merken
PLUS Löbau

Knochenjob im Schneetreiben

Der Oppacher Mathias Schwenke stellt die SZ zu - wegen Schnee und Eis oft verspätet. Was er sich von Anwohnern wünscht und warum er freche Sprüche einstecken muss.

Mathias Schwenke (links) bringt in Oppach und Beiersdorf die Zeitung - auch jetzt im Schneesturm. Matthias Wünsche wartet schon und nimmt sie entgegen.
Mathias Schwenke (links) bringt in Oppach und Beiersdorf die Zeitung - auch jetzt im Schneesturm. Matthias Wünsche wartet schon und nimmt sie entgegen. © Matthias Weber/photoweber.de

Es ist gleich um elf und Mathias Schwenke ist immer noch mit den Zeitungen unterwegs. "Ich bin jetzt auf der fünften Runde. Normalerweise bin ich da um acht fertig." Aber jetzt kommt er einfach nicht vorwärts. Mathias Schwenke ist SZ-Zusteller, bringt in Oppach und Beiersdorf jeden Tag die Zeitungen in die Briefkästen. Das ist in diesen Tagen ein Knochenjob. Immer wieder muss er jetzt die Schneeschippe aus dem Auto holen, weil er sich wieder festgefahren hat. Der Winterdienst in den Gemeinden beginnt in der Regel erst später, als er mit seiner Zeitungstour startet. Immer wieder balanciert er über rutschige Fußwege und stapft durch riesige Schneewehen, um überhaupt zu den Briefkästen zu gelangen.

Schon vorige Woche, als überall Glatteis herrschte, meldete der Medienvertrieb Löbau-Zittau, der die Zusteller beschäftigt, dass die Zeitungen verspätet bei den Lesern ankommen könnten. Viele Zusteller klagen über nicht geräumte und glatte Gehwege und Zufahrten, berichtet Falko Krüger, Geschäftsführer vom Medienvertrieb Löbau-Zittau. "Die Anwohner wiederum entschuldigen sich, dass es derzeit schwierig bis fast unmöglich ist Streusalz oder Splitt zu bekommen, da die Baumärkte zu sind", so Krüger. Auch in den sozialen Medien, wie Facebook, wird das thematisiert. Tatsächlich dürfen nur Gewerbetreibende derzeit in den Baumärkten einkaufen. Ein Argument, das allerdings nur bedingt gelten kann, denn auch die Discounter bieten aktuell Streusalz an.

TOP Veranstaltungen
TOP Veranstaltungen
TOP Veranstaltungen

Was ist los in Sachsen und Umland? Wo gibt es was zu erleben? Unsere Top-Veranstaltungen der Woche!

30 Kilometer bei schwierigen Winterbedingungen

Diese Woche sieht es nicht viel besser aus auf Straßen und Gehwegen. "Bei vielen Grundstücken ist früh noch gar nicht Schnee geschoben oder gestreut", sagt Matthias Schwenke. Und auch auf der Straße geht es in den frühen Morgenstunden nur schleppend voran. Auf das Auto verzichten kann er nicht, denn sein Zustellgebiet ist groß. "Hier auf dem Land funktioniert das etwas anders, als in der Stadt. Da kann man nicht von Haus zu Haus laufen." 30 Kilometer legt er zurück auf seinen fünf Zeitungstouren. Allein drei Viertel der Gemeinde Oppach stellt er zu, das sind knapp 500 Zeitungen. Hinzu kommt Beiersdorf. "Dort ist es noch bergiger." Und entsprechend schwierig bei den derzeitigen Witterungsverhältnissen. Die Bielebohstraße zum Beispiel sei jetzt ein schwieriges Pflaster. Und im Schmiedenthal, einem Ortsteil von Beiersdorf, sei nicht mal der Schneepflug durchgekommen. "Da bin ich vorwärts rein und die ganze Strecke rückwärts wieder hochgefahren." Denn eine Zeitung einfach nicht abliefern, weil der Weg beschwerlich ist, das kommt für ihn nicht infrage.

Viele Anwohner, erzählt Mathias Schwenke, haben Verständnis, wenn es länger dauert und beneiden ihn gerade nicht um seinen Job. Dann gibt es aber auch diejenigen, die ihm zurufen, wenn er dann erst am späten Vormittag mit der Zeitung erscheint: "Na, ausgeschlafen?" Solche frechen Sprüche lässt der 56-Jährige sich nicht gefallen. "Da bin ich nicht auf den Mund gefallen."

Ab früh um 3 auf den Beinen

Um 3 Uhr nachts beginnt sein Dienst. Seit zehn Jahren steht er so früh auf, das Zeitungsaustragen ist sein Hauptberuf. Um 3 werden die Zeitungen bei ihm angeliefert, dann geht's los. Schon da beginnt dieser Tage das Problem: Der Laster mit den Zeitungen kommt verspätet an, wegen der katastrophalen Zustände auf den Straßen. Am Dienstag hat er mit einer Stunde Verspätung bei Mathias Schwenke die Zeitungen abgeliefert. "Diese eine Stunde hänge ich dann natürlich auch hinterher." Hinzu kommt, dass die Wege jetzt alle viel länger dauern.

Beschweren will sich der Oppacher nicht. Er mache den Job gern und würde auch nie auf die Idee kommen, wegen des Wetters zu sagen: "Heute geh' ich nicht los." Aber er wünscht sich mehr Verständnis und Geduld von den Anwohnern. Und, dass sie auch früh am Morgen zumindest an ihren Grundstücken schon mal den Weg freimachen für Mathias Schwenke und seine Kollegen. Wenn der Oppacher gegen Mittag mit seiner fünften Zeitungstour fertig ist, will er sich ers tmal ein paar Stunden hinlegen. Morgen früh um 3 geht's wieder los.

In den nächsten Tagen soll sich die Lage stabilisieren. Weil Zeitungen aber jetzt nicht überall pünktlich ausgeliefert werden konnten, bietet die Sächsische Zeitung ihren Lesern an, bis einschließlich Sonnabend, den 13. Februar, die Zeitung als E-Paper kostenlos zu nutzen. Wie das funktioniert, erfahren Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Sie wollen die wichtigsten Nachrichten aus Löbau und/oder Zittau direkt aufs Smartphone gesendet bekommen? Dann melden Sie sich für Push-Nachrichten an.

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Wer uns auf Social Media folgen will:

Mehr zum Thema Löbau