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Mit einer Abprotzspritze fing es an

Am 23. Oktober 1891 wurde die Freiwillige Feuerwehr Ostritz gegründet.

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Die Aufnahme eines Hauses im früheren Seitendorf belegt, wie die Bauweise der Gebäude die Brandgefahr begünstigte. Leicht brennbares Material wie Holz und Stroh dominierten.
Die Aufnahme eines Hauses im früheren Seitendorf belegt, wie die Bauweise der Gebäude die Brandgefahr begünstigte. Leicht brennbares Material wie Holz und Stroh dominierten. © Sammlung J. Schmacht

Von Josefine Schmacht

Vor 130 Jahren wurde die Städtische Freiwillige Feuerwehr Ostritz von 44 Männern gegründet. Zuvor war im Deutschen Reich am 29. Mai 1875 eine Feuerlöschordnung ergangen. Danach musste in den Orten eine Pflichtfeuerwehr bestehen. Aus ihr ging die Freiwillige Feuerwehr hervor, die am 23. Oktober 1891 von Bürgermeister Kretschmer per Handschlag verpflichtet wurde. Nachdem auch noch der Anschluss an den Bezirksverband der Amtshauptmannschaft Zittau hergestellt war, begann die Ausbildung der Männer.

Am 22. April 1893 übergab der Stadtrat eine sogenannte Abprotzspritze. Damit konnte eine tragbare Handdruckspritze auf einem Karren zum Einsatzort transportiert und dort abgeprotzt (abgesetzt) werden. Als Wohltäterin der Wehr wird bis heute Ida von Schmitt aus Böhmisch-Aicha gewürdigt. Sie stammte als eine geborene Mittrich aus Ostritz. Der Freiwilligen Feuerwehr schenkte sie Helme. Einen größeren Betrag spendete auch die Klosterherrschaft St. Marienthal.

Von der Klosterspende konnten nun die Feuerwehrmänner eine Drillichbluse erhalten, denn zunächst mussten sie wohl in ihrer Zivilkleidung den Dienst tun. 1902 wurden für alle Mützen angeschafft. 1904 konnte sich Ostritz eine neue Spritze leisten. Die zwei Rohrführer bekamen Gummihandschuhe. Bis 1925 mussten die Feuerwehrleute ihre Leitern irgendwie übereinander anbringen, wenn sie von oben löschen mussten. Dann kaufte der Stadtrat eine mechanische Schiebeleiter, die erhoffte Motorspritze blieb jedoch weiter ein Wunsch.

Wie dringlich all diese Einrichtungen waren, zeigt ein Blick in das „Heimatbuch der Stadt Ostritz“ von Julius Rolle. Er beginnt die Aufzählung der Stadtbrände 1427, als die Hussiten Ostritz niederbrannten. Danach berichtet er von den 13 schlimmsten Bränden und endet 1841: „Da brach bei dem Essigfabrikanten Födisch durch Nachlässigkeit ein Brand aus, der 87 Häuser und 15 Scheunen erfasste. 129 Familien und 459 Personen büßten ihre Habe ein. Es brannten nieder das Rathaus, das Brauhaus und die Semmelbänke.“ Es sollte noch 50 Jahre dauern, bis in Ostritz eine Freiwillige Feuerwehr gegründet und ausgerüstet wurde. In den vergangenen 130 Jahren gehörte sie zu den wichtigsten und angesehenen Einrichtungen der Stadt.

Feuerordnung von 1775

  • Häuser sind im Abstand von einander zu bauen. Der Zwischenraum soll mit Nußbäumen und anderen dicht belaubten Bäumen besetzt werden.
  • Die Gebäude sollen mit Ziegeln oder starken Schindeln, wenn nicht anders mit Stroh, gedeckt werden.
  • Jeder Hausbesitzer hat in seinem Gewahrsam: 1 hölzerne Handspritze, 1 tüchtige Laterne, wenigstens einen Ledereimer, 2 - 12 Ellen lange Stangen, an denen Reisig befestigt ist, einige glatte Stangen.
  • Fünf Häuser haben gemeinsam eine Feuerleiter und einen starken Feuerhaken sowie 2 mit Wasser gefüllte Fässer.