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Ohne Kohlenkarte wurde der Ofen nicht richtig warm

Wer gut heizen wollte, musste seinen Bedarf beim Kohlehandel rechtzeitig anmelden.

Hier hatte der Kohlenmann etliche Zentner Briketts abgekippt. Wenn das schweißtreibende Einschaufeln beendet war, konnte der Winter kommen.
Hier hatte der Kohlenmann etliche Zentner Briketts abgekippt. Wenn das schweißtreibende Einschaufeln beendet war, konnte der Winter kommen. © dpa

Die Erinnerung kam zu Jahresbeginn im Januar, wenn sie auch etwas kleingedruckt war: Mit einer amtlichen Bekanntmachung machte die Abteilung Handel und Versorgung des Rates des Kreises Löbau vor über 60 Jahren in der SZ darauf aufmerksam, dass jeder Haushalt „die neuen Hausbrandgrund- und Hausbrandzusatzkarten“ für das jeweilige Jahr „beim einschlägigen Kohleplatzhandel“ anzumelden habe. Ein in der Umgangssprache Kohlenkarte genanntes Stück Papier hatte also eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. Haushalte, die den Anmeldetermin versäumten, mussten damit rechnen, dass sie nicht die volle Menge an Briketts bzw. Siebkohle erhalten konnten. Denn der Bedarf wurde in der DDR genau geplant, Kohle gab es nicht im Überfluss. Auch eine von der Haushaltsgröße abhängige Menge billiger Deputatkohle war dann passé. Bei eventuellen Zukäufen musste man tiefer in die Geldbörse greifen, wobei zwischen billigerem Sommer- und teurerem Winterpreis unterschieden wurde.

Die Anmeldungen der Haushalte liefen beim Kohlehandel zusammen. Im Altkreis Löbau war das die volkseigene DHZ Kohle, die an der Elisenstraße/Ecke Güterstraße unweit des Löbauer Güterbahnhofs eine Verkaufsstelle betrieb. Auch die Bäuerlichen Handelsgenossenschaften mit ihren Niederlassungen in etlichen Gemeinden handelten mit Kohle. Zudem gab es eine Vielzahl privater Händler. Herzig und Poike aus Ebersbach, Ostermann aus Walddorf oder Behner und Saatze aus Neugersdorf dürften Älteren heute noch ein Begriff sein.

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Trudelten die Anmeldungen bei den Händlern ein, so war das für sie mit einiger Bürokratie verbunden, denn sie mussten aufgeklebt, getrennt nach Grund- und Zusatzkarten aufgerechnet, beim Rat des Kreises eingereicht werden. Geliefert wurde die Kohle dann meistens lose. An den Brikettbergen vor den Haustüren oder Kellerfenstern erkannte man sofort, wer gerade mit „Schwarzarbeit“ versorgt worden war. Das Einschaufeln und Hineintragen der Kohle war zeit- und kraftaufwendig. Wohl dem, der das schwarze Gold nur auf eine Rutsche schaufeln musste, um es in den Keller rollen zu lassen. Mitunter konnte man sich die Kohle auch in Säcken oder Körben anliefern und hineintragen lassen. Aber das hatte seinen Preis.

Der Kohlehandel lieferte nicht nur Briketts in unterschiedlichen Formen. Auch Rohbraunkohle für Handwerk und Gewerbe wurde angeboten. Und Trockenpresslinge aus Niederlausitzer Klarkohle mit Teerzusatz, um geringwertige Braunkohle oder Kohleabfälle durch ein Pressverfahren fürs Heizen nutzbar zu machen. Vor 65 Jahren nannte ein Werbe-Inserat des privaten Kohlehandels für den Kreis Löbau vier Händler, die diese Presslinge selbst herstellten, weil sie über die entsprechende Technik verfügten, darunter die Neugersdorfer Maruschke & Neumann. Der Platz, auf dem dieser Kohlehändler seinen Firmensitz hatte, ist übrigens heute noch gut frequentiert. Allerdings werden hier längst keine Briketts mehr angeboten, sondern Lebensmittel – im Netto-Markt Rumburger Straße.

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