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Mütter weinen wegen Kita-Aus

Nach einer Einwohnerversammlung ist klar: Das Ottenhainer „Kinderschloss Tausendfuß“ wird geschlossen. Erst müssen die Hort-, dann die Kindergarten- und Krippenkinder raus.

Noch spielen die Kinder fröhlich im Ottenhainer „Kinderschloss Tausendfuß“. Bald wird es geschlossen.
Noch spielen die Kinder fröhlich im Ottenhainer „Kinderschloss Tausendfuß“. Bald wird es geschlossen. © Matthias Weber (Archiv)

Für die Mutter ist das geplante Aus der Kita Ottenhain ein Unding, wie sie am Telefon sagt. „Wie kann man so ein Gebäude Jahrzehnte lang verfallen lassen und die letzten 30 Jahre nur Schadensbegrenzung machen?“, fragt sie, will aber anonym bleiben. Das Gebäude, von dem sie spricht, ist Schloss Ottenhain – und heißt „Kinderschloss Tausendfuß“. 30 Mädchen und Jungen vom Krippen- bis zum Hortbereich werden da von den fünf Erzieherinnen betreut.

Im April dieses Jahres bekamen die Eltern der Ottenhainer Hortkinder Post von der Gemeinde Kottmar. Die Kommune ist Eigentümer des Schlosses. In dem Schreiben wurden die Eltern darüber informiert, dass die Hortplätze gekündigt werden. In dem Schreiben, das der SZ vorliegt, heißt es, dass ab September 2021 „leider keine Hortplätze mehr zur Verfügung gestellt werden.“ Ebenso steht da: „Die Kita kann vorübergehend mit weniger Kindern weiter betrieben werden.“

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Vorige Woche fand nun eine Einwohnerversammlung zur Kita statt. Dazu hatte die Gemeinde Eltern und Anwohner eingeladen. Träger der Kita ist der Verein „Kinder- und Jugendarbeit Ottenhain“. Deren Vorsitzende Daniela Brendler sagt, dass dem Aufruf der Gemeinde etwa 80 Personen gefolgt seien. Die SZ war ausgeladen worden. Auf Anfragen im Nachhinein zur Versammlung und dem Ergebnis verweist Hauptamtsleiterin Kerstin Höhne auf den Bürgermeister - der derzeit nicht zu sprechen ist. Michael Görke hatte sich Mitte Juni noch nicht konkret gegenüber der SZ zu einer möglichen Schließung geäußert, die Planung der Einwohnerversammlung jedoch bereits angekündigt.

Das Ergebnis der Einwohnerversammlung fasst Daniela Brendler so zusammen: Mitgeteilt worden sei den Anwesenden, dass die Kindertagesstätte Ende August des kommenden Jahres geschlossen werde, der Hort bereits in diesem Jahr. Letzterer lief nur noch mit einer Ausnahmegenehmigung. „Als Gründe genannt wurden bauliche Mängel und der Brandschutz“, sagt Daniela Brendler. Bereits jetzt sichern Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr den Brandschutz im Hortbereich ab und sind täglich da. Darum gekümmert habe sich der Trägerverein in Eigenregie. „Gesagt wurde auch, dass die Gemeinde die Sanierungskosten in Höhe von rund 2,1 Millionen Euro nicht aufbringen kann“, so die Vereinsvorsitzende. Fördermittel für eine Sanierung gebe es nicht. Die Eltern müssten ihre Kinder dann in anderen Einrichtungen anmelden. Bei der Versammlung seien auch einige Tränen in den Gesprächen geflossen. So oder so sei die Stimmung gedrückt im Ort. Endet der Kita-Betrieb, „lösen wir unseren Verein auf“, so Daniela Brendler. Miete habe der Verein an die Gemeinde nicht zahlen müssen, die Betriebskosten seien von der Kommune bezuschusst worden. „Ohne die Kommune hätten wir nicht existieren können“, erklärt die Vereinsvorsitzende deshalb auch.

Marco Heidrich ist gebürtiger Ottenhainer, zog in die Großstadt und kehrte 2010 Dresden wieder den Rücken, um ins großelterliche Haus zu ziehen. „Ich ging als Kind in den Ottenhainer Kindergarten“, erzählt er. Auch seine drei Kinder besuchten die Kita. „Kindergarten ist das Schloss bereits seit 1955“, sagt Marco Heidrich und auch: „Wenn die Einrichtung wegfällt, fällt Leben im Ort weg.“ Gerade in jüngerer Zeit seien Familien mit Kindern nach Ottenhain gezogen. Das "Kinderschloss Tausendfuß" habe da eine Rolle gespielt.

Daniela Brendler spricht von fünf Ottenhainer Krippenkindern und drei Kitakindern aus dem Ort. Die anderen Kinder kommen aus anderen Orten. „Für 2022/23 hatten wir bereits weitere fünf Neuanmeldungen im Krippenbereich“, sagt sie. Bei einer erneuten Zusammenkunft mit Vertretern der Gemeinde am 27. Juli sei nun ausgehandelt worden, dass vier Kinder, die seit dem letzten Jahr schon auf der Warteliste standen, auch jetzt noch aufgenommen werden dürfen. „Befristet für das eine Jahr allerdings“, wie Daniela Brendler einräumen muss.

Und wie geht es mit dem Schloss weiter? In ihm befinden sich auch drei Mietwohnungen, die nach Informationen von Einwohnern belegt seien. Nach Angaben der Vereinsvorsitzenden und Marco Heidrich plane die Gemeinde einen Verkauf des Gebäudes. „Uns wurde gesagt, das Schloss soll als Wahrzeichen erhalten werden, ein künftiger Käufer der Gemeinde ein Konzept vorlegen, wo auch die Bürger darüber mit entscheiden“, erzählt Daniela Brendler. Der Kita-Verein jedenfalls könne das Objekt aufgrund der notwendigen Sanierungsarbeiten und der damit verbundenen hohen Kosten nicht erwerben.

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