigert. Das bestätigt das Amtsgericht in Görlitz, wo die Zwangsversteigerung stattfand. Als Geschäftsgegenstand der Firma wird unter anderem der An- und Verkauf und die Vermietung von Immobilien aller Art sowie Immobilien- und Hausverwaltung angegeben. Doch wer steckt hinter der Firma und was will das Unternehmen mit einer maroden Schwimmhalle, die knapp 200 Kilometer vom Firmensitz entfernt steht? Eine Antwort darauf ist nicht zu bekommen. Dafür aber offenbart die Recherche über das Unternehmen und dessen Geschäftsführer, warum sich so viele negativ dazu äußern.

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Bahnhof und Kulturhaus brach liegen gelassen

Chef der Firma ist laut Handelsregister ein Mann, der in den vergangenen Jahren an verschiedenen Firmen beteiligt gewesen ist. Bei mindestens zwei Bürgermeistern in den östlichen Bundesländern klingeln die Alarmglocken, wenn sie den Namen hören. So hat der Geschäftsmann mit einer seiner Firmen beispielsweise den Bahnhof in Zerbst in Sachsen-Anhalt gekauft und ein Kulturhaus in Schkopau, ebenfalls in Sachsen-Anhalt. Beide Immobilien sanierte er nicht, wie angekündigt.

Beim Zerbster Bahnhof war genau genommen seine Frau die Geschäftsführerin der Firma, die das Gebäude gekauft hatte. Als Ansprechpartner ist aber immer der Ehemann in Erscheinung getreten. Das geht aus Zeitungsberichten der "Volksstimme" hervor, der lokalen Zeitung in der Region. Und das bestätigt auch ein Reporter der Zeitung, der mehrfach über den Bahnhof und den Investor berichtete und auch Kontakt zu ihm hatte, gegenüber SZ. "Solange ihm der Bahnhof gehörte, ist nichts passiert. Er schob es immer auf die Stadt", erzählt der Journalist. Um Fördermittel zu erhalten, müsse man aber natürlich auch ein schlüssiges Konzept vorlegen. Das hat der Investor den Zeitungsberichten zufolge nie getan. Inzwischen hat der Bahnhof seit einigen Wochen einen neuen Besitzer. Der Mann hat ihn wieder verkauft - nach SZ-Informationen für eine deutlich höhere Summe, als er einst dafür zahlte.

Das Kulturhaus Schkopau hatte ein ähnliches Schicksal wie der Bahnhof, darüber wurde ebenfalls in den Medien berichtet.

Am Firmensitz gibt's nur ein marodes Haus

Die Firmenhistorie der Lüvest ist von wechselnden Namen und Standorten geprägt. Bis vor wenigen Monaten hieß die Firma noch Asoposa GmbH, die hatte eine Anschrift in Berlin. Seit März dieses Jahres gehört die Lüvest GmbH einer weiteren Gesellschaft, die ihren Sitz in Saarbrücken hat. Allerdings ist dieses Unternehmen, die Intec Außenhandelsgesellschaft mbH, schon seit November 2009 pleite. Das Amtsgericht Saarbrücken lehnte die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens mangels Masse ab. Außer einer Postadresse in Herzberg sind zur Lüvest keinerlei Kontaktdaten zu bekommen. Die Firma hat auch keine Internetseite. Andere Gewerbetreibende, die ihren Sitz in der Umgebung haben, kennen die Firma oder deren Geschäftsführer nicht. "Das sagt uns überhaupt nichts", sagt die Mitarbeiterin eines Betriebes, der in der Nachbarschaft ansässig ist.

SZ-Recherchen zufolge handelt es sich um ein großes Grundstück mit einem verfallenen Haus darauf. Dort sollen immer mal Jugendliche feiern und ausländische Arbeitskräfte den Rasen mähen.

Bei der Intec Außenhandelsgesellschaft, von der Lüvest zuletzt übernommen wurde, geht niemand ans Telefon. Bei der Adresse in Saarbrücken befinden sich laut Internetportal Google Maps ein bosnisches Kulturzentrum, ein Nachtclub und eine Moschee. Die Firma Intec ist dort bei Google nicht verzeichnet.

Immerhin: Es gibt eine Handynummer, die dem Lüvest-Geschäftsführer gehören soll. Auf dieser Nummer geht aber niemand ans Telefon und auch auf Nachrichten auf der Mailbox gibt es keine Rückmeldung.

Letzte Meldeadresse in Frankreich

Der Mann selbst ist zuletzt im französischen Ort Saverne am Rande der Vogesen gemeldet gewesen. Im französischen Telefonbuch findet sich unter dieser Adresse allerdings sein Name nicht, sondern nur der eines anderen Mannes sowie ein sozio-kulturelles Zentrum. Der Geschäftsmann lebte schon in den vergangenen Jahren mehrfach in Frankreich.

Genau vor solchen Szenarien, wie sie sich in Zerbst und Schkopau abgespielt haben, hatte man sich im Löbauer Rathaus gefürchtet: dass ein Spekulant das Objekt ersteigert und dann nichts mehr passiert. Die Stadt hätte die Schwimmhalle gern selbst erworben, um sie abreißen zu lassen. Sie hatte den Zuschlag aber nicht erhalten, bei der Verkaufssumme von 70.000 Euro wollte man im Rathaus nicht mehr mitbieten.

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