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"Wir werden Nachbarn treffen, die weinen"

Antje Pech, Chefin des Kirchenbezirks Löbau-Zittau, über Weihnachten in Corona-Zeiten, abgesagte Christvespern und Hilfe für verzweifelte Menschen.

Antje Pech ist die Superintendentin des evangelischen Kirchenbezirks Löbau-Zittau.
Antje Pech ist die Superintendentin des evangelischen Kirchenbezirks Löbau-Zittau. ©  Thomas Eichler (Archiv)

Dieses Jahr ist alles anders. Auch Weihnachten. Die Corona-Pandemie bringt auch die liebgewordenen Traditionen durcheinander. Einige Kirchgemeinden in der Region Löbau-Zittau haben sich sogar entschlossen, auf Christvespern und Gottesdienste zu verzichten. Antje Pech, Superintendentin des evangelischen Kirchenbezirks Löbau-Zittau, sagt im SZ-Interview, wie man mit Weihnachten umgehen sollte und wie die Kirche reagiert.

Frau Superintendentin, dieses Jahr ist wegen der Corona-Pandemie alles anders. Graut Ihnen vor Weihnachten?

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Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Nein, überhaupt nicht. Wir glauben ja, dass Weihnachten Gott zu uns kommt. Das heißt, dass er uns gerade auch in belastenden Zeiten und Situationen - wie wir sie jetzt mit Angst um die eigene Gesundheit und die der Eltern und Großeltern sowie einer großen Unsicherheit erfahren - begegnet. Gott kommt überall hin und erreicht jeden, in der Kirche, in Krankenhäusern, zu Hause. Wir glauben daran, dass Gott dafür sorgt, dass schlimme Dinge wieder heil werden können. Manchmal auch erst in einer anderen Welt. Seine Botschaft lautet: Fürchtet euch nicht.

Werden die Gemeinden das Christfest wegen Corona anders feiern als gewohnt? Werden Gottesdienste abgesagt?

Es gibt die Vorgaben der Bundesregierung, des Freistaates Sachsen, des Landkreises Görlitz und unserer Landeskirche. Die Vorstände der Kirchgemeinden müssen diese einhalten. Bei ihnen liegt die Verantwortung. Wenn sich jemand im Gottesdienst infiziert, werden sie gefragt. Deshalb prüfen die Kirchenvorsteherinnen und Kirchvorsteher jetzt genau, wie sie vorgehen und wie sie die strengen Hygiene-Vorschriften umsetzen können. Das kann bedeuten, dass nur wenige Menschen in der Kirche Platz finden. Andere Kirchenvorstände sagen: Wir können es nicht riskieren, Menschen zu versammeln. Wir verzichten lieber, so wie andere Teile der Gesellschaft derzeit auch. So sind wir eine große Solidargemeinschaft.

Also bleiben die Kirchen Weihnachten zu?

Nein, alle Kirchen werden am Heiligen Abend offen sein. Auch an den beiden Christtagen, dem 25. und 26. Dezember, wird das so sein. Alle, die sich auf den Weg machen, können zur Krippe kommen - so, wie es uns die biblische Geschichte erzählt. Das passiert natürlich unter Einhaltung der Hygiene-Vorgaben und im zeitlichen Abstand. In einigen Kirchen werden Gottesdienste gefeiert. In anderen Kirchen werden Pfarrerinnen und Pfarrer da sein, es werden die Orgeln gespielt, es wird die Möglichkeit zur persönlichen Andacht geben, aber eben keine Menschenansammlungen. Gut ist es, sich über die Zeiten vorher zu informieren. Darüber hinaus gibt es wie zu Ostern viele digitale Angebote und die TV-Gottesdienste, auf die die Menschen zurückgreifen können. Außerdem haben wir am 1. Dezember ein Krisentelefon eingerichtet, dass von fünf Mitarbeitenden des Kirchenbezirkes 24 Stunden am Tag betreut wird. Auch unsere Seelsorger und Seelsorgerinnen sind telefonisch erreichbar.

Apropos Seelsorge. Dieses Weihnachten werden besonders viele Menschen allein sein und Beistand nötig haben. Können Sie das leisten und ist das wegen der Corona-Einschränkungen überhaupt möglich?

Ja, wir werden fast alle an den Telefonen sein, auch am Heiligen Abend und an den Christfesttagen. Wenn eine Verbindung zu einem Seelsorger oder einer Seelsorgerin einmal nicht zustande kommen sollte, vermittelt unser Krisentelefon, das unter der Nummer 0152 59 31 00 35 erreichbar ist, einen Kontakt. Zudem sind auch unsere Posaunenbläser - bestehend aus maximal zwei Hausständen - unterwegs.

Was empfehlen Sie: Wie können die Menschen mit der Situation im Allgemeinen und Weihnachten in diesem Jahr und unter diesen Umständen im Besonderen umgehen?

Natürlich denke ich in diesen Tagen an die Kranken und an die, die in besonderer Weise gefährdet sind. Die Kontaktbeschränkungen nehme ich deshalb sehr ernst. Und ich möchte die, die gerade jetzt Hilfe brauchen, nicht alleine lassen. Eine alte kirchliche Form ist das Gebet, die Fürbitte: Die Hände falten und für anderen beten. Weiter ist mir das Lesen der Weihnachtsgeschichte wichtig und das Singen der vertrauten Lieder. Das kann zu Hause von jeder und jedem gemacht werden. Da muss man keine Pfarrerin sein. Unser Glaube sagt: Gott ist auch dann da. Vielleicht werden wir am Heiligen Abend Nachbarn treffen, die weinen, weil sie einen Angehörigen durch die Krankheit verloren haben. Vielleicht ist die wichtigste Aufgabe an diesem Christfest, einander zu trösten. Vielleicht rückt die Gesellschaft dadurch wieder zusammen.

Hier finden Sie die Termine der Christvespern und Gottesdienste in allen Kirchgemeinden der Region Löbau/Zittau zu Weihnachten, Absagen und Bitten um Anmeldungen.

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