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Löbau bekommt ein Napoleonmuseum

Der Verein Napoleonzeit 1813 öffnet nach Jahren der Vorbereitung am Wochenende das Haus. Zur Eröffnung kämpfen 80 Soldaten bei einer kleinen Völkerschlacht.

Bernd Engelmann vor dem "Museum 1813", das er mit seinen Vereins-Kollegen am kommenden Wochenende in Bellwitz eröffnet.
Bernd Engelmann vor dem "Museum 1813", das er mit seinen Vereins-Kollegen am kommenden Wochenende in Bellwitz eröffnet. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Bernd Engelmanns Traum von einem Napoleonmuseum kennen viele in und um Löbau. Doch so richtig daran geglaubt hat zuletzt wohl kaum noch jemand. Nun aber ist es tatsächlich soweit: Am kommenden Sonnabend eröffnet das "Museum 1813" gleich neben Engelmanns ehemaligem Gasthaus, der Gemauerten Mühle in Bellwitz, in der Georgewitzer Skala. Eine große Sache soll es werden, mit Landrat, Ehrengästen und 80 bis 90 Soldaten in historischen Uniformen, die Gefechte nachstellen und natürlich auch Salut schießen.

Gemeinsam mit seinem sieben, acht Mitglieder zählenden Verein "Napoleonzeit 1813" hat Bernd Engelmann das Museum in jahrelanger Kleinarbeit zusammengesammelt und geschaffen. Die Sanierung haben die Geschichtsfans aus eigener Tasche finanziert. Nebenbei hat der Verein viele Kontakte zu Menschen geknüpft, die ebenfalls großes Interesse an der Zeit der Befreiungskriege und an Napoleon hegen. So kommt es, dass mit Matthias Sander am Eröffnungs-Sonnabend begeisterte Laiendarsteller zu Bernd Engelmann kommen, die auf genau der Engelmann-Wiese ein Biwak halten, auf der auch Anfang September 1813 Soldaten kampierten: Damals zog sich der preußische Marschall Blücher vor den Franzosen in Richtung Görlitz zurück. Er überwand bei der Gemauerten Mühle über drei Behelfsbrücken das Löbauer Wasser und errichtete auf der Wiese dahinter ein Biwak.

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Kleine Völkerschlacht auf Engelmanns Wiese

Matthias Sander gehört der Sächsisch Napoleonischen Gesellschaft an und hat für die Museumseröffnung nun aus verschiedenen Historien-Vereinen Darsteller angesprochen. Normalerweise stellen sie bei Gedenkveranstaltungen die Völkerschlacht bei Leipzig oder die Schlacht bei Großgörschen nach. "Doch wegen Corona ist dieses Jahr alles ausgefallen", sagt er. So kommt - als Übung im kleinen Rahmen mit entsprechendem Sicherheitsabstand - die Museumseröffnung gerade recht. Und so werde bereits am Vormittag exerziert und ein Gefecht nachgestellt und nach dem Mittag noch einmal. "Wir werden dabei auch rund 60 Steinschlossmusketen abfeuern. Weil man zum Laden die Schwarzpulverkartusche mit den Zähnen aufbeißen muss, können wir keinen Mundschutz tragen und halten mehr Abstand als sonst", erklärt Sander die Tücken der Situation. Aufgrund der geltenden Bestimmungen werden die Vorführungen nicht öffentlich sein, denn das sei schlicht nicht umsetzbar. Und so kommen eben nur geladene Gäste in den Genuss der Historiengefechte.

Zugänglich für alle wird nach dem Sonnabend dann aber das neue Museum im alten Zollhaus sein. Das Feldsteingebäude ist herausgeputzt - innen wie außen - und es soll den Gästen einen Einblick in die Zeit geben. Bernd Engelmann ist dabei wichtig, dass es nicht um eine Art Historienklitterung oder Kriegsverherrlichung geht: "Die Menschen in der Oberlausitz - vor allem auch die Landbevölkerung - haben entsetzlich gelitten damals", betont er. Ständig kamen Truppen durch, ständig wurden sie ausgeplündert, alles Essbare weggenommen, auch Gewalt war allgegenwärtig. Auf der Seite der Soldaten kamen noch Schmerz und Tod hinzu.

Bernd Engelmann hat eine Sammlung von Kleidungsstücken, die zeigen, wie die Uniformen der verschiedenen Soldaten damals ausgesehen haben.
Bernd Engelmann hat eine Sammlung von Kleidungsstücken, die zeigen, wie die Uniformen der verschiedenen Soldaten damals ausgesehen haben. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Das alles will der Verein auf den drei Etagen des alten Zollhauses zeigen - und es gelingt ihm anschaulich mit lebensgroßen Puppen: Mal ist eine Lazarettszene zu sehen, die für zarte Gemüter durchaus gruselig ist. Dann sitzt "Napoleon" in der Badewanne - eher unüblich in der Zeit. Oder er fährt inkognito im Schlitten, nachdem er seine unterlegenen Truppen in Russland verlassen hat - eine Nachstellung der Überlieferung als der berühmte Feldherr in der Nacht zum 14. Dezember 1812 die Poststation auf der heutigen Goschwitzstraße in Bautzen erreichte. Uniformen wie früher, Gerätschaften wie die alte Feldapotheke, die in Engelmanns Vorgarten steht, oder auch Gebrauchsgegenstände und ein Marketenderwagen sind zu sehen. Viele Ereignisse hat Bernd Engelmann beim Oberländer Maler Michael Franke zudem als großformatige Szenen ausarbeiten lassen - sie hängen an den Wänden im Museum.

Da das private Museum freilich nicht immer offen haben kann, sondern sich die Öffnungszeiten nach den Möglichkeiten des Vereins richten, gibt es eine umfangreiche Informationstafel vor dem Haus und die soll Teil der Route Napoleon durch die Oberlausitz sein, an der auch Matthias Sander mitarbeitet. "Auf dieser Ereignistafel kann man dann alles genau nachlesen, es wird historische Karten geben, zeitgenössische Bilder der handelnden Offiziere", zählt Sander auf. Das passt hervorragend in das Konzept von Bernd Engelmann, der nach eigenen Angaben auch zu vielen französischen Vereinen Kontakt hat: "Die Franzosen wären gern auch zur Eröffnung gekommen, aber das geht wegen der angespannten Corona-Lage in Frankreich derzeit nicht", sagt er. Angekündigt hätten sich aber schon Besuchergruppen, die durch die ganze Oberlausitz reisen und sich die zahlreichen historischen Orte anschauen wollen. "Das bringt für den Tourismus in der Oberlausitz enorm viel", ist sich Engelmann sicher.

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