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Kamen Pfefferkuchen nur aus Pulsnitz?

Auch in anderen Orten der Oberlausitz wurden die Leckereien hergestellt, so in Löbau und in Zittau.

Symbolbild
Symbolbild © Pulsnitzer Pfefferkuchen

Weihnachtszeit ist zugleich Pfefferkuchenzeit. Sofort denkt man dabei an Pulsnitz in der westlichen Oberlausitz. Auch vor 100 Jahren wurde das Städtchen in einem Atemzug mit Pfefferkuchen genannt. Lokalzeitungen weckten in der Vorweihnacht 1920 kräftig den Appetit auf die Süßigkeiten, die hier entstanden. „Man sollte meinen, die Häuser in Pulsnitz bestünden aus Pfefferkuchen und die Straßen seien mit süßen Pflastersteinen gepflastert“, schwelgte ein Reporter. Und ein anderer Pressemann wollte ihn noch übertreffen: „Der Fremde, der eben mit der Bahn ankam, glaubt ins Schlaraffenland versetzt zu sein, da Milch und Honig fließt und wo schon die Lebenslust die herrlichsten Geschmäcker auf die Zunge zaubert.“

Die in Reichenau erscheinende „Oberlausitzer Heimatzeitung“ wagte einen Blick in die Zutatenkiste: „Verwendet wird für den Teig nur bester Honig und Sirup, welcher aus Übersee bezogen wurde, von Valparaiso, von Havanna und von Liverpool.“ Und das Wochenblatt zählte weitere Zutaten auf, die einem schon beim Lesen das Wasser im Munde zusammenlaufen ließen: Cardamom, Kanel vom Ceylonzimmet, Vanille, Marzipan, Nüsse, Mandeln, Schokolade, Fruchtmarmeladen und Zitronat, gewonnen aus italienischen Melonen. Schließlich wurden die verschiedensten Sorten und Spezialitäten benannt, die damals in Pulsnitz unter geschickten Händen entstanden: „Da gibt’s Honigkuchen, Lebkuchen, Elisen- (mit Marmeladenfüllung), Makronen- (mit Marzipan), Nuß-, Schokoladen-, Vanille- und andere Kuchen, Leckerle, Zungen, Striemen, Pflastersteine, Pfeffernüssel und dergleichen.“

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Gewerbeanzeige der Pfefferküchlerei Benno Daum im Löbauer Adressbuch von 1889.
Gewerbeanzeige der Pfefferküchlerei Benno Daum im Löbauer Adressbuch von 1889. © Repro SZ

All diese Leckereien waren überaus begehrt, erst recht vor 100 Jahren in den Notzeiten des Ersten Weltkrieges und danach. Der Pfefferkuchen wurde zu einem begehrten Kräftigungs- und Nahrungsmittel. Überliefert ist, dass im Winter 1917 auf einem Jahrmarkt in Bautzen der Andrang beim Abladen der Pfefferkuchenkisten aus Pulsnitz so groß war, dass die für die gesamte Marktzeit berechnete Menge in wenigen Stunden aus den angelieferten Kisten verkauft war, ohne an die Stände gekommen zu sein.

Aber war Pulsnitz wirklich der einzige Pfefferkuchenort in der Oberlausitz? Gab es keine weiteren Plätze, wo das Backwerk entstand? Natürlich gab es die. Bekanntlich hat sich Weißenberg einen Namen mit Pfefferkuchen gemacht. Das Museum „Alte Pfefferküchlerei“ belegt das eindrucksvoll, ist es doch der älteste und einzige in ursprünglicher Form museal genutzte Handwerksbetrieb eines Pfefferküchlers in Europa. Erbaut wurde das Haus 1643. In den Weißenberger Bäckerinnungsakten ist das Küchlerhandwerk erstmalig 1683 urkundlich belegt. Die Pfefferkuchentradition in Pulsnitz geht sogar bis ins 16. Jahrhundert zurück.

Und wer in alten Adressbüchern blättert, der wird auch in weiteren Orten in Sachen Pfefferkuchen fündig. In einem Löbauer Adressbuch von 1889 wirbt zum Beispiel die „Conditorei und Pfefferküchlerei Benno Daum“ als Adolph Mays Nachfolger in der Zittauer Straße für ihre Erzeugnisse. Die Produktion von Pfefferkuchen war folglich ein Handwerk, das in vielen Städten ansässig war. Ein Firmenverzeichnis Zittaus von 1949 vermeldete zum Beispiel zwei Pfefferkuchen-Hersteller. Das waren Hellmann & Rost in der Rudolf-Breitscheid-Straße und Michaelis in der Brüderstraße. Bei zwei weiteren Firmen fehlte der Zusatz „Hersteller“. Vermutlich waren das Pfefferkuchen-Händler, der eine in der Frauenstraße, der andere auf der Reichenberger Straße ansässig.

Eines allerdings konnten sich diese im Vergleich zu Pulsnitz „kleinen“ Lebkuchenhersteller bei Strafe ihres Untergangs nicht leisten: die Kuchen anerkannter Pfefferküchler heimlich nachzumachen und zu verkaufen. Davor hatte bereits das „Lexikon der Betrügereien aller Stände im 18. Jahrhundert“ offenbar mit Erfolg gewarnt.

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