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"Der Wohnpark kann ein Zugpferd werden"

Jürgen Weise von der WBG im Oberland geht nach 35 Jahren als Vorstand in den Ruhestand. Was er sich für das Wohngebiet in Zukunft wünscht.

Jürgen Weise ist 35 Jahre Vorstand der Wohnungsbaugesellschaft Oberland Neugersdorf
gewesen. Jetzt ist er in Rente gegangen.
Jürgen Weise ist 35 Jahre Vorstand der Wohnungsbaugesellschaft Oberland Neugersdorf gewesen. Jetzt ist er in Rente gegangen. © Matthias Weber

Das war ein gelungener Abschied - zum Schluss gab's noch mal einen positiven Lichtblick. Jürgen Weise, Chef der Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) Oberland Neugersdorf, verabschiedet sich mit einem großen Neubauprojekt im Wohngebiet Oberland aus dem Berufsleben. 35 Jahre war er Vorstand der Genossenschaft, vor allem die Jahre nach der politischen Wende waren bekanntlich vom Rückbau geprägt.

Doch das letzte große Vorhaben, das Weise mit begleitete, war ein neues Gebäude. Und die größte Investition der Genossenschaft noch dazu: Im Wohngebiet Oberland entstand nach dem Abriss eines Wohnblocks an selber Stelle an der Oswald-Richter-Straße der Wohnpark "Spreequelle". Über fünf Millionen Euro hat die WBG in das Konzept investiert. 26 altengerechte Wohnungen gibt es in dem Neubau, dazu eine Tagespflege und Gemeinschaftsräume für das Wohnquartier. Erst im Oktober 2020 ist das neue Haus in Betrieb gegangen. Mit der Johanniter Unfallhilfe hat die Wohnungsgenossenschaft einen Partner vom Fach gefunden, der auch die Tagespflege für Senioren im Haus selbst betreibt.

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"Der Wohnpark könnte ein Zugpferd werden, auch für die anderen Wohnungen im Oberland-Quartier", hofft Jürgen Weise. Denn: Wer sich für eine Wohnung im Oberland entscheidet, so Weise, hat die Aussicht darauf, dass er auch im Alter im Viertel bleiben kann und dort eine altengerechte Wohnung bekommt. Im gewohnten Umfeld zu bleiben, das sei für viele enorm wichtig. Man müsse sich nicht zu sehr umgewöhnen, Wege zum Einkaufen, zum Arzt, zur Apotheke - und auch die Nachbarn - bleiben die selben.

Idee vom Wohnpark ist Vorbild für andere

Das Projekt hat sogar einen Preis bekommen. Der sächsische Verband der Wohnungsgenossenschaften hat ihn der WBG im Oberland für die Idee verliehen. Inzwischen ist die Wohnungsgenossenschaft damit auch ein Vorbild für andere. "Vertreter etlicher Genossenschaften waren schon hier und haben sich das angesehen, sich Ratschläge geholt, wie so etwas funktionieren kann", erzählt Jürgen Weise.

Dennoch: Was die Zahl an Einwohnern als auch Wohnungen betrifft, fällt die Bilanz auch bei Jürgen Weise und der Wohnungsgenossenschaft Oberland Neugersdorf negativ aus. 1986, als Weise bei der WBG anfing, hatte die Genossenschaft 1.570 Wohnungen in ihrem Bestand. Jetzt sind es noch 1.185. Dazwischen, zur Wendezeit wurden es sogar noch einmal mehr, es wurde neu gebaut. "Die Mehrfamilienhäuser am Unteren Kirchweg in Ebersbach sind im September 1990 eingeweiht worden", erinnert sich Jürgen Weise. Außerdem fusionierte die WBG mit anderen Wohnungsgenossenschaften, wodurch der Bestand etwas anstieg.

Die Oberland-WBG war bereits 1954 gegründet worden, hieß vor der Wende Arbeiterwohnungsgenossenschaft. "AWG sagen die Leute bis heute immer noch", lacht Jürgen Weise. Der gebürtige Neugersdorfer studierte Bauingenieurwesen und arbeitete nach dem Abschluss einige Jahre beim VEB Bau Löbau, bevor er sich um den freien Vorstandsposten bei der Wohnungsgenossenschaft bewarb. "Das war schon eine Umstellung", erinnert er sich an den Wechsel von der Baubranche in die Wohnungsverwaltung. Seine Erfahrung im Bau kam ihm aber hier zugute, denn mit Bauvorhaben hatte er es auch in der Zeit bei der WBG immer wieder zu tun. So mussten nach der Wende in den Mietshäusern neue Heizungsanlagen eingebaut werden. "Außer im Oberland gab es ja fast nur Ofenheizung." Im bewohnten Zustand seien die Bauarbeiten für alle eine Herausforderung gewesen. Im Oberland wurden ganze Etagen von Wohnblöcken zurückgebaut oder auch Wohnungs-Grundrisse angepasst.

Wohnungen hat die WBG nicht nur im Oberland, sondern zum Beispiel auch in Neugersdorf, Eibau, Neusalza-Spremberg, Oerwitz. Die meisten sind jedoch nach wie vor im Wohngebiet Oberland. Das Wohnviertel hat sich verändert, viele Entscheidungen hat Jürgen Weise mit getroffen. Oft ging es dabei um Abriss. "Das waren immer wirtschaftliche Entscheidungen", sagt der scheidende WBG-Vorstand. "Natürlich hängen da aber immer auch persönliche Schicksale dran." Denn keiner der Blocks, die abgebrochen wurden, stand komplett leer. Immer mussten Familien umziehen. "Das ist schwer, wenn man viele Jahre dort gelebt hat", so Weise.

Das modernste, was es gab

Früher - also noch zum Beginn seiner Laufbahn bei der Genossenschaft - wollten alle ins Oberland, erzählt er. Das Wohnviertel war beliebt. "Es gab Zentralheizung und Bäder, das war damals das modernste, was man bekommen konnte." Was später folgte, ist bekannt: Viele zogen weg, der Arbeit hinterher. Und diejenigen, die nun mit ihren Familien zurückkommen, wollen lieber ein Häuschen im Grünen. Von denen, die jetzt im Oberland-Viertel wohnen, sind aber viele schon seit Jahrzehnten hier Mieter.

Jürgen Weise wünscht sich, dass das auch in Zukunft so bleibt: Dass Familien hierher kommen und so lange wie möglich in "ihrem" Quartier bleiben können. Projekte wie der Wohnpark Spreequelle und andere Bauvorhaben sollen dazu einen Beitrag leisten. In Zukunft wird das ein jüngeres Vorstands-Team bei der Wohnungsbaugenossenschaft Oberland Neugersdorf managen. Nachdem Daniel Füssel vor fünf Jahren bereits den Posten von Wolfgang Rösler als langjähriger Vorstand übernommen hat, gibt es jetzt auch für Jürgen Weise eine Nachfolgerin: Katharina Israel ist bereits seit einigen Jahren in der Genossenschaft tätig.

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