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Warum Oderwitzer richtig meckern durften

Das Dorf will sich besser vermarkten, Brachen beseitigen, Bau- und Gewerbeflächen bieten. Was geschehen soll, steht in einem neuen Konzept.

Oderwitz wird mehr Zusammenwachsen: Das ist ein Ergebnis des neuen Ortsentwicklungskonzepts.
Oderwitz wird mehr Zusammenwachsen: Das ist ein Ergebnis des neuen Ortsentwicklungskonzepts. © Rafael Sampedro (Archiv)

Meckern kann man ja immer über das ein oder andere, das im Dorf nicht optimal läuft. Natürlich auch in Oderwitz. Dort waren die Einwohner in den vergangenen Monaten nicht nur aufgefordert, mal so richtig öffentlich zu "meckern". Sie sollten mit der Gemeinde gemeinsam nach Lösungen suchen. Geholfen hat dabei das Planungsbüro Neuland aus Oppach. Es hat aus einer großen, rege genutzten Dorfumfrage und mehreren Versammlungen mit Bürgern und Entscheidern nun ein Ortsentwicklungskonzept erstellt. Es soll am 7. Dezember nach rund anderthalb Jahren Arbeit vom Gemeinderat beschlossen werden.

Was genau ist dabei aber rausgekommen? Zunächst erst einmal, dass die Oderwitzer mit ihrem Ort insgesamt recht zufrieden sind und gar nicht so viel meckern. "Bedarf liegt eher im Miteinander", sagt Ulrike Neumann vom Büro Neuland und präzisiert: "Sich als Einheit zu fühlen, zusammenzuwachsen, das wollen die meisten - und das ist in einem sieben Kilometer langen Ort mit 5.000 Einwohnern eine echte Herausforderung." Was also macht die Gemeinde aus? Passt der Slogan "Windmühlen- und Wetterdorf" noch? Das wird bald noch mal Thema sein. Wie auch immer diese gemeinsam mit den Bürgern geplante Suche ausgeht - mit der neuen Marke will Oderwitz auch touristisch in die Offensive gehen und für sich werben. Ein Teil davon - ein einheitliches Auftreten, ein ansprechender Vorplatz am Gemeindeamt - steht sogar schon im Plan für 2021.

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Wirtschaft und Arbeit sind Top-Themen

Wirtschaft und Arbeit bleiben generell Top-Themen. Viele Oderwitzer wünschen sich eine moderne und zeitgemäße Wirtschaftsförderung und sichere Arbeitsplätze in der Gemeinde. "Das Thema Arbeit war zunächst gar nicht so weit oben auf der Agenda, aber als der Umzug von Arnell nach Zittau und das Ende der Schokoladenfabrik Ende April 2022 aufkam, wurde das schnell anders", sagt Frau Neumann. Natürlich kann ein solches Konzept keine Wunder bewirken. "Es ist aber eine wichtige Arbeitsgrundlage und zeigt, welche Schwerpunkte auch die Bürger sehen", sagt Frau Neumann. Arbeitsgrundlage ist das Konzept aber nicht nur rein inhaltlich: Auch beim Thema Fördermittel ist es wichtig, weil viele Gelder an solche Gesamtkonzeptionen geknüpft sind - egal, ob die Gemeinde oder Privatleute oder Vereine den Antrag stellen, bestätigt auch der Bürgermeister. "Das Konzept ist keine To-do-Liste, es ist ein Rahmen, der vieles weitere ermöglichen soll", sagt er.

Zu den Topthemen gehören die Dauerbrenner im Ort: Genügend "Raum" für wirtschaftliche Neuansiedlungen oder Erweiterungen zum Beispiel. Bauflächen für neue Eigenheime. Dafür bietet der Plan Ideen und Anstöße wie das Brachenmanagement, das die Gemeinde schon vorangetrieben hat. "So ist beispielsweise ganz konkret schon der Abriss der Brache am Dammweg 2 im Haushalt verankert", präzisiert Bürgermeister Cornelius Stempel. Im Brachenkonzept ist verzeichnet, welche Immobilien in welchem Zustand es gibt und wofür sie geeignet sind. Interessenten und Eigentümer kann man so rascher zusammenbringen. Diese Liste ist bereits zu großen Teilen erstellt. Aber auch ganz neue Konzepte wie die gemeinsame Nutzung von Büro- und Besprechungsräumen durch mehrere Gründer und Kleinstunternehmen - also Co-Working - sind als Idee im Konzept enthalten.

Schwieriges Thema Wohnen

Dass viele nicht nur in Oderwitz arbeiten, sondern auch leben wollen, ist ebenfalls kein Geheimnis. Doch Baugrund ist knapp, Häuser sind gefragt und Mietwohnungen ebenso. Bei Mietwohnungen soll deshalb künftig mehr auf Umbau gesetzt werden - je nach Bedarf eben die Zusammenlegung zu größeren Wohnungen oder das Einrichten kleinerer, seniorengerechter und barrierefreier Wohnungen. "Oft leben Senioren allein in großen Häusern, wollen aber mangels Alternative wie einer kleinen Wohnung im Ort, nicht ausziehen", schildert Ulrike Neumann. Damit aber haben Familien, die ein Haus suchen, weniger Chancen in Oderwitz etwas zu finden. Einen überraschend hohen Stellenwert im Ort hat auch das Thema Verkehrssicherheit - egal, ob zu Fuß oder mit dem Auto, betont Ulrike Neumann. Auch das Thema Wasser - sowohl Hochwasser als auch Trockenheit und Löschwassermangel - hat hohe Priorität.

Einen Zeitplan, wann die wichtigsten Dinge umgesetzt sein sollen, gibt es nicht. "Es hängt von vielen Faktoren ab, ob man ein Problem lösen kann. Manchmal gibt es überraschend ein Förderprogramm und es ergeben sich ganz plötzlich neue Möglichkeiten", skizziert Frau Neumann. Vor allem das Erstellen eines Flächennutzungsplans, der ein Schlüssel für viele Probleme sein kann, braucht eben Zeit und kostet eine Menge Geld. "Gemeinden wie Oderwitz können das kaum ohne finanzielle Unterstützung schaffen", sagt die Planerin aus Erfahrung.

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