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Wenn fast blinde Augen vor Freude strahlen

Die Zittauer Augenoptikerin Kathleen Seibt eröffnet in Löbau ihren Betrieb für ganz spezielle Technologie - und schenkt Sehbehinderten damit neues Lebensglück.

Augenoptikerin Kathleen Seibt hat in Löbau ihr Unternehmen "Besser Sehen" neu eröffnet.
Augenoptikerin Kathleen Seibt hat in Löbau ihr Unternehmen "Besser Sehen" neu eröffnet. © Matthias Weber

Die Augen sind das Fenster zur Seele, heißt es. Augen sind es, die Kathleen Seibt ihr ganzes Berufsleben lang beschäftigen. Und sie vermag es, mit ihrer Arbeit zu den Seelen von Menschen vorzudringen und ihnen neues Lebensglück zu schenken. Kathleen Seibt ist Augenoptikerin - aber eine ganz besondere. Sie bietet stark sehbehinderten Menschen in der Inneren Bautzner Straße in Löbau jetzt Hilfe an, die diese bisher weit und breit nicht bekommen konnten. Diese Hilfe ist keine Zauberei, sondern modernste Technologie.

"Meine Arbeit fängt da an, wo die Brille nicht mehr ausreicht", sagt Kathleen Seibt. Und Menschen allein zu einer richtigen Brille zu verhelfen, das hat der 45-Jährigen schon früh nicht mehr ausgereicht. "Mich faszinieren Augen und Menschen zum Sehen zu bringen", erklärt sie ihren beruflichen Antrieb. Deshalb erlernte sie nach ihrem Abitur in Zittau das Augenoptikerhandwerk und arbeitete anschließend in ihrem Ausbildungsbetrieb. "Aber ich habe dann nach einer weiteren Herausforderung gesucht und bin in den Bereich der Augenheilkunde gewechselt", erzählt sie. Mehrere Jahre arbeitete sie als Assistenz bei einer Zittauer Augenärztin und erwarb schließlich an der renommierten "Hermann-Pistor-Fachschule für Augenoptik" in Jena ihren Meistertitel.

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Das neue Glückserlebnis vom Lesen

"In meinen Räumern kullern oft Tränen", sagt Kathleen Seibt - aber es sind stets Tränen des Glücks. Sie erzählt von hochbetagten, über 90-jährigen Patienten, die Augenärzte zu ihr schicken. "Die erzählen etwa, dass sie schon seit etlichen Jahren keine Zeitung mehr lesen können und sie deshalb abbestellt hätten, weil ihnen nur noch wenige Prozent ihrer Sehkraft verblieben sind." Doch etwa die Lektüre ihrer Zeitung ist für viele Menschen auch ein Stück Sozialleben, ein Draht zur Welt. Und Kathleen Seibt zeigt den Menschen, dass sie an diesen Draht wieder anschließen können.

Mit dieser Vergrößerungstechnologie können auch stark sehbehinderte Menschen wieder ihre Zeitung lesen.
Mit dieser Vergrößerungstechnologie können auch stark sehbehinderte Menschen wieder ihre Zeitung lesen. © Matthias Weber

Im Grunde geht's dabei um Vergrößerungs-Technologie. Dort eben, wo eine einfache Brille nicht mehr reicht. "Sobald eine Augenkrankheit im Spiel ist, braucht man für jede Seh-Situation andere Hilfsmittel", erklärt Seibt. Früher mussten sehschwache Menschen noch mühsam mit einer schweren Handlupe über Schriftstücke fahren. So etwas hat Kathleen Seibt - freilich in moderner Form - auch im Angebot. Aber sie hat eben die Technik für die speziellen "Seh-Situationen". Bildschirmlese-Geräte etwa, auf die man die Zeitung, ein Buch oder ein anderes Schriftstück legt. Eine hochauflösende Kamera erfasst die Schrift und stellt sie in der Größe frei skalierbar auf einem Monitor dar. Manche dieser Geräte haben auch noch eine automatische Vorlesefunktion eingebaut.

"Die Menschen erleben, dass sie mit diesen Vergrößerungsgeräten nicht nur lesen, sondern auch wieder schreiben können, weil sie unter der Kamera wieder erkennen können, was sie schreiben", erklärt Seibt. Sei es ein Brief oder ein Kreuzworträtsel. "Wer schlecht sehen kann, erlebt das oft als Isolation", sagt Seibt, "und schreiben befreit aus dieser Isolation, hält fit und den Geist rege." Viele der älteren Patienten kommen auch auf Zutun besorgter Angehöriger, die der Mutter oder dem Vater helfen wollen. Da zeige sich auch immer ein weiterer praktischer sozialer Nutzen solcher Vergößerungsgeräte. "Die Menschen bekommen Post, können aber oft nicht unterscheiden, ob es etwas Wichtiges oder Unwichtiges ist", sagt Kathleen Seibt. Mit dieser modernen Vergrößerungstechnologie könnten sie sofort etwa Behördenpost von Werbebriefen unterscheiden und dann auch ihre Angehörigen um Hilfe bitten. Auch andere Freudenmomente erlebt Seibt: "Die Menschen sind so glücklich, dass sie etwa ihre alten Fotoalben anschauen können oder Karten."

Seh-Technologie aus der Auto-Industrie

Der neueste Technik-Clou in Kathleen Seibts Arsenal ist eine Kamera mit Vorlesefunktion, die sich an einem ganz normalen Brillengestell befestigen lässt. "Das kommt aus der Automobilindustrie, dort wird es etwa in der Entwicklung des autonomen Fahrens verwendet", sagt sie. Per Gestensteuerung kann der Brillenträger etwa auf einen Fahrplan oder ein Schild vor sich deuten - der Text darauf wird dann automatisch vorgelesen. Und die Kamera kann noch mehr: Gesichter erkennen etwa. Ist eine Person dort einmal eingespeichert, kann die Funktion dann immer wieder abgerufen werden. Die Brille sagt dann etwa: "Das ist Kathleen Seibt."

"Die Leute gewinnen Lebensfreude damit und es ist mein Ziel, sehbehinderte Menschen wieder zu mobilisieren", sagt Kathleen Seibt. Immer wenn wie jetzt die dunkle Jahreszeit anbreche, spüre sie verstärkte Nachfrage. "Und auch gerade jetzt in Corona-Zeiten kommen viele ältere Herrschaften nicht raus", sagt sie. Und ihre moderne Technik kann helfen, dass für sehbehinderte Menschen diese Zeit zu keiner dunklen Einsamkeit wird. 

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