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Nach brutalem Überfall: Gericht holt Gutachten ein

Zwei Männer sollen Udo M. 2019 in Seifhennersdorf schwer verletzt haben. Angeklagt sind sie bereits. Doch zur Verhandlung kam's noch nicht.

Von Thomas Christmann
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Udo M. ist geistig behindert und halbseitig gelähmt. Bis zu dem Überfall vor über zwei Jahren konnte er in einer eigenen Wohnung leben. Das geht nun nicht mehr.
Udo M. ist geistig behindert und halbseitig gelähmt. Bis zu dem Überfall vor über zwei Jahren konnte er in einer eigenen Wohnung leben. Das geht nun nicht mehr. © Matthias Weber

Das Landgericht Görlitz kann noch keinen Termin nennen, wann der Überfall auf den geistig behinderten und halbseitig gelähmten Udo M. am 16. September 2019 in Seifhennersdorf verhandelt wird. Dabei liegt die Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung, räuberischer Erpressung und Nötigung gegen zwei Männer dort schon seit Dezember vorigen Jahres vor.

Die Staatsanwaltschaft sieht aufgrund von Aussagen des Geschädigten und weiterer Zeugen genug Anhaltspunkte, dass ein heute 41- und 43-jähriger Deutscher für die Tat infrage kommen. Mit einer Hirnblutung, Hämatomen, Prellungen und einer Nierenquetschung kam Udo M. damals ins Krankenhaus. Damit nicht genug, brach wenige Stunden später in seiner Wohnung an der Nordstraße ein Feuer aus - das alles vernichtete.

Ursprünglich liefen gegen die Männer deshalb auch Ermittlungen wegen Brandstiftung. Dort hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren aber eingestellt - aus Mangel an Beweisen. "Es gab keine Spuren oder Zeugen, nur Anhaltspunkte", begründet Christopher Gerhardi den Schritt. So fehlten laut dem Staatsanwalt die Erkenntnisse über den Ablauf und wer was gemacht haben soll. Und Mutmaßungen reichen nun mal nicht, um den Vorwurf vor Gericht zu bringen.

Doch warum hat das Gericht noch nicht über den Fall verhandelt? Das holt derzeit über den älteren Angeklagten noch ein forensisch-psychiatrisches Gutachten ein. "Es geht um die Frage, ob der Angeschuldigte in seiner Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit erheblich eingeschränkt oder aufgehoben war und ob aus medizinischer Sicht auch die Unterbringung des Angeschuldigten in einer Entziehungsanstalt in Betracht kommt", teilt Jörg Küsgen vom Landgericht Görlitz mit. Ein Verhandlungstermin sei damit in diesem Jahr nicht mehr zu erwarten.

Der 41-Jährige darf sich freien Fußes bewegen. Der 43-Jährige saß bereits wegen einer anderen rechtskräftigen Verurteilung in Haft und befindet sich nun in Untersuchungshaft, aufgrund der neuerlichen Anklage. Im Falle eines Schuldspruchs erwartet die beiden eine Haftstrafe von mindestens drei Jahren - ohne Bewährung. "Während der Ältere den Vorwurf bestreitet, äußert sich der Jüngere nicht dazu", teilt Staatsanwalt Christopher Gerhardi mit.

Udo M. lebt inzwischen im Awo-Heim für Menschen mit Behinderung in Löbau. Er kann und will nicht mehr zurück in sein altes Leben.