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Löbau

Das sind die Sieger des Neiße-Filmfestivals

Den mit 10.000 Euro dotierten Hauptpreis hat ein deutscher Spielfilm bekommen. Einer, der die Zuschauer lange beschäftigen wird. Es gibt noch mehr Gewinner.

So sehen die Neiße-Fische - die Preise - aus.
So sehen die Neiße-Fische - die Preise - aus. © Veranstalter

Den Drei-Länder-Preis des Neiße-Filmfestivals hat dieses Jahr der Spielfilm "Jiyan" (Leben) von Süheyla Schwenk erhalten. Die Jury mit dem deutschen Regisseur Philipp Eichholtz, der polnischen Szenenbildnerin Jagna Dobesz und dem tschechischen Regisseur Václav Kadrnka musste sich im Wettbewerb zwischen je drei Spielfilmen entscheiden. "Alle Charaktere in 'Jiyan' fühlen sich real an, das macht dieses Drama über zwei Flüchtlinge in Berlin so herzzerreißend, fesselnd und traurig", heißt es in der Begründung. Der Film porträtiert die aktuelle humanitäre Krise durch laut Jury originelle, suggestive, mutige und kompromisslose cineastische Mittel. "Es ist ein Film, der einen noch lange, nachdem der Abspann abgelaufen ist, weiter beschäftigt." Der Preis von Sachsens Kultusministerium ist mit 10.000 Euro dotiert.

Süheyla Schwenk selbst hat für ihre Arbeit an "Jiyan" auch den von der Stadt Görlitz gestifteten Preis für das beste Szenenbild erhalten. Ausschlaggebend war hier "die meisterhafte Kombination von Realismus mit Elementen des emotionalen Szenenbildes, die etwas Magisches hat und gleichzeitig den Eindruck eines Dokumentarfilmes macht."

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Weitere Preisträger

Beste Darsteller

Den von der Stadt Zittau gestifteten Preis für die beste darstellerische Leistung erhielten Milan Ondrík und František Beleš für ihr Porträt von Vater und Sohn in "Nech je svetlo" (Es werde Licht) von Marko Škop. Die Jury hob dabei besonders die schauspielerische Herausforderung hervor, Spannung und gleichzeitig Intimität in Krisenzeiten darzustellen, die von beiden Darstellern souverän gemeistert wurde.

Der Neiße-Fisch für das beste Drehbuch, gestiftet vom Liberecký kraj, ging an den tschechisch-slowakischen Film "Vlastníci" (Die Eigentümer) von Jiří Havelka, der auch das Drehbuch schrieb. Die kammerspielartige Komödie war im Herbst 2019 der Überraschungserfolg in den tschechischen Kinos und hat bereits drei tschechische Filmpreise bekommen.

Bester Dokumentarfilm

"Sólo" von Artemio Benki erhielt den von "So geht sächsisch" gestifteten und mit 5.000 Euro dotierten Preis für den besten Dokumentarfilm. Der Film sei ein universelles, berührendes Filmporträt eines charismatischen Protagonisten im Kampf zwischen innerer Zerrissenheit und künstlerischer Berufung, teilt die Jury - Ondřej Kamenický, Festivalleiter des One World International Human Rights Documentary Film Festival, Filmkritikerin und Programmerin Ingrid Beerbaum sowie Adam Papliński, Betreiber der Plattform "Pitch the Doc" – mit. "Es sind die einfachen, universellen Geschichten, die uns am meisten berühren."

Nach langer Zeit sozialer Isolation in einer psychiatrischen Klinik versucht ein talentierter junger Mann und Künstler sich ins normale Leben zurückzukämpfen. Ohne unnötiges Pathos oder Sensationslust begleitet der Regisseur ihn sensibel bei seinem Kampf, sich als Künstler wieder in die Gesellschaft einzugliedern und geht seiner kreativen Obsession nach. Voll tiefem Respekt für seinen Protagonisten balanciert der Film dabei behutsam zwischen naher Beobachtung und menschlicher Anteilnahme.“

Bester Kurzfilm

Den Preis für den besten Kurzfilm erhielt der tschechische Beitrag "Dcera" (Tochter) von Daria Kashcheeva. Über den vom Studierendenrat der Hochschule Zittau/Görlitz gestifteten Preis entschieden der deutsche Schauspieler, Musiker und Filmemacher Jürgen Heimüller, die tschechische Kuratorin Jana Čížkovská und der polnische Filmemacher Michał Hytroś, im Vorjahr Gewinner des Kurzfilmpreises an der Neiße. "Die zeitgenössische Animation hat eine wirklich starke Stimme – nicht nur in der diesjährigen Filmauswahl, sondern auch bei europäischen Kurzfilmproduktionen generell." 

Mit ihrem Film "Dcera" (Tochter) nimmt Daria Kashcheeva den Zuschauer mit in eine besondere Welt. Raue Pappmaché-Figuren in zerbrechlichen, handgemachten Settings erzählen von einem laut Jury berührenden Konflikt zwischen Vater und Tochter als eine erfrischende Alternative zu den kindlich schematischen Hochglanzbildern des amerikanischen Blockbuster-Kinos. "Mit anspruchsvoller Kameraoptik und dem intensiven Spiel mit verschwommenen Bildern haucht Kashcheeva den Szenen ein intimes Leben ein, welches uns mitnimmt in die Erinnerungen einer Kindheit voller Unbehaglichkeiten, Missverständnisse und Sprachlosigkeit." In Kashcheevas Film gibt es keine Dialoge. "Stattdessen lässt uns das exzellente Sound-Design noch intensiver nach einem tröstenden Wort sehnen." 

Spezialpreis

Der Filmverband Sachsen vergab seinen Spezialpreis in diesem Jahr an das Filmprojekt "Pan Müller – hier geblieben!" von Patrick Weißig. Der Film beschäftigt sich mit der Lebensgeschichte von Jan Müller, der 1936 in Georgswalde, dem heutigen Jirikov, auf die Welt kam und die Veränderungen einer Region hautnah bezeugen kann. 

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Das 17. Neiße Filmfestival präsentierte in diesem Jahr in einer coronabedingten "Wild Edition" rund 60 Filme in drei Wettbewerben und diversen Filmreihen sowie ein Rahmenprogramm mit Ausstellungen, Filmgesprächen und Konzerten an 15 Spielorten in Deutschland, Polen und Tschechien.

Laut Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) als einer der Schirmherren ist das trinationale Festival einzigartig. "Hier gibt es ein Programm zu sehen, das in enger Zusammenarbeit zwischen Polen, Tschechen und Deutschen entstanden ist und auf besondere Weise gesellschaftsrelevante Themen aufgreift - das macht es so interessant und facettenreich." Es sei  gut, dass in diesem Jahr die Herausforderungen des Klima- und Strukturwandels im Fokus stehen, denn gerade im Zuge der Pandemie rückten die Themen in der öffentlichen Debatte etwas nach hinten. "Ich schätze es daher sehr, dass die Veranstalter den Mut hatten, ein corona-konformes Konzept zu entwickeln."

Das 18. Neiße-Filmfestival soll vom 18. bis 23. Mai 2021 stattfinden. (SZ)

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